264_2020

Einfach so

Einfach so
Nr. 2592
Unikat: 18 x 24 cm ORWO Fotopapier
(c) 2020 Ronald Puhle

Es ist, was es ist.

Endend müde

„Du siehst wieder müde aus.“

Das will Mann lesen, wenn ich ihr ein Selfie von mir schicke.
Ich, der Analogguru, verschicke digitale Schnappschüsse.
Es geht nicht anders, jedenfalls in der langen Zeit, in der wir uns nicht sehen können.
Aber das Müde ist ja kein so neues Thema. Jedenfalls für mich. Egal, wer oder was das Schuldige an der Sache war oder ist.

Fühle ich mich müde? In gewisser Weise schon. Ich fühle mich sogar auf verschiedenen Ebenen müde. So wie mein Fehler mangelnder Erinnerung auf mehreren Ebenen liegt. Aber das ist ein anderes Thema.

Da ist die körperliche Erschöpfung. Ich weiss gar nicht, wie ich den Tag ohne eine Überdosis Koffein am Morgen beginnen könnte. Nein, nein. Es geht nicht um mangelnde Motivation. Ich bin motiviert. Viele Ideen sind als Notizen festgehalten. Es sind so viele, dass ich nicht weiss wo und wie ich beginnen soll. Eine Depression ist es also nicht.

Corona, Home Office, Präsenz und steigende Infektionszahlen, Leugnen und Hysterie: Der Dauerbrenner der letzten Monate macht genauso müde. Ich lese keine Zeitung mehr, ich schaue keine Nachrichten oder Pressekonferenzen mehr. Die, die Querdenken sind auch nur Demagogen. Es ist in dieser Situation zu wenig Wissen und Erfahrung da, dass eigentlich niemand das Recht hat, sich mit einer fundierten Meinung weit aus dem Fenster zu lehnen. Ich weiss nichts, also schweige ich. Doch selbst Schweigen macht müde. Mich jedenfalls.

Und uns darf ich auch nicht vergessen. Das Leben in der grossen und kleinen Welt ist anstrengend. Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so schwer fällt mich darauf einzustellen, ohne dass ich dann und wann unseren Shutdown riskiere. Weisheit hat nichts mit Alter zu tun. Es ist eher die Erfahrung und die fehlt mir, was jedenfalls unsere Konstellation angeht. Ansonsten schützt Alter nicht davor, den Tollpatsch und Narr zu geben. Und wo ich es an meiner Gelassenheit fehlen lasse, weiss ich wieder, warum ich eigentlich diesen Weg nicht mehr gehen wollte: Ich will dieses Gefühl des Schmerzes nie wieder spüren! Einmal Katastrophe und ein Beinahe-Ende sind genug. Wohl aber noch nicht Lehre genug, sich dann doch wieder darauf einzulassen.

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263_2020

Echos im Regen

Echos im Regen
Nr. 2784
Unikat: 18 x 24 cm ORWO Fotopapier
(c) 2020 Ronald Puhle

Polyamorös

Franzis schreibt an mich: „O’zapft is… leider nicht!“

Man, dass die Wiesn dieses Jahr wegen dem mittlerweile nun wirklich nicht mehr neuartigen Corona – COVID-19 – Virus ausfallen müssen, tut mir ja nun überhaupt nicht unendlich leid. Zum sinnlos Saufen und Fressen muss man nicht in einem Bierzelt sitzen. Zugegeben, der ganzen C- bis Z-Prominenz fehlt der Laufsteg der Eitelkeiten, man kennt sie aber sowieso nicht. Ohnehin ist das arbeitsscheue Völkchen dazu übergegangen, durch ganz intime Geständnisse a la Schändung, Vergewaltigung, Stalking, Mobbing und fehlenden Friseurtermin Aufmerksamkeit zu erhaschen.

Warum jetzt Franzis mich ganz persönlich mit einem schnöden „Hallo“ anmacht, ich verstehe es nicht. Zur Erinnerung: Bei Franzis handelt es sich um den renommierten Verlag und Herausgeber der Selbstbau-Kameras – Recesky TLR, der das Billigteil mit einem noch billigeren wie lieblosen Handbuch für viel teuer Geld verkauft hat. Eine andere Verbindung besteht zwischen uns nicht.

Zitat Anfang
Hallo,
wussten Sie, dass dieses Jahr das Oktoberfest in seiner über 200-jährigen Geschichte nun zum 25. Mal ausfällt? Das letzte Mal aufgrund des 2. Weltkriegs. Doch wir lassen uns dadurch nicht unterkriegen und feiern trotzdem – mit Ihnen zusammen! Als kleinen Trost für die abgesagte Wiesn, bringen wir den FRANZIS Wiesn Sale direkt zu Ihnen nach Hause. Wir haben tolle Schmankerl für Sie vorbereitet – keine Wiesn-Hendl – aber tolle Software-Pakete.
Keine saftigen Bier-Preise, dafür saftige Schnäppchen! Zum Wohl – auf Sie!
Alle unsere Wiesn-Angebote sind für kurze Zeit und nur solange der Vorrat reicht, erhältlich!*
Viel Spaß beim Entdecken und herzliche Grüße aus München
Ihr FRANZIS Team

Zitat Ende

Lückenhaft

Vor ein paar Tagen schreibt Ni Bombo in ihrem Blog ZweifelnHochZwei über unsere diesjährige Fototour. Wir hatten über die Jahre ein paar Fototouren unternommen. Nur ist bei mir irgendwie die Chronologie der einzelnen Ereignisse auf der Strecke geblieben, was ich in meinem Beitrag Lückenhaft zum Ausdruck bringe … wenn man denn weiss, dass ich die Leere um meine Erinnerungen in dem Bildtitel aufgreife.

Ich versuche einmal zu rekonstruieren: Irgendwann war es für mich so etwas wie eine Tradition, am ersten Geburttag loszuziehen und die Zeit allein verbringen. Insofern das Vakuum mich nicht täuscht, fing es am 18. Geburtstag an. Die Frau, die mich geboren hat, bekam mal wieder einen Flitz und setzte eine angeblich geplante Geburtstagsfeier ab. Wahrscheinlich habe ich damals gegen ihre Norm verstoßen und musste bestraft werden. Wenigstens gab es keine Prügel und mir blieb der obligatorische Erdbeerkuchen erspart. Also ging ich ins Kino Tivoli und begehe dort feierlich meine Volljährigkeit.

Großer Zeitsprung

In den letzten … etwa zehn … Jahren schnappe ich mir eine Kamera und ziehe einfach dorthin los, wonach mir der Sinn steht. Berlin oder Potsdam, Hauptsache ich muss keine lieblosen Geschenke entgegennehmen und mich strahlemannmäßig darüber freuen. Oder Erdbeerkuchen essen, weil ich den ja so mag. Nein, ich mag ihn nicht! Meine Hassliebe zum ersten Geburttag liegt wohl darin begründet, dass es zu DDR-Zeiten Anfang Juli die Jahresabschlusszeugnisse gab, die Frau, die mich geboren hat, den Einstein in mir erwartete und somit nie mit meinem Zeugnis zufrieden war. Damit viel natürlich meine Geburtstagsfeier aus, aber es gab Erdbeerkuchen. Freilanderdbeeren sind Anfang Juli noch Saisonware und waren damit im Handeln oder im Garten verfügbar.

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