Das war es dann mit 2025

Alle 2025 verschossenen Filme sind abgezogen. Zwischen überlagerten Fotomaterialien habe ich ein paar alte, noch nicht katalogisierte Sofortbilder gefunden. Eines trägt auf der Rückseite die Jahresangabe 2010, ein anderes 2011. Zeit ist so leicht flüchtig. Durch die aktuelle Modellflaute dachte ich anfänglich, nur ein paar hundert Aufnahmen auf Papier bringen zu können. Doch die Perle und ich können uns zu ein paar Fototouren aufraffen. Am Ende werden es dann doch über 1300 Bilder, die ich dieses Jahr geschaffen habe. Erstaunlich, wie das Gefühl widerrechtlich über das Wissen triumphiert.

Beim Scannen der letzten Aufnahmen zum Fotoprojekt Menschen in der Großstadt stelle ich fest: Nicht Menschen überfluten touristisch interessante Innenstädte. Mittlerweile sind es die Smartphones, die das Pflaster bevölkern. Dumm nur, dass diese Funkdinger einen Menschen in ihrem Schlepptau haben. Dieser Umstand fällt mir auch auf der Tramfahrt zur Arbeit und zurück auf. Beäugte Smartphones und Mensch halten sich mittlerweile die Waage. Hat Mensch nicht Besseres zu tun, als sein Leben in einer digitalen Blase zu verbringen?

Apropos Arbeit. Durch den Rentenpunkteverlust nach meiner Scheidung war Ende 2024 noch die Rede davon, bis zu meinem 67. durchzuarbeiten. Diese Brandmauer bröckelt zum Jahresanfang 2025. Aus der Überlegung, noch bis zum 65. Lebensjahr weiterzumachen, werden am Ende die Rente mit 63 und im verbleibenden Jahr teilsabbatical 75% der Wochenarbeitszeit zu arbeiten. Mittlerweile ist der Rentenantrag gestellt und der Hochschuljob nach fast 40 Jahren gekündigt. Ab 01. August 2026 habe ich keinen Bock mehr auf echtes Arbeiten und mache auf missverstandenen und an einem Hungertuch nagenden Art Brut-Künstler.

Ich rede nicht von Rente, ich rede von Phase III: Phase I, meine Kindheit und Phase II, 45 Jahre arbeiten und Rentenpunkte sammeln. Es existiert eine kleine Liste mit Dingen, die ich in Phase III machen möchte. Acht Anstriche sind es mittlerweile und ich weiß, es sind zumindest die Hälfte zu viel. Was im Detail auf dem Zettel steht, das bleibt mein Geheimnis. 



Zum Abschluß mein Bild des Jahres: Im letzten Viertel des Jahres, mein Ronymol Spritz ist mittlerweile aufgebraucht und kein adäquater Ersatzentwickler gefunden, entschied ich mich, ORWO’s Technisches Fotopapier (ORWO Dokumentenpapier) zu lithen. Das Ergebnis war so überraschend imperfekt und vom Zufall gezeichnet, dass ich mit dem Gedanken spiele, besondere analoge Aufnahmen der letzten Jahre ebenso in dem Stil abzuziehen. Das ist Punkt Nummer Neun in meiner Liste Phase III, die dummerweise immer länger wird.

In dem Sinne: Wir sehen uns 2026 wieder, oder auch nicht.

Autor: makkerrony

Makkerrony ist ein Photoalchemist aus Berlin und der Macher des Magazin Lichtbildprophet, dem weltbekannten Blog für experimentelle Lichtbildkunst. Er gilt als der Begründer des Fotografischen Depressionismus und Erfinder der Lichtbildschreibmaschine. Seine Werke bestechen durch die bodenständige Aufnahmetechnik (LoFi - Fotografie), den kreativen Einsatz überlagerter Fotomaterialien, insbesondere ORWO-Fotopapiere und ORWO-Dokumentenpapiere und der Anwendung des Lith Print-Verfahren. Unter echten Kennern der Szene ist Makkerrony der Farbige unter den Schwarzweißen gilt.