Wolfgang an Lichtbildprophet: ‚Arbeitsanfrage‘

Besucher schickt das Internet!
Wie den wortkargen Wolfgang.

Ich bin ja absolut dagegen, alles und nichts gesetzlich zu regeln. Letztlich schaffen neue Regeln neue Grauzonen für Typen wie ‚Wolfgang‘, der auf Minimalkonversation spezialisiert ist. Ich täte mich ja kurz vorstellen, Name, Wohnort und warum ich meinem Schreibpartner auf den Zünder gehen möchte. So etwas müsste gesetzlich verpflichtend sein. Aber nein, der Homo digitalis haut ein paar Wortfetzen raus und der Bildungsbürger muss zusehen, was er damit anfängt, wie er damit zurechtkommt. In dienstlichen Belangen lasse ich mich gern so behandeln, werd ich dafür ja auch fürstlich und monatlich entlohnt. Doch im Privatsektor werde ich bei soviel Maulfaulheit zur Diva. Zicke. Zur hysterisch quiekenden Bodenvase. Wenn eine Übermutter ihrer Laibesfrucht kein Benehmen beigebogen hat, gibt das mir das Recht den Leidtragende einer verfehlte Erziehung abzulehnen.

Ja, die gute Schreibe ist in der Ära der Sprachnachricht totalst unkühl. Mal sehen wann WordPress eine entsprechende Funktion für Sprachklopse und Bildungsopfer in die Blogs bringt: Sprachkommentare! Es ist Zeit für eine weitere Revolution zur ausgiebigen Pflege der Bequemlichkeit.

Vielleicht ist Wölfi ‚Wolfgang‘ auch nur einer dieser Solosexpraktiker, die einen feuchten Schlüppi kriegen, geben sie falsches Interesse gegenüber einem übermotivierten Kreativ-Zeitgenossen vor, verbunden mit der Hoffnung, ich laufe nun Achten und mach das Atelier für ‚auch Akt‘ klar. Allein das Verwenden einer megaseriösen Yahoo-Mailadresse lässt mich immer stutzig werden. Das ist so wie Google Mail, Yandex und wie die treuen Spam-Begleiter der Aufmerksamkeitsdefizitären auch alle heißen mögen. Ein Vorteil hat Wolle’s verbaler Überschwang: Ich kann kübelweise Gülle über einen stinkenden Scheißhaufen Lebenszeitverschwendung vergießen.

Dennoch bleibe ich zunächst ein netter Mensch und steigere ‚Wolfgang’s Gesprächigkeit um eine freundliche Begrüßung:

‚Hallo, könnte ich. Beste Grüsse‘

Das hat ‚Wolfgang‘ offensichtlichst so irritiert, dass auf seine ‚Arbeitsanfrage‘ keine nennenswerte Reaktion folgt:

Zitat Anfang
Könnten Sie noch ein Modell (auch Akt) gebrauchen?
Beste Grüße

Zitat Ende

Autor: Lichtbildprophet

Lichtbildprophet ist ein fotografisches Projekt rund um die experimentelle Fotografie und Dunkelkammer. Initiator der Ein-Mann-Show ist Ronald Puhle aus Berlin. Er hat zwei Jahrzehnte als Freier Autor Fachartikel und Bücher über die Fotografie und digitale Bildbearbeitung verfasst und führt heute seine kreative Arbeit im Offenen Atelier Berlin-Marzahn fort.