Wird heute Musikmaterial, das sich in einem Archiv langweilt, in Vinyl gepresst und audiophile Scheiße zu Geld gemacht? Nach der Pleite mit der Led Zeppelin 4 LP-Box „Live ’69 & ’73“ liegt die nächste Katastrophe auf dem Plattenteller. War die Led Zeppelin Live-Katastrophe ein legendäres Konzert, ist die Wortwahl diesmal „einzigartig“ und eine „gefeierte“ Live-Serie. Holla, die Waldfee, sie ruft: Nachtigall, ick hör dir trapsen.
Zugegeben, Can ist nicht vergleichbar mit feministischen Jammerarien von Ed Swift, keine emotionale Powerband wie Chapter 7 nebst Gesichtsbemalung, es geht mehr um improvisierte und vor allem handgemachte Rockmusik von vor 50 Jahre (das ist ein halbes Jahrhundert), in der noch fast alles erlaubt ist. Das ist jedoch kein Freibrief, den verzinkten Blecheimer herauszuholen, ein Mikrofon reinzuhängen und das Tonband mitlaufen zu lassen. Die Rille liefert ein dumpfes, von fast allen Höhen befreites Gedröhne, so als sei der teure Plattenspieler ein damals noch üblicher Mittelwellen-Empfänger.