Immediate Family – Sally Mann

„Immediate Family“ ist ein kontroverses Buch: Es zeigt im privaten Kreis die ständige Konfrontation mit den alltäglichen Geschehnissen des Lebens. Es verheimlicht oder beschönigt nichts, es versteckt nichts und es dichtet nichts hinzu. Mit einer gesunden Portion Neid bewundere ich Sally Mann’s Arbeit. Sie hat den wahren Wert der Kindheit und beginnenden Jugend erkannt und in einzigartigen Aufnahmen festgehalten. Wer bei diesen Bildern andere Gedanken entwickelt, sollte seine krankhafte Einstellung zum Menschen und zum Leben kritisch hinterfragen.

Was hat Sally Mann mit „Immediate Family“ genau getan? Was ruft selbsternannte Erretter und ihr Schandmaul auf den Plan? Sally Mann fotografiert im Zeitraum von 1984 bis 1991 ihre Kinder in unterschiedlichen Situationen ihres Familienalltags. Über alle gezeigten Aufnahmen hinweg gedacht, kommt in mir der Gedanken an eine Gartenidylle, Ferien und die beinahe grenzenlose Freiheit auf. Der Großteil der Aufnahmen zeigt die Kinder unbekleidet, was bei Erscheinen des Buches 1992 die Schutz- und Moralexperten auf den Plan gerufen hat. Das Kuriose an der Sache ist: Die Kinder waren an der Bildauswahl beteiligt, zeigten keine Bedenken hinsichtlich ihrer Nacktheit und sprachen sich gegen eine geplante spätere Veröffentlichung des Bildbandes aus.

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Das erotische Lichtbild

Von welch noblen Geist ist Mensch getragen, wenn er sich in die Untiefen des sittlichen Zerfalls begibt und der restlichen Menschheit wissenschaftlich glaubhaft macht, was gut und was böse für seine schwache Seele ist. Eine kleine Anzahl Menschen nimmt Höllenqualen auf sich und errettet die restliche Welt. Nein, es geht nicht um Jesus oder Donald Trump. Über diese beiden Seelenretter stehen andere, viel unscheinbarere und mittlerweile verstorbene Zeitgenossen. Es sind die Herausgeber des Ergänzungsbandes „Die Erotik in der Photographie – Die sexualbezügliche Bedeutung der intimen Photographie und die Beziehungen des erotischen Lichtbildes zur Psychopathie Sexualis“. Was für ein Deutsch.

Was macht den Unterschied zwischen guter und böser Nacktfotografie? Keine Ahnung? Zu allererst natürlich fortschrittlichste Technik und dann deren perfekte Beherrschung. Mag der Fotograf sein Modell, welches aus dem näheren Umfeld stammt, er mit seinen Augen ausziehen, die gute Erotikfotografie nimmt sich in dem intimen Punkt absolut zurück und bewahrt Contenance. Deshalb wird in dem vorgestellten Buch über jedes gezeigte Bildwerk ein fachmännisches Urteil gefällt, was für den Menschen gut und was ganz schlecht ist. Zur letzten Kategorie gehören, so mein persönlicher Eindruck, ausnahmslos französische Schmuddelbildchen für den internationalen Verkauf.

Sarkasmusmodus aus.

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History of German Porn – Gretchen Kraut

Dem Bildband „Private Pornography in the Third Reich“ lag eine Karte von Goliath Books bei, die mir den Kauf dieses Bildbandes „History of German Porn“ ans Herz legt. Da zwischen der Veröffentlichung und meiner Rezension fast anderthalb Jahrzehnte liegen, kann ich den Titel nur noch im Antiquariat des Internets über Booklooker zu einem annehmbaren Preis erstehen. Ich bin überrascht, welche Summen für dieses Buch vereinzelt aufgerufen werden. Es muss sich um ein Meisterwerk der Vintageerotik und wildester Solosexfantasien handeln.

In der Tat kommt „History of German Porn“ mit deutlich mehr Text als das von mir bereits rezensierte „Private Pornography in the Third Reich“ daher. Was den Inhalt und die Bildauswahl angeht, steht „History of German Porn“ dem „Private Pornography in the Third Reich“ in nichts nach. Ich lerne schon beim Lesen des Klappentextes und der Einführung, dass der spröde Deutsche einen Stock im Arsch hat und zum Bumsen in den Keller geht. Erst die 68er haben die stocksteifen Hüften zum diversen Rudelbumsen gelockert. Die bösen Nazi haben selbst die Lust am Sex ausgerottet, wer daran glaubt.

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Stella Goldschlag: Eine wahre Geschichte – Peter Wyden

Ich bin erstaunt, wie naiv meine Gedanken sein können. Ein Beispiel: Allen Ernstes glaubte ich, dass es unter gläubigen Leidensgenossen keinen Verrat gibt. Das Lesen des Sachbuches „Stella Goldschlag: Eine wahre Geschichte“ von Peter Wyden belehrt mich eines Besseren. Das nächste Beispiel: Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Juden jüdischen Überlebenden der Konzentrationslager Vorhaltungen machen, ein Vernichtungslager überlebt zu haben. Das Essay „Die Untergegangenen und die Geretteten“ von Primo Levi eröffnet mir diese andere Perspektive. Ein Auslöser für diese Haltung könnte Stella Goldschlag gewesen sein.

In dem Gedankenchaos habe ich irgendwann die Überlegung zugelassen, dass Juden womöglich auch NSDAP gewählt haben. Anstoß war der Film „Endlich Tacheles“ von Jana Matthes und Andrea Schramm, in dem es um böse und gute SS-Offiziere in einem Computerspiel geht. Meine Gedankenfragmente möchte ich um Viktor Klemperer und seine „LTI“ ergänzen. Dieser Titel ist für mich persönlich sehr wichtig, um zu verstehen, wie eine Gesellschaft die Sprache für ihre Zwecke missbraucht.

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Die Sache mit Robert Sheckley

Früher war alles nicht besser.
Idioten gab es schon damals und bis heute sind sie nicht ausgestorben.
Heute ein etwas anderer Beitrag aus der Leseecke.

Zu Beginn meiner grandiosen Internetkarriere arbeitete ich mit verschiedenen 3D-Generatoren. Die damit generierten Bilder stellte ich in der berühmten Mausmalerei aus. Der Nutzer konnte sich die Bilddateien herunterladen und als Bildschirmhintergrund einrichten. Meine Bekanntheit war so enorm, dass ich irgendwann mal jemanden traf, der die Mausmalerei sogar kannte. Ich bin fame.

Irgendwann schrieb mich jemand aus Berlin an. Er findet meine Arbeiten toll, er plane ein Buchprojekt in Richtung Science Fiction und könnte sich vorstellen, dass ich passende 3D-Grafiken zu steuere. Das klingt komisch, ist aber so. Für die „Lyrischen Glanzlichter“, herausgegeben von Yvonne Straub, und verschiedene andere Projekte hatte ich bereits 3D-Renderings beigesteuert. Der Gedanke war also nicht so abwegig.

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