Die letzten 24

Ups, das ging ja ziemlich schnell.

Einen Tag, nachdem ich an Neujahr meinen guten Vorsatz für 2021 öffentlich verkündet habe, ploppt der Messanger auf. Zaghaft wird angefragt, ob das was ich zum InstantLab, der I-1 und dem iPhone 5c geschrieben habe Ernst gemeint ist. Man hätte Interesse an der Ausrüstung, gegen eine freiwillige Spende versteht sich.

„Was verstehst du unter freiwillige Spende?“
„Keine Ahnung, weiss ich nicht. Ich habe da keine Vorstellung. Geld ist mir an der Stelle nicht wichtig. Mir wäre es lieb, wenn mit der Technik und dem Material, was noch da ist, weitergemacht wird. Ich bin durch mit dem Thema.“

Es entspinnt sich ein Dialog über Werte, Technik, Kreativität und der Sinn des Lebens. Letzteres ist so eine Diskussion, die ich ungern führe. Ich schäme mich beinahe dafür das (mein) Leben aus zwei Perspektiven zu sehen. Zum einen aus der Richtung es selbst beenden zu wollen, zum anderen über Monate um sein Leben zu kämpfen. In diesem ewigen Zwiespalt verlieren materielle Dinge ihren Wert. Alles kostet etwas in Geld, doch ob dieser Preis die Sache überhaupt Wert ist, danach wird nicht gefragt. Siehe Lebensmittel und wie wir damit umgehen. Es muss bestes Bio-Gemüse vom glücklich vegan lebenden Bauern sein, muss in Form und Farbe brillieren, darf aber nicht viel kosten.

Ich bleibe mir treu: Wenn ich meine, dass meine Arbeit oder eben diese Technik in gute Hände kommt und damit kreativ weitergearbeitet wird, dann gebe ich sie ab auch ohne einen Cent dafür zu sehen. Wenn ich sehe, dass der-/diejenige auf Hartz IV ist, dann erst Recht. Vielleicht bin ich wirklich zu lieb, zu gutmütig oder einfach nur dämlich, nicht den letzten möglichen Cent aus dem Konvolut um das Sofortbild zu ziehen. Mein Kontostand hat mich nie glücklich gemacht. Aber dafür das, was ich geschaffen habe und ich mich oder andere sich erfreuen können.

Insgesamt acht Pakete Sofortbild-Material habe ich noch. Ich nehme mir das Recht heraus, drei Pakete Schwarzweiß-Sofortbilder zu verarbeiten. Den Rest kann der Neubesitzer haben und quasi zum Nulltarif seine ersten Gehversuche unternehmen. Wie bei mir nicht anders zu erwarten ist das Material gut überlagert. Inwieweit sich das in den Ergebnissen niederschlägt, ich habe keine Ahnung.

Meine letzten 24 Sofortbilder. Analoge Vorlagen aus 2019 und 2020. Das blättern im Archiv ist eine kleine Zeitreise, die hier und da die Erinnerung auffrischt, was für unveröffentlichte Schätze der Imperfektion hier lagern. Ich bin stolz auf mich. Auf die ausgewählten Bilder, die Neuinterpretation im quadratischen Sofortbildformat, jemand glücklich gemacht zu haben und meinen guten Vorsatz für das Jahr 2021 erfolgreich umgesetzt zu haben.

Autor: Lichtbildprophet

Er ist kein Fotograf und doch malt er seine Bilder mit Licht, bringt sie in seiner Dunkelkammer eigenhändig zu Papier. Er ist kein Maler und doch zeichnet er seine Bilder mit Farben auf alles, was seine Imagination tragen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

+ 4 = 13