Serie Boltenhagen

Lila, der letzte Versuch. Es ist ein Familienausflug, ein 1 Tagesritt nach Boltenhagen. Auf einer Nikon D60 ist das Holga HL-Spaßobjektiv aufgesetzt. Rund um die eigentliche Blende im Objektiv, sind weitere kleinere Öffnungen verteilt. Sie streuen diffuses Licht in den Hauptstrahlengang und sollen für eine Wiedergabe ähnlich der analogen Holga-Kamera sorgen. Ja, die Bilder sind unscharf, nur nicht so wie ich es mir vorstelle. Froschperspektive, etwas längere Belichtungszeiten und beim Auslösen die Kamera bewegt, sind nicht hilfreich. Ich halte ein paar Aufnahmen für gut und sie werden auch in einer Ausstellung gezeigt, doch es ist nicht das, was ich zeigen möchte.

Auch wenn ich in den nächsten Monaten die D60 und meine Nikon D200 weiter benutze, ich befinde mich in einer fotografischen Sackgasse. Ich möchte nicht Photoshop und Analogfilm-Emulationen Unschärfe & Co. überlassen. Das Original soll nahezu fertig unscharf sein und ich brauche nur noch entscheiden, ob ich im Bunt bleibe oder ins Schwarzweiß wechsle. Die Serie Boltenhagen ist mein Abgesang an die digitale Fotowelt. Nach und nach ersetze ich digital durch analog. In den nächsten fünfzehn Jahren versuche ich mich in beinahe jeden analogen Kameratypus. Erst mit der Original-Lomo (Kleinbildformat) und der neueren Pentax 17 (Halbformat) lande ich einen Treffer. Beide belichten automatisch und doch gelingt es mir mittels langsamer Filme und der eigenen Kamerabewegung die Spielwiese Unschärfen für mich zu erschließen.

Vier digitale Arbeiten, die Serie Boltenhagen aus 2011, Meilenstein und Wendepunkt für mich. Denn die Serie liegt auch zwischen zwei privaten Gewitterfronten, was die eigentlich nüchterne Serie für mich persönlich auch noch emotional macht.

Autor: makkerrony

Makkerrony ist ein Photoalchemist aus Berlin und der Macher des Magazin Lichtbildprophet, dem weltbekannten Blog für experimentelle Lichtbildkunst. Er gilt als der Begründer des Fotografischen Depressionismus und Erfinder der Lichtbildschreibmaschine. Seine Werke bestechen durch die bodenständige Aufnahmetechnik (LoFi - Fotografie), den kreativen Einsatz überlagerter Fotomaterialien, insbesondere ORWO-Fotopapiere und ORWO-Dokumentenpapiere und der Anwendung des Lith Print-Verfahren. Unter echten Kennern der Szene gilt Makkerrony als der Farbige unter den Schwarzweißen.