Die letzten 24

Ups, das ging ja ziemlich schnell.

Einen Tag, nachdem ich an Neujahr meinen guten Vorsatz für 2021 öffentlich verkündet habe, ploppt der Messanger auf. Zaghaft wird angefragt, ob das was ich zum InstantLab, der I-1 und dem iPhone 5c geschrieben habe Ernst gemeint ist. Man hätte Interesse an der Ausrüstung, gegen eine freiwillige Spende versteht sich.

„Was verstehst du unter freiwillige Spende?“
„Keine Ahnung, weiss ich nicht. Ich habe da keine Vorstellung. Geld ist mir an der Stelle nicht wichtig. Mir wäre es lieb, wenn mit der Technik und dem Material, was noch da ist, weitergemacht wird. Ich bin durch mit dem Thema.“

Es entspinnt sich ein Dialog über Werte, Technik, Kreativität und der Sinn des Lebens. Letzteres ist so eine Diskussion, die ich ungern führe. Ich schäme mich beinahe dafür das (mein) Leben aus zwei Perspektiven zu sehen. Zum einen aus der Richtung es selbst beenden zu wollen, zum anderen über Monate um sein Leben zu kämpfen. In diesem ewigen Zwiespalt verlieren materielle Dinge ihren Wert. Alles kostet etwas in Geld, doch ob dieser Preis die Sache überhaupt Wert ist, danach wird nicht gefragt. Siehe Lebensmittel und wie wir damit umgehen. Es muss bestes Bio-Gemüse vom glücklich vegan lebenden Bauern sein, muss in Form und Farbe brillieren, darf aber nicht viel kosten.

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Schlusswort 2020

Bevor das Jahr Winke Winke macht, musste ich mein 3D Rendering-Thema zum Abschluss bringen. Es war mir ein inneres Bedürfnis das zu tun. Ich möchte nichts in ein neues Jahr rüber retten, was irgendwie nach Ballast riecht. War am Anfang noch so eine gewisse Begeisterung für das Thema und die Idee da, merkte ich mit jedem Beitrag, dass das Thema 3D nicht mehr mein Ding ist. Dann sollte ich wirklich damit aufhören. Loslassen, trotz Schwermut und den vielen positiven Erinnerungen. Diese 3D Rendering-Szene hat sich so verändert, dass ich mir wie ein Dinosaurier vorkomme, der nur von den scheinbar guten Erinnerungen lebt. Ende im Gelände.

Mich beschleicht das Gefühl, als sehen Teile meines Umfelds den Lockdown als das Ende der Welt. Klarer Fall, die tagtäglichen Statistiken inklusive dubioser Ampeln lassen nur eines zu: Noch ein Schritt weiter und es geht nur noch abwärts. Bevor jetzt der Eindruck entsteht, ich sei ein Coronaleugner und damit einem Neonazi quasi gleichgestellt, den muss ich bitterböse enttäuschen. Ich sehe durchaus eine Gefahr, nur gibt es keinen Anlass gleich das ganze Leben unter der Knute Alltagsmaske zu verdammen. Das letzte Jahr war für mich derart kreativ, was vor allem an der freien Zeiteinteilung und meinem kleinen Freiraum Atelier liegt. Es geht, vieles geht, wenn auch mit Vorsicht, doch ich muss es nur wollen und tun.

Gegenüber dem ersten Lockdown bin ich froh, dass es jetzt zunehmend kritische Stimmen in die Berichterstattung der Qualitätsmedien schaffen. Corona-COVID-19 hat eine höhere Sterblichkeitsrate, bringt aber auch unser (Gesundheits-)System an die Grenzen der Machbarkeit. Und letztgenannter Aspekt ist der Grund für das Muss zum rigiden Handeln. Auf der anderen Seite wächst die Dummheit exponentiell an. So wird von einem Verantwortungstragenden behauptet, dass Corona eine Erkrankung alter Menschen und Bildungsbenachteiligte ist. Das erinnert mich an eine „strutzelstraffe“ russische Bürgerwehr im Wodkarausch, die Corona ausschliesslich mit asiatischen Genen in Verbindung bringt. Ein Fressfeind arbeitet seit Dezember auf einer Corona-Station und was er aus dem Alltag dort erzählt, es ist nicht „schön“ und betrifft alle Altersgruppen.

Einmal tief durchatmen, der Mensch das Vernunftstier.

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… dann wische ich noch einmal schnell durch

Das Jahr geht dem Ende zu.
Man hört es.
OK, der Satz ist verallgemeinert. Verallgemeinern ist Megaangesagt, entbindet es eine eigene Sichtweise und Meinung zu haben.
Ich höre es!
Laut Qualitätsmedien hat die Mehrheit etwas gegen Böllern und spricht sich deshalb für ein Verbot aus. Mich freut es, dass nach dem Meinungsforschungsinstitut YouGov 57% der hiesigen Bürger dieser Meinung sind. Etwas mehr als ein Drittel des ‚Volkes‘ sind Radautüten bestehen auf Lärmverschmutzung und Feinstaub. Den Krawallbrüdern und -schwestern gehört ein Böller im Arsch gezündet, eine Rakete in der Hand explodiert, ein Jahr persönliches Bashing durch Greta Thunberg und als erstes in der Klimakatastrophe die Atemluft genommen.
Draußen ballern die Idioten. Es ging schon vor Weihnachten los. So als sei Krieg in Marzahn.
Das mit dem Böllerverbot geht schon in Ordnung. Doch da gibt es noch die tagtägliche Licht- und Lärmverschmutzung.
Berlin kommt nicht mehr zur Ruhe. Es ist immer hell, irgendwo ist immer ein Wummern und Dröhnen.

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Ein Schlüsselerlebnis

Ich komme irgendwie auf Christina Z. Anderson. Na gut, ganz so zufällig ist meine Suche nicht. Ich suche einen ersten Handlungsfaden für eine mir unbekannte Dunkelkammertechnologie und lande bei Anderson’s Chemigrammen. Sie erinnern mich an meine Aleatogramme. Hier und da fallen mir ihre Farben auf, weil ich sie aus meinen Versuchen in der Dunkelkammer kenne.

Das, wonach ich suche, finde ich nicht auf deutsch. Alles ist in ausländisch gehalten. Warum nur begeistert sich niemand in meiner Muttersprache für ‚Chromo‘? Je weiter ich mich durchs Englisch wühle, umso mehr wird mir klar, weshalb sich der Deutsche nicht in das Becken dieser Techhnik wagt:

Schaue ich mir Fotografien guter deutscher Fotografen an, dann durchzieht die meisten Arbeiten ein unangenehm kühler und vor allem distanzierter Schauer. Selbst in der schmutzigsten Barfuss-Szene muss das Sujet steril und strukturiert sein. Ich frage mich, ob ein ganzes Land bei Bernd und Hilla Becher abgeschaut hat? Wo ist die Zuneigung und Liebe in euch, selbst einen stinkenden Scheißhaufen auf der Straße so zu inszenieren, dass er im Bild gefällig zu betrachten daher kommt? Liebe. Euch fehlt es an Liebe und damit meine ich nicht Sex und Besitz. Wo steckt in euch das Kind im Manne oder der Frau? Ihr verzieht lieber eure Brut statt Wissen und Erfahrung zu vermitteln, züchtet lieber großmäulige Besserwisser und Klugscheißer heran. Kein Wunder, dass für ein sauberes und bequemes Weltbild alles schön gerade, scharf und ohne nachdenken sichtbar sein muss. Ich meine zu wissen, wo euer Problem liegt: Ihr wollt erstens schnell ans Ziel kommen und zweitens nichts dem Zufall überlassen.

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