Tangerine Dream – Tangerine Dream (AMIGA)

Ganz AMIGA-like kommt diese schwarze Scheibe ohne einen Albumtitel daher. Im weltweite Datennetz wird es heute, entsprechend der Titel auf der A- und B-Seite, als „Quichotte“ bezeichnet. Es handelt sich hier um einen Konzertmitschnitt, aufgenommen Anfang 1980 im ‚Palast der Republik‘ in Ost-Berlin (DDR), der später in dem Rest der Erde unter dem Titel „Pergamon, Live at the ‚Palast der Republik‘ GDR“ veröffentlicht wird.

Wie ich zu Tangerine Dream kam und damit zu der AMIGA-Pressung des Konzerts, daran kann ich mich heute nicht mehr erinnern. Sicherlich war es die elektronisch erzeugte Musik, die mich damals fasziniert hat. Ich denke da insbesondere an Tubeway Army und „Are ‚Friends‘ electric“ aus dem Jahr 1979. Dann ist da auch noch das Cover des Albums, was aus dem Allerlei der sonst üblichen AMIGA-Alben hervorsticht. Da Tangerine Dream weder im Ost- noch im West-Fernsehen beziehungsweise Radio gespielt wurden, war es ein Kauf im blinden Vertrauen auf gute Musik aus dem Westen. Meine Investitionssumme: 16,10 Mark der DDR.

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169_2026

Herr Fotograf (I)

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Von oben

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Nan Goldin (55s) – Nan Goldin und Guido Costa

Nahezu quadratisch, dem Format, welchen eine ausgleichend-beruhigende Wirkung nachgesagt wird, kommt der handliche Bildband in seinen etwa 15 mal 16 Zentimeter daher. Außer ‚Nan Goldin‘ gibt es auf dem Cover wenig andere Hinweise und Unterstützung für den Interessenten. Der Verlagsname übertrumpft in größeren Buchstaben den Buchtitel selbst. Es liegen Gegensätze und Provokation in der Luft, auch wenn die Aufnahmen auf Vorder- und Rückseite des Buchcovers anderes vermuten lassen. Erst das Internet liefert nach und kann entwirren. Wenn jeder Mensch sich in seiner Blase als Nabel der Welt sehen darf, ist nicht jedem anderen Menschen geläufig, wessen Arbeiten er gerade sieht.

Gebetsmühlenartig lese ich von roher Intimität, Verwundbarkeit, Drogenkonsum und zärtliche Gewalt, gefolgt von AIDS, LGBTQ und die Wunderkraft der heiligen weichen Wissenschaft Soziologie. Salopp formuliert reden wir vom Singen und Klatschen, wo alles kann, aber nichts muss. Beginnend 1973, Nan Goldin ist 20 Jahre alt, folgen auf 128 Seiten Text und Fotografien über 27 Lebensjahre der US-amerikanischen Fotografin Nan(cy) Goldin. Abgesehen von meinen Eindrücken beim Betrachten der Bilder, schaue ich, was andere Quellen über Goldin und ihre Arbeiten schreiben. Ich lese Aktivistin, Machtverhältnisse in Beziehungen, patriarchale Gesellschaft, Dominanz, Unterwerfung bis hin zur Radikalität. Es reicht. Das ist mir zu viel Ideologie und unterschwellige Gewalt.

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