Der Neue Fotografische Depressionismus

Was dem Jonathan Meese die Diktatur der Kunst, ist dem Makkerrony sein Fotografischer Depressionismus. Die KI’s dieser Erde tun sich noch schwer, die provokante Stilrichtung wider dem digitalen Bilderwahn als vollwertige Kunstrichtung zu akzeptieren. Aber genau deswegen, der Dummheit des digitalen Unwesens, ist der Fotografische Depressionismus zum Siegen verdammt: Ihr digitalen Banausen, ihr irrt euch gewaltig! Der Fotografische Depressionismus ist und bleibt garantiert menschgemacht.

Alles begann mit einem Selbstbaubelichter und Abzügen im nachttischtauglichem 13 x 18 cm-Format. Unschärfen, zum Einen durch die Bewegung der Kamera bei der Aufnahme entstanden, zum Anderen durch die Projektion des Negativs im DIY Enlarger auf das Fotopapier gebracht, kombiniert mit überlagerten ORWO-Fotopapieren und dem Lith Print, schufen Abzüge ikonischer Anmutung, die nur von den Meisterwerken eines Miroslav Tichy übertroffen werden. Vereinzelt wurden von Makkerrony auch erotische Aufnahmen auf diese Weise zu Papier gebracht. Es begann der langsame, aber stetig abfallende Aufstieg der neuen Fotokunstgattung. Mit der Auflösung des Atelier Flackerlight und der Entsorgung des einzigartigen Selbstbaubelichter, stand der Fotografische Depressionismus vor einem dramatischen Aus.

Mit der Kombination des Lith Prints und dem ORWO Dokumentenpapier gelang Makkerrony eine bedeutende Verschlimmbesserung jenes Dilettantentums, der er den Namen Neuer Fotografischer Depressionismus gibt. Bei der öffentlichen Vorstellung der ersten Arbeiten im Stil eines erweiterten Fotodepressionismus mit verbesserter Rezeptur, wurde Makkerrony nach dem Wie gefragt, um solch emotional-empathische Arbeiten entstehen zu lassen:

Man nehme ein Kleinbildnegativ, durchschnittlich gutschlecht belichtet und normal im Makkerrony-Move mit Rodinal 1 + 25 entwickelt. Es wird ein bereits gebrauchter Lithansatz mit Moersch Easy Lith 20 ml A und 10 ml B auf 1 Liter alter Lith angesetzt. Das Original ORWO Dokumentenpapier (Größe A4, Produktionsjahr vor 1990) wird großflächig 90 Sekunden lang belichtet und in den erwärmten Lith Entwicklerbad (ca. 30°C bis 40°C, passenden Atemschutz nicht vergessen) gelegt. Der belichtete Abzug ist nur kurz zu bewegen, so dass sich das Papier mit dem Entwickler vollsaugen kann. Es folgt die nächste Belichtung und dieser belichtete Abzug wird in der Entwicklerschale unter den ersten und nunmehr teilentwickelten Abzug gelegt. So geht es wie am Fliessband weiter, bis der Lithentwickler nachlässt und das wärmende Wasserbad erkaltet ist. Der fertig entwickelte Abzug, Dauer der Entwicklung 5 bis 10 Minuten, kommt in ein kurzes Wasserbad, um Entwicklerreste aus dem hauchdünnen Dokumentenpapier auszuspülen. Der Nachhaltigkeit wegen wird kein Stoppbad verwendet. Nach dem kurzen Bad kommt der Abzug in den Fixierer. Das Schlußwässern folgt und der tropfnasse Abzug kommt auf dem Wäscheständer zur Trocknung. Der wellige durchgetrocknete Abzug kommt für drei bis sieben Tage, beschwert mit dem Gewicht von vier gelben Mauersteinen, in die Presse. Drei bis sieben Tage ist nur wegen der Primzahl und kann individuell geändert werden.

Ein einzigartiges Makkerrony-Meisterwerk ist fertig, das digitalisiert und der undankbaren Erdbevölkerung zur Schau gestellt wird.

Noch ein Wort zur Konzentration und dem Verhältnis A zu B des Lithentwicklers: Im Moment erzeugt die Arbeitslösung für mich sehr farbige Lith Prints, wobei ich selbst nichts dagegen einzuwenden habe. Nur scheint mir diese Farbigkeit über die letzten Entwicklungssitzungen nicht sehr konsistent zu sein und im Wesentlichen von der Lagerung des ORWO Dokumentenpapier herzurühren. Ich sehe es an dem weißen Rand der Abzüge, der eigentlich unbelichtet ist. Stattdessen ist er farbig und verleitet zu flächenmäßigen Entwicklungen. Irgendwie hat das lichtempfindliche Silber im Laufe der Jahrzehnte einen thermischen Schub bekommen und fühlt sich so indirekt beliebtet. Oder der gebrauchte Lith wirkt mittlerweile gerbend und färbt die Emulsionsschicht. Die Rückseite des ORWO-Dokumentenpapier zeigt keine Verfärbungen.

Autor: makkerrony

Makkerrony ist ein Photoalchemist aus Berlin und der Macher des Lichtbildprophet, dem weltbekannten Blog für experimentelle Lichtbildkunst. Er gilt als der Begründer des Fotografischen Depressionismus. Seine Werke bestechen durch den kreativen Einsatz überlagerter Fotomaterialien, insbesondere ORWO-Fotopapiere und ORWO-Dokumentenpapiere vor 1990 hergestellt und dem Lith Print-Verfahren. Durch den Einsatz des Lith Print gilt Makkerrony, auch der Lichtbildpoet genannt, unter Kennern der Szene als der Farbige unter den Schwarzweißen.