
Nr. 9743
Original, Einzelstück, überlagertes ORWO-Dokumentenpapier, Lith Print, ca. A4
(c) 2026 Makkerrony
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So sehr ich mich freue, dass heute wieder mehr Schallplatten gehört, verkauft und vor allem auch neu gepresst werden, umso ärgerlicher ist mein Frust um den Hype Vinyl und wie versucht wird, daraus extra Kapital zu schlagen. Ich weiß: Ich lebe im Kapitalismus, die Nachfrage bestimmt den Preis und wenn mir etwas zu teuer ist, dann muss ich die Ware nicht kaufen. Dem muß ich teilweise widersprechen: Stimmt das Produkt und dessen Qualität, dann zahle ich gerne mehr dafür. Das gilt für Lebensmittel und endet für mich bei Schallplatten. Wird mir jedoch vorgeflunkert, ich bekomme etwas Besonderes und dieses Besondere entpuppt sich als Windei, dann eskaliere ich innerlich: Nur weil die Neupressung vergriffen ist, müssen die Preise für die gebrauchten Jahrzehnte alte Urpressungen nicht durch die Decke gehen. Es beschleicht mich das Gefühl, dass Vinyl, egal ob neu oder gebraucht, zum Spekulationsobjekt verkommen ist und egal wie schlecht die gebrauchte Ware auch ist, mit einer Null mehr am rechten Ende der ganzen Zahl, lässt sich gut Kohle machen. Es spielt keine Rolle, ob ich mir den Versandhandel ansehe oder ich mich auf einem Flohmarkt auf die Suche nach dem Schwarzen Gold mache.
Wie mit der vor allem gebrauchten Ware umgegangen wird, da gibt es wohl kaum einen Unterschied zwischen Trödelmarkt und Händler. Die beste Qualitätskontrolle ist das Hören der Scheibe Vinyl, und zwar von Anfang bis Ende. Der Trödelmarkthändler beschwört, dies immer zu tun. Das ist teuer und erklärt seine unanständige Preisvorstellung. Schallplatten in die pralle Sonne stellen, ist das Gegenargument, beim fliegenden Händler nichts zu kaufen. Der Onlinehändler prahlt mit Technik, extra Waschgängen und Besichtigungen mit der extragroßen Lupe. So verhält es sich in den letzten Monaten bei meinem Gebrauchthändler des Vertrauens Recordsale derweil nicht: Egal welche Rillen, von billig bis teuer, sie werden mir mit ordentlich Knistern und Knacken, Sprüngen bis hin zu Intimhaaren an mich ausgeliefert. Das kann mal passieren, womit ich eine von zehn Lieferungen meine. Häufen sich solche Fehlkäufe beschleicht mich das Gefühl, dass mir als Kunde die Qualitätskontrolle auferlegt ist und ich das zweifelhafte Vergnügen habe, mich mit der Kundenabwehr rumärgern zu dürfen. Das Schlimme kommt aber noch: Selbst neue Scheiben haben neuerdings deutlich sichtbare mechanische Macken und werden absolut unspielbar ausgeliefert. So erging es mir zweimal mit Schallplatten, die ich bei Amazon erworben habe. Schluß mit Entschuldigung und Verständnis, mir reißt der Geduldsfaden: Ware wird lediglich zum Kunden gewälzt und die Endkontrolle bleibt bei mir, dem König Kunde, hängen.

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