Die Biografien großartiger Freizeitfotografen beginnen immer mit dem ersten Kontakt zu einer Kamera. Waren es früher der Opa, Vater oder der liebe Onkel, der seine ausrangierte Knipskiste weitergab, könnte in zukünftigen Selbstdarstellungen Amazon und die Greenkinder Sofortbildkamera stehen. Lese ich die Liste der Dinge, die diese Wunderkamera alles kann, dann ersetzt sie Foto- und Videokamera, Drucker, Computer und MP3-Player. Der ganze Spielespaß soll am Ende nicht mehr als aktuell 32 Euro kosten. Es riecht verdammt nach Chinaschrott, wären da nicht ein paar interessante Bilder in sozialen Netzwerken, die an das klassische Instax mini-Format erinnern. Ich kaufe mir die Greenkinder Sofortbildkamera und frage schonmal im bekannten Kindeskreis nach, wer diese Kamera nach meinen Probeaufnahmen haben möchte.
Mich interessiert eigentlich nur die Digitalkamera und der interne Drucker. Letztgenannter könnte auch ein Thermodrucker an der Bezahlkasse im ALDI, EDEKA, Lidl & Co. sein, der mir den verpflichtenden Kassenbon ausdruckt. In der Kamerabeschreibung ist überschwänglich von der tintenfreien Sofortbildkamera die Rede. Im Gegensatz zur echten Sofortbildkamera wird die Aufnahme digital aufgezeichnet, auf einer kleinen SD-Karte gesichert und dann auf den Kassenbondrucker ausgegeben. In den Einstellungen der eierlegenden Wollmilchsau-Kamera lässt sich die Qualität der Ausdrucke einstellen. Das Druckpapier gibt etwa einen Meter Fotos aus, wobei ein Bild die Größe von ca. 8 x 5 cm hat. Das ist klein und hat mich schon damals an der Sinnhaftigkeit der instax mini-Sofortbildkamera zweifeln lassen.
Für meinen Test fotografiere ich eigene Aufnahmen vom iMac ab, um die Ausdrucke anschließend zu scannen und irgendwie weiter zu verarbeiten. Zuerst muss die Kamera, wen wundert es, über den USB-C Anschluß geladen werden. Danach heißt es anschalten, Kamera-Modus auswählen, Blitzlicht deaktivieren und los geht es. Die erste Hürde: Nachdem das erste Thermodruckbild fertig ausgedruckt ist, fällt es mir schwer, das Stück Papier von der Rolle Druckpapier zu reißen. Fortan verzichte ich darauf, belichte eine Rolle Thermopapier durch und zerschneide am Ende den Druckstreifen mit der guten alten Schere. Hindernis Nummer 2: Die Kamera tut gelegentlich was sie will und nicht, was ich möchte. Keine Ahnung wieso, ich erkenne hinter dem Ausschalten, Standby oder was auch immer sie tut, keine Systematik.
Nehme ich das Druckbild der ersten Aufnahmen, bin ich von der Qualität angenehm überrascht. Was für mich den Reiz der Ausdrucke auf Thermodruckpapier ausmacht, ist deren Kurzlebigkeit und damit auch die rasante Vergänglichkeit der Bilder. Der Verkäufer macht hinsichtlich der Haltbarkeit keine Angaben, dass wissende Internet spricht, bei guter Lagerung versteht sich, von fünf bis zehn Jahren. Gute Lagerung bedeutet: Kühl, trocken und dunkel. Ich schalte den Sarkasmusmodus an: Wenn ich an die ersten Sofortbilder des „The Impossible Project“ (heute Polaroid B.V.) denke, dann waren die neu entwickelten Sofortbilder schweineteuer und haben schon nach zwei oder drei Jahren ihre Bildaussage verloren. Sarkasmusmodus aus. Die Kurzlebigkeit und der mögliche Verfall der Bildaussage macht den Thermodruck für kleine Experimente attraktiv. Der Scan mit 1200 dpi offenbart die Streifen des länglichen Druckkopfes, was aber zu erwarten war. Im Gegensatz zu anderen Druckverfahren, wird kein Raster erzeugt.


Neben der Kamera, einem USB Kabel zum Laden, ein paar Thermodruckrollen und Mini-Malstiften ist eine eher bescheiden daherkommende Bedienungsanleitung dabei. Mehrsprachig, versteht sich. Das Deutsch ist schlecht und die Beschreibungen eher dürftig. Wertig sieht insgesamt anders aus. Darf ich für unter 35 Euro nicht mehr erwarten? Zielgruppe sind Kinder zwischen 3 und 12 Jahren. Sicherlich ist nicht zu erwarten, dass die Greenkinder Sofortbildkamera den erweckten Fotografen ein Leben lang begleiten wird. Ich befürchte, dass die Kamera bei intensiver Nutzung wie einem Kindergeburtstag nicht viele Kindergeburtstage überleben wird. Die gute Idee einer multifunktionalen Kinderkamera wird vom Hersteller nicht zu Ende gedacht (siehe Abreißkante für das bedruckte Thermopapier) und lieblos zusammengeschustert (siehe das merkwürdige An/Aus-Verhalten oder keine Angaben zum benötigten Thermodruckpapier). Dafür sind 35 Euro echt noch zu viel. Der anfallende Elektronikschrott ist vorprogrammiert und ich möchte die Eltern sehen, die das Einzelkind beim Umgang mit der Greenkinder Sofortbildkamera einbremsen werden, damit sie ja lange hält. Dabei heißt es auf dem Karton so schön: „Happy Day – The First Camera of Childhood“. Ist ein Tag Lebensdauer mit Happy Day gemeint?
Ich mag Spielzeugkameras, vorzugsweise analog. Ich mag experimentelle Ansätze, auch wenn sie in die Hose gehen. Um Kinder spielerisch an die Fotografie heranzuführen, ist die Greenkinder Sofortbildkamera ein Ansatz, der weiterentwickelt werden kann. Weder die digitale Bildqualität noch die Verarbeitung kann wirklich überzeugen. Alle Komponenten sind von Einsteigerqualität und sehr wahrscheinlich ist mein erwachsenes Auge einfach nur zu kritisch. Ich werde sehen, was der neue Besitzer zu dieser Kamera sagt. Redet er kein Wort mehr mit mir, wird es dann wohl doch an dem Gesamtpaket der DIY-Instant Print Camera liegen.