Stella Goldschlag: Eine wahre Geschichte – Peter Wyden

Ich bin erstaunt, wie naiv meine Gedanken sein können. Ein Beispiel: Allen Ernstes glaubte ich, dass es unter gläubigen Leidensgenossen keinen Verrat gibt. Das Lesen des Sachbuches „Stella Goldschlag: Eine wahre Geschichte“ von Peter Wyden belehrt mich eines Besseren. Das nächste Beispiel: Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Juden jüdischen Überlebenden der Konzentrationslager Vorhaltungen machen, ein Vernichtungslager überlebt zu haben. Das Essay „Die Untergegangenen und die Geretteten“ von Primo Levi eröffnet mir diese andere Perspektive. Ein Auslöser für diese Haltung könnte Stella Goldschlag gewesen sein.

In dem Gedankenchaos habe ich irgendwann die Überlegung zugelassen, dass Juden womöglich auch NSDAP gewählt haben. Anstoß war der Film „Endlich Tacheles“ von Jana Matthes und Andrea Schramm, in dem es um böse und gute SS-Offiziere in einem Computerspiel geht. Meine Gedankenfragmente möchte ich um Viktor Klemperer und seine „LTI“ ergänzen. Dieser Titel ist für mich persönlich sehr wichtig, um zu verstehen, wie eine Gesellschaft die Sprache für ihre Zwecke missbraucht.

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Die Sache mit Robert Sheckley

Früher war alles nicht besser.
Idioten gab es schon damals und bis heute sind sie nicht ausgestorben.
Heute ein etwas anderer Beitrag aus der Leseecke.

Zu Beginn meiner grandiosen Internetkarriere arbeitete ich mit verschiedenen 3D-Generatoren. Die damit generierten Bilder stellte ich in der berühmten Mausmalerei aus. Der Nutzer konnte sich die Bilddateien herunterladen und als Bildschirmhintergrund einrichten. Meine Bekanntheit war so enorm, dass ich irgendwann mal jemanden traf, der die Mausmalerei sogar kannte. Ich bin fame.

Irgendwann schrieb mich jemand aus Berlin an. Er findet meine Arbeiten toll, er plane ein Buchprojekt in Richtung Science Fiction und könnte sich vorstellen, dass ich passende 3D-Grafiken zu steuere. Das klingt komisch, ist aber so. Für die „Lyrischen Glanzlichter“, herausgegeben von Yvonne Straub, und verschiedene andere Projekte hatte ich bereits 3D-Renderings beigesteuert. Der Gedanke war also nicht so abwegig.

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Figürliche Malerei 1963-2009 – Gerhard Richter

In diesem Beitrag oute ich mich als ein begeisterter Betrachter der Arbeiten Gerhard Richters. Leider gelingt es mir nicht mehr nachzuvollziehen, wie ich auf ihn aufmerksam wurde. Mag sein, dass ich den gutgemeinten Rat erhielt, weil ich mich in meinen Fotografien mit der Unschärfe als Gestaltungsmittel auseinandersetze. Mag sein, dass eine meiner freien Malereien an Arbeiten von Gerhard Richter erinnert und ich darüber den Hinweis bekam. Konkret sind meine Gedanken mit dem Film ‚Werk ohne Autor‘ und der zweimalige Besuch der Ausstellung ‚Gerhard Richter – 100 Werke für Berlin‘.

Im Gegensatz zu anderen Bildbänden, die im Rahmen der Leseecke hier vorgestellt werden, ist ‚Figürliche Malerei 1963-2009‘ aus dem Jahr 2024 eine junge Veröffentlichung. In dem Bildband werden 50 gemalte Menschenbilder in einer (chronologischen) Reihenfolge gezeigt, die von Gerhard Richter selbst zusammengestellt wurden. Darunter befinden sich Ema (Akt auf einer Treppe), Lesende, Betty und Ella, wobei Bildtitel bei Gerhard Richter wenig zu sagen haben. Letztgenannte Arbeit ziert auch das Buchcover. Mit dieser Aufzählung habe ich gleichzeitig meine Favoriten verraten. Es ist schön, diese und alle weiteren gewählten Arbeiten betrachten zu können, Richters Werke in ihrer vollen Größe und in den Details zu genießen, ist um vieles beeindruckender.

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Jan Saudek

Mein erster Gedanke: Mit Miroslav Tichy und Jan Saudek kenne ich zwei ehemalige ČSSR-ler, die die Fotografie auf ihre ganz einzigartige Weise kreativ beeinflußt haben. Der zweite Gedanke: Jan Saudek inszeniert im Stil eines schrill-bunten Wanderzirkus, dessen Ruhm immer zwei Städte im Voraus gastiert. Der dritte Gedanke geht an eine eigene Arbeit: Nicht wenige Menschen betrachten Modelle, die sich als Akt fotografieren lassen, als eine Art Freiwild. Männer wie Frauen vergreifen sich als Aussenstehende in ihrem Urteil oder reißen an sich, was sie glauben an sich nehmen zu können.

Besagte Arbeit (Foto 1 und Foto 2) hat damals wenig Begeisterung beim Modell hervorgerufen. Dabei ist der Fotograf, der mit seiner Kamera ihren Intimbereich sehr aufdringlich abfotografiert, ihr späterer Ehemann. Ich weiß nicht mehr, was genau sie ‚gestört‘ hat: Moralische Bedenken, Unbehagen der Situation wegen oder ein versteckter Überdruss, der jede Freude an Sexualität und Intimität platt macht. Vielleicht war es auch die gruselige Atmosphäre der einen Langzeitbelichtung. Ich selbst zähle die beiden Aufnahmen zu meinen stärkeren Digitalfotografien.

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Private Pornography in the Third Reich – Hans von Bockhain

Es überrascht, dass dieses kleine Büchlein im 13 x 18 cm-Format mit einem mehrsprachigen Vorwort daherkommt. Inhaltlich ist der Vierseiter eine Zusammenfassung dessen, was mit einer guten Allgemeinbild, vorausgesetzt Deutsche Geschichte wurde nicht abgewählt, bekannt sein sollte. Das Vorwort unterstreicht die Doppelmoral der nationalsozialistischen Diktatur, es könnte aber genauso gut der eine oder andere Zeitgeist sein, der Sexualität und Identität in den Keller sperrt und selbst, wenn es draußen dunkel ist, zum munteren Rudelbumsen lädt. Zugegeben, diese Buchvorstellung ist eine Provokation um die Banalität der Sexualität, die schlußendlich nur der Arterhaltung und Fortpflanzung des Menschen dient, ihn mit seiner mittlerweile überheiligen Identität zum transzendenten Gotteswesen macht.

Für den, der gelegentlich Sex praktiziert und nicht nur an den unschuldigen Blümchensex glaubt, werden die Aufnahmen keine echte Bereicherung sein. In Zeiten des Internets und freizugänglicher Erwachsenenwebseiten, die nach ihrer Sicherheit nicht für die Arbeit geeignet sind, wirken die Aufnahmen altbacken, lieblos gestellt und zum überwiegenden Teil betont amateurhaft. Das Besondere an diesem Bilderbuch ist die dargestellte und nicht nur gespielte Unschuld. Die 220 Seiten, der Moralapostel würde Schund- und Schmutzliteratur dazusagen, erwecken den Eindruck, als sei Sexualität erst vor ein paar Jahren rein zufällig entdeckt worden. Diese Unschuld machte für mich den Reiz aus, dieses kleine Buch mit amateurhaft dargebotenen Sauereien irgendwann einmal zu kaufen. Ich mag das keuche Gehabe in den meisten erotischen Vintageaufnahmen und kann mit der modernen Weibchenakrobatik und Hochleistungsfickerei nichts anfangen. Das klingt hart und nicht nach positiver Nutzererfahrung, ist aber so.

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