Aktion WerkTausch

Es ist schon eine Weile her, da sprach mich Marc von Martial an, ob wir nicht Bilder tauschen wollen. Für einen kurzen Moment war ich überrascht, gab es vorher keinen Kontakt zwischen uns. Und um ehrlich zu sein: Männer, Bilder tauschen? Das klingt doch eher nach Grundschule und P(oe)ösiealbum. Auf der anderen Seite habe ich hier im Home Office Bildbände großer Meister, Bilderbücher ‚viel größerer‘ Halbmeister und von Fotografen, mit denen ich losen Kontakt hielt. Also, warum nicht: Bildertausch mit Marc!

Heute finde ich einen Brief von Armin Andreas Pangerl in meinem wenig ausgelasteten Atelierbriefkasten. Ja, es gibt noch Menschen die schreiben Brief. Armin Andreas Pangerl? Keine Ahnung, meine Vergesslichkeitsrate ist enorm gestiegen, obwohl aus ärztlicher Sicht das sicherlich so nicht sein kann. Ohne Google bemühen zu müssen klingelte es im Kopf: Notiz an mich! Was für eine Überraschung, Leserfeedback.

In Armins Brief liegen zwei Arbeiten als Dank für meine Worte. Sie erinnern mich in der Größe an meinen Gedanken an Miniaturfotografien, aufgereiht wie an einer Perlenkette. Der Betrachter muss dicht herantreten um zu sehen. Nächstes Jahr im März bin ich wieder bereit und werde eine eigene kleine Ausstellung auf die Beine stellen. Der Kopf rattert, sucht Ideen. Vielleicht der Miniaturgedanke? Was mache ich mit dem Smombies oder dem Homo digitalis? Ich habe doch nur analog. Ich schreibe Armin und möchte mich mit eigenen Arbeiten für seine Großzügigkeit bedanken.

Der Bildertausch unter Kreativen ist eine gute, vielleicht sogar eine sehr kommunikative Idee, ohne das man dabei viele Worte verlieren muss. Die Werke eines anderen Künstler annehmen, die außerhalb des eigenen Tellerrands liegen? Man hat genügend Zeit sie wieder und wieder zu betrachten und zu entdecken. Ich drehe Armins Malereien und finde andere Lagen, die mir auch gefallen könnten.

Ich starte die Aktion WerkTausch!
Arbeit gegen Arbeit.
Es muss keine Fotografie sein, ich selbst bin für jede Art der Kreativität offen.

Hauptsache es sind keine quadratmetergroße Installationen, die Arbeiten müssen per Briefpost sendbar sein. Im Gegenzug gibt es etwas von mir, gerne dürfen Wünsche geäußert werden. Im Grunde genommen kann jedes Bild aus dem Blog genommen werden, außer es handelt sich um die Schmuddelbildchen der Spammer und Scammer. Wie man mit mir in Kontakt treten und sich an der Aktion beteiligen kann, ist hier nachzulesen.

Ich bin gespannt auf das, was da vielleicht kommt!

Beteiligte Künstler:
Armin Andreas Pangerl
Marc von Martial

Ein Bio-veganer Albtraum

oder: Die Probleme des klimastreikenden Gutmenschen

Irgendwann in der Nacht.
Halbschlaf mit einem menschlichen Durstgefühl.
Ich möchte einen Schluck aus der sogenannten ‚Pfandwertflasche‘ nehmen.
Auf der Verpackung lese ich ‚4 Portionen‘.
Ich möchte das Lebensmittel anders portionieren als vier Portionen.
Eine Portion oder zwei. Vielleicht aber auch acht Portionen.
Ich frage mich: Ist das Lebensmittel in anderen Portionsteilungen noch ein sicheres Lebensmittel?
Ich rufe bei der Serviceline des Herstellers an.
Die Nummer steht auf der Verpackung, die aus 14% nachwachsenden Rohstoffen sowie 35 % wieder verwertetem Kunststoff besteht und zu 100% recyclebar ist.
Das Produkt ist ein Green Brand, vegan und Bio.
Bis auf das Wasser, die Kohlensäure und die natürlichen Aromen.
Sie enthalten keinen Hinweis auf Bio.
Oder vegan.
Aber das Gesamtprodukt ist vegan und Bio.
Ist es auch klimaneutral?
Und wenn ich es anders portioniert im Genuß erlebe, was ändert sich an der Ökobilanz?
Nur die Serviceline versteht meine Fragen nicht.
Vielleicht will sie meine Frage auch nicht verstehen wollen.
Weil das Produkt nicht so Bio und vegan ist, wie auf der 100% recyclebaren Kunststoffverpackung steht.
Ich fühle mich jetzt von dem Hersteller echt gedisst und tierisch verarscht.
Da muss ich gleich in Facebook und Youtube aber richtig Stimmung gegen die Umwelt-, Klima- und Veganleugner machen.
Beim super sicheren Login mit bequemer Zwei-Faktor-Authentisierung springt mein Gehirn an …

Was für ein Albtraum!
Womit sich Leute heute beschäftigen und glauben, damit ein besserer Mensch zu sein.
Das ist Lebenszeitverschwendung.
Selbstbetrug.
Beschäftigungstherapie, die von den eigentlichen Problemen ablenken soll.

Eigentlich habe ich nichts geschafft

Viel hatte ich mir für die zwei Wochen Auszeit vorgenommen, zum Beispiel

einem Emulsionslift auf einer Kachel, BetrachtStein, einen Upcycling-Holzrahmen basteln,
mich der Chromoskedasic Sabattier Technique zu wenden,
etwas mehr draußen fotografieren
und Moersch Pyro 48 auf Papier auszuprobieren.

Nächste Woche steigt ewig!, zwei Jahre intensive Arbeit mit meinen Rentnern neigen sich dem Ende zu. Danach geht es mit dem Fotografischen Frühschoppen zwar weiter, ich möchte wieder zu den experimentellen Anfängen dieser Runde zurückkehren.

Die Liste der ToDo’s ist ehrgeizig, ich habe aber auch Zeit und nix anderes im Kalender zu stehen habe. Doch der Besuch bei ‚Gandalf dem Weißen‘ vor meinem Urlaub nimmt mir den Wind aus den Segeln. Es gibt eigentlich keinen Grund zur Sorge, nur ein paar plötzlich auftauchende ‚Symptome‘, die genauso schnell wieder weg sind. Ich versuche ihm alles zu erzählen, doch man lässt mich nicht aussprechen. In Summe werde ich nur einen Aspekt der ‚Problemchen‘ los, bekomme ‚Horrorszenarien‘ gemalt, die sich bei Kenntnis der Gesamtlage dann doch eher als ‚psychisch‘ bedingte Luftschlösser erweisen könnte. Denke ich zumindest und ich soll ja den Deputy-Doktor geben, die richtigen Fragen stellen. Wenn mir von anderer Stelle gesagt wird ‚… ist das noch nicht weg, es ist doch schon so lange her‘, dann möchte ich zum Hobbit werden und mich in meine Erdhöhle verkriechen.

Gestern las ich die Kurzbeschreibung eines Blogs:

‚Überleben trotz Krebs – weil Krebs nie weg geht, denn wenn er weg ist, bleibt er in den Gedanken.‘

Wie wahr und hier liegt wohl auch mein Problem. Zudem glaube ich, dass meine Stressresistenz extrem nachgelassen hat. Ich versuche extra geschmeidig durch die Welt zu gleiten. Doch da sind die Mitmenschen, die mir mit ihren Allüren mein Leben schwer machen wollen. Muss ich wieder aussortieren und das, was mir nicht gut tut aus meinem Leben streichen? ‚Gandalf der Weiße‘ wäre ein potentieller Streichkandidat, obwohl ich ihm damit Unrecht tue. Ich bin das Problem.

Obwohl alles vorbereitet ist, bastle ich keinen Upcyclingrahmen für meinen BetrachtStein. Zwei Dunkelkammer-Session widme ich mich der Chromoskedasic Sabattier Technique und komme auf keinen brauchbaren Zweig. Ich mag nicht an die wandernden Silberkörner in der Emulsion glauben, das ist pure Alchemie. Was ich herausfinde: Ich muss für Sabattier & Co. mit dem Cyanotypie-Gesichtsbräuner arbeiten. Das Unterbau- und Deckenlicht in der Dunkelkammer ist zu schwach.

Die Tage werden kälter, meine Lithprints brauchen mehr Zeit. Ich greife zum Wasserbad und kann über die Konzentration der Arbeitslösung, die Belichtung sowie Agitation und die Lage der oberen Schale meine Störungen im Abzug halbwegs reproduzierbar beeinflussen. Das ist ein echter Wissens- und Bildgestaltungszuwachs für mich. Letztlich bekomme ich auf diesem Weg sogar eine schöne ’neue‘ Farbigkeit in mein altes ORWO-Fotopapier.

Draußen fotografieren? Ich bekomme gerade mal eine Tour hin. Dafür räume ich meine Waffenkammer auf um festzustellen, dass mir die Lomo LCA und ein bis drei analoge Nikon’s vollkommen genügen würden. Alles andere belagert zwei Etagen im Flurschrank und wird wohl nie wieder zum Einsatz kommen. Das ist purer Luxus und im Sinne der Kreativität absolut dekadent. Ach und dann war da noch das Shooting und ein gemeinsames entwickeln von Abzügen. Das tat mir wirklich gut …

Mein Verständnis ist dann mal alle

Das Modell es mit Termin- und Zeitabsprachen nicht so genau nimmt und ich doch mehr Verständnis für die Situation der jungen Dame zu haben habe, das kenne ich seit Anfang an meiner scheinfotografischen Karriere. Die ganze Welt erwartet und verlangt von mir umfassendes Verständnis. Zum Beispiel die Betreiber des Berliner öffentlichen Nahverkehrs. Zur Zeit muss ich mit einem Schienenersatzverkehr oder der weiträumigen Umfahrung zurechtkommen. Ich gebe mir mehr Zeit und umfahre, weiträumig. Es vergeht nur kein Tag, an dem mal was nach Fahrplan läuft: Bahn minutenweise zu früh oder zu spät, S-Bahn fällt aus oder sie fährt, wie sie will. Man hat seitens der BVG und S-Bahn Berlin für die Verzögerungen und Ausfälle zwar keine Schuld, bittet mich aber um Verständnis. Mittlerweile nervt mich diese Masche gewaltig, weil sie auf widerliche Weise in alle Bereiche des Lebens eingezogen ist: Persönlich hat keiner Schuld und man bittet mich um Verständnis. Ja, ich muss sogar Verständnis haben, so zumindest die Forderung.

Terminabsprache. Soweit alles klar, denke ich, nur würde ich gerne wissen, wo genau wir uns treffen wollen. Selbst der kelinste Ort in Berlin kann ziemlich groß sein. Schweigen. Vierzehn Tage. Zur Verabredung kommt es auch nicht, geschweige denn, dass eine Erklärung kommt, warum die Antwort auf sich warten lässt und die Terminabsprache vielleicht nur ein ‚Spaß‘ um mehr persönliche Aufmerksamkeit war. Nix, schweigen. Und wenn ich der Prinzessin gewaltig verbal die Leviten lesen würde, käme nur ein blödes Sorry und ich sollte doch bitte Verständnis haben, dass ausgerechnet an dem Verabredungstag urplötzlich Oma’s wöchentliche Badetag ist. Oder man wieder so eine Depri hat, weil man seinen Hintern nicht von der Couch bekommt und nicht weiß, wie man sich selbst beschäftigen könnte. Oder was weiß ich. Die Liste der Ausreden ist lang wie lächerlich.

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(M)eine Amazon Story

Neulich las ich eine dieser Geschichten von Amazon über Amazon. Es ging um Besucher, die sich ein Versandzentrum angesehen haben. Ich habe auch eine eigene Story, die ich gerade mit dem Giganten durchmache. Dabei geht es um ein relativ simples Produkt, vom Abzählen und der Frage, ob ich demnächst überhaupt noch kaufwürdig für Amazon bin.

Mit dem Ende der Chemotherapie kam gefühlt auch das Ende meiner Nasenschleimhäute. Erst glaubte ich nur an häufige Kopfschmerzen, doch die trockene Nase lies es mich mit Meerwasser-Nasenspray probieren. Und das eine, mit Dexpanthenol und Kamillenöl, erwies sich für mich als echt gut. Die Kopfschmerzen wurden weniger und selbst der Heuschnupfen trat – gefühlt – nicht mehr so stark in Erscheinung. Bequem wie ich bin, bestelle ich das Nasenspray bei Amazon. In einem fünfer Set ist es ein Schnäppchen.

Alles klappt zu meiner vollen Zufriedenheit, bis zum April diesen Jahres.

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