Das erotische Lichtbild

Von welch noblen Geist ist Mensch getragen, wenn er sich in die Untiefen des sittlichen Zerfalls begibt und der restlichen Menschheit wissenschaftlich glaubhaft macht, was gut und was böse für seine schwache Seele ist. Eine kleine Anzahl Menschen nimmt Höllenqualen auf sich und errettet die restliche Welt. Nein, es geht nicht um Jesus oder Donald Trump. Über diese beiden Seelenretter stehen andere, viel unscheinbarere und mittlerweile verstorbene Zeitgenossen. Es sind die Herausgeber des Ergänzungsbandes „Die Erotik in der Photographie – Die sexualbezügliche Bedeutung der intimen Photographie und die Beziehungen des erotischen Lichtbildes zur Psychopathie Sexualis“. Was für ein Deutsch.

Was macht den Unterschied zwischen guter und böser Nacktfotografie? Keine Ahnung? Zu allererst natürlich fortschrittlichste Technik und dann deren perfekte Beherrschung. Mag der Fotograf sein Modell, welches aus dem näheren Umfeld stammt, er mit seinen Augen ausziehen, die gute Erotikfotografie nimmt sich in dem intimen Punkt absolut zurück und bewahrt Contenance. Deshalb wird in dem vorgestellten Buch über jedes gezeigte Bildwerk ein fachmännisches Urteil gefällt, was für den Menschen gut und was ganz schlecht ist. Zur letzten Kategorie gehören, so mein persönlicher Eindruck, ausnahmslos französische Schmuddelbildchen für den internationalen Verkauf.

Sarkasmusmodus aus.

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Die erste Kamera der Kindheit

Die Biografien großartiger Freizeitfotografen beginnen immer mit dem ersten Kontakt zu einer Kamera. Waren es früher der Opa, Vater oder der liebe Onkel, der seine ausrangierte Knipskiste weitergab, könnte in zukünftigen Selbstdarstellungen Amazon und die Greenkinder Sofortbildkamera stehen. Lese ich die Liste der Dinge, die diese Wunderkamera alles kann, dann ersetzt sie Foto- und Videokamera, Drucker, Computer und MP3-Player. Der ganze Spielespaß soll am Ende nicht mehr als aktuell 32 Euro kosten. Es riecht verdammt nach Chinaschrott, wären da nicht ein paar interessante Bilder in sozialen Netzwerken, die an das klassische Instax mini-Format erinnern. Ich kaufe mir die Greenkinder Sofortbildkamera und frage schonmal im bekannten Kindeskreis nach, wer diese Kamera nach meinen Probeaufnahmen haben möchte.

Mich interessiert eigentlich nur die Digitalkamera und der interne Drucker. Letztgenannter könnte auch ein Thermodrucker an der Bezahlkasse im ALDI, EDEKA, Lidl & Co. sein, der mir den verpflichtenden Kassenbon ausdruckt. In der Kamerabeschreibung ist überschwänglich von der tintenfreien Sofortbildkamera die Rede. Im Gegensatz zur echten Sofortbildkamera wird die Aufnahme digital aufgezeichnet, auf einer kleinen SD-Karte gesichert und dann auf den Kassenbondrucker ausgegeben. In den Einstellungen der eierlegenden Wollmilchsau-Kamera lässt sich die Qualität der Ausdrucke einstellen. Das Druckpapier gibt etwa einen Meter Fotos aus, wobei ein Bild die Größe von ca. 8 x 5 cm hat. Das ist klein und hat mich schon damals an der Sinnhaftigkeit der instax mini-Sofortbildkamera zweifeln lassen.

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Spaces – Nils Frahm

„Musik muss laut sein“ wurde mir vor fast zwanzig Jahren gesagt. Damals begleitete ich die Berliner Band K(l)eingeld mit der Kamera. Es entstanden eine Reihe guter Aufnahmen, weshalb mir die Zeit absolut positiv in Erinnerung bleibt. Nur mit dem Muss und Lautsein komme ich bis heute nicht klar. Laute Musik erzeugt Schmerzen und macht selbst die schönste Musik kaputt. Ich hasse es, wenn Menschen im Alkoholrausch die Musikanlage aufdrehen und dazu noch lauthals mitlallen. Musik braucht eine gewisse Lautstärke, aber körperliche und seelische Schäden sollte ich beim Hören von Musik nicht davon tragen.

Meine musikalische Verbindung zu Nils Frahm stellte sich über „Coming Home by Sven Vaeth“ her, welches am Ende „Says“ von Nils Frahm enthält. Dieser Titel stach so aus dem Rest von „Coming Home“ heraus, dass es in meinem Gehörgang hängen blieb. Ein Model gab mir den Hinweis, wer der Künstler hinter dem Instrumentalstück ist. Der Kreis ist fast geschlossen: Irgendwann spiele ich „Says“ im Atelier, die Perle ist anwesend, die Stimmung passt und der Titel zu unserem Lied. Ich lege mir „Spaces“ in Vinyl zu, es folgen bald weitere Platten mit Nils Frahm.

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History of German Porn – Gretchen Kraut

Dem Bildband „Private Pornography in the Third Reich“ lag eine Karte von Goliath Books bei, die mir den Kauf dieses Bildbandes „History of German Porn“ ans Herz legt. Da zwischen der Veröffentlichung und meiner Rezension fast anderthalb Jahrzehnte liegen, kann ich den Titel nur noch im Antiquariat des Internets über Booklooker zu einem annehmbaren Preis erstehen. Ich bin überrascht, welche Summen für dieses Buch vereinzelt aufgerufen werden. Es muss sich um ein Meisterwerk der Vintageerotik und wildester Solosexfantasien handeln.

In der Tat kommt „History of German Porn“ mit deutlich mehr Text als das von mir bereits rezensierte „Private Pornography in the Third Reich“ daher. Was den Inhalt und die Bildauswahl angeht, steht „History of German Porn“ dem „Private Pornography in the Third Reich“ in nichts nach. Ich lerne schon beim Lesen des Klappentextes und der Einführung, dass der spröde Deutsche einen Stock im Arsch hat und zum Bumsen in den Keller geht. Erst die 68er haben die stocksteifen Hüften zum diversen Rudelbumsen gelockert. Die bösen Nazi haben selbst die Lust am Sex ausgerottet, wer daran glaubt.

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Stella Goldschlag: Eine wahre Geschichte – Peter Wyden

Ich bin erstaunt, wie naiv meine Gedanken sein können. Ein Beispiel: Allen Ernstes glaubte ich, dass es unter gläubigen Leidensgenossen keinen Verrat gibt. Das Lesen des Sachbuches „Stella Goldschlag: Eine wahre Geschichte“ von Peter Wyden belehrt mich eines Besseren. Das nächste Beispiel: Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Juden jüdischen Überlebenden der Konzentrationslager Vorhaltungen machen, ein Vernichtungslager überlebt zu haben. Das Essay „Die Untergegangenen und die Geretteten“ von Primo Levi eröffnet mir diese andere Perspektive. Ein Auslöser für diese Haltung könnte Stella Goldschlag gewesen sein.

In dem Gedankenchaos habe ich irgendwann die Überlegung zugelassen, dass Juden womöglich auch NSDAP gewählt haben. Anstoß war der Film „Endlich Tacheles“ von Jana Matthes und Andrea Schramm, in dem es um böse und gute SS-Offiziere in einem Computerspiel geht. Meine Gedankenfragmente möchte ich um Viktor Klemperer und seine „LTI“ ergänzen. Dieser Titel ist für mich persönlich sehr wichtig, um zu verstehen, wie eine Gesellschaft die Sprache für ihre Zwecke missbraucht.

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