Future Days – Can

Nachdem meine Vorstellung des Albums „Live in Arles 1975“ von Can eher einem Verriss gleicht, möchte ich einen wohlgesonnenen Beitrag zu Can nachlegen. Nein, es ist diesmal kein gelungener Livemitschnitt, es geht um das Studioalbum „Future Days“ aus dem Jahr 1973. Beim Hören möge sich der geneigte Zuhörer immer wieder vor Augen führen: Diese Musik hat eine deutsche Band im Jahre 1973 Zustande gebracht. Da war der Herr Makkerrony, seines Zeichens Chefredakteur und Empfangsdame des berühmten Magazins „Der Lichtbildprophet“, gerade mal 10 Jahre alt und noch ungeküsst, ausgenommen die feuchten Küsse von Tante Charlotte auf meine Wange.

Was mich an „Future Days“ beeindruckt, ist die jeweilige Struktur der Kompositionen, die keinem klassischen Muster eines Liedes folgen. Daneben fallen mir Klangpassagen auf, wo ich meine, sie später von anderen Bands gehört zu haben. Zu guter Letzt veröffentlicht Can mit „Future Days“ einen Ausblick auf spätere Klangwelten, die als Ambient und/oder Trance Verbreitung finden. Wer mal in einer Mußestunde abseits eingetretener musikalischer Pfade wandeln möchte, dem empfehle ich Can „Future Days“ und hier die zweite Seite, die ausschließlich den 20-minütigen Titel „Bel Air“ beinhaltet.

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Berlin-Friedrichsfelde. Ein deutscher Nationalfriedhof – Joachim Hoffmann

Eine gewisse Vorliebe für Friedhöfe sollte meinen fotografischen Arbeiten zu entnehmen sein. Vor ein paar Wochen sind die Perle und ich zufällig auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde gelandet. Eigentlich wollten wir entlang dem Grenzgraben Marzahn-Hohenschönhausen, vorbei am Südbecken zum Landschaftspark Herzberge. Zur linken Hand bot sich überraschend der Zugang in Höhe des Revolutionsdenkmals an.

Den Zentralfriedhof Friedrichsfelde kenne ich nur aus zwei Perspektiven: Die DDR-Oberen stiefelten medienwirksam Mitte Januar zu Karl, Rosa & Co. und die S-Bahn fährt zwischen Lichtenberg und Friedrichsfelde Ost am Haupteingang vorbei. Nun stehe ich mit der Perle an einem herrlichen Herbsttag im weiten Grün der Parklandschaft und habe keine Kamera dabei. Ich muss mindestens noch einmal wiederkommen.

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Live in Arles 1975 – Can

Wird heute Musikmaterial, das sich in einem Archiv langweilt, in Vinyl gepresst und audiophile Scheiße zu Geld gemacht? Nach der Pleite mit der Led Zeppelin 4 LP-Box „Live ’69 & ’73“ liegt die nächste Katastrophe auf dem Plattenteller. War die Led Zeppelin Live-Katastrophe ein legendäres Konzert, ist die Wortwahl diesmal „einzigartig“ und eine „gefeierte“ Live-Serie. Holla, die Waldfee, sie ruft: Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Zugegeben, Can ist nicht vergleichbar mit feministischen Jammerarien von Ed Swift, keine emotionale Powerband wie Chapter 7 nebst Gesichtsbemalung, es geht mehr um improvisierte und vor allem handgemachte Rockmusik von vor 50 Jahre (das ist ein halbes Jahrhundert), in der noch fast alles erlaubt ist. Das ist jedoch kein Freibrief, den verzinkten Blecheimer herauszuholen, ein Mikrofon reinzuhängen und das Tonband mitlaufen zu lassen. Die Rille liefert ein dumpfes, von fast allen Höhen befreites Gedröhne, so als sei der teure Plattenspieler ein damals noch üblicher Mittelwellen-Empfänger.

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Welch Emotion! Welch Emotion? – Georges Didi-Huberman

Das Schaffen von Bildern ist weniger ein technischer Vorgang (Malen, Fotografieren oder KI beschwören), vielmehr spielt der menschliche Geist des Erschaffenden und des Betrachters den Mittelpunkt des Bildwerdens. Reines Maschinengeknipse ist hochgradig langweilig und hat keine kommunikative Funktion. Erst mit einer, in dem Bild hinterlegten Absicht, entsteht die Verbindung zwischen zwei und mehr Menschen.

Didi-Huberman beleuchtet in seinem Vortrag, der als Buch erschienen ist, das weite Feld der Emotionen am Beispiel der Tränen. Er spannt dabei den weiten Bogen vom naiven Kindesgeschrei, über die Haltung großer Philosophen zu Emotionen bis hin zur eigenen Trauerarbeit und der damit verbundenen Erwartungshaltung anderer Trauernden im unmittelbaren Betroffenenkreis: Eigene Empfindungen ordnen sich anderen unter, es kommt zu einer Transformation der Emotionen.

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Live ’69 & ’73 – Led Zeppelin

Was ist das? Glaubt derjenige, der diese Pressung nebst Zugaben initiiert und zu verantworten hat, aus Scheiße Gold machen zu können, nur weil er vier Scheiben Vinyl in gemischt blau-weißen Kunststoff presst und Led Zeppelin drauf schreibt? Ich liebe Live-Mitschnitte, doch „Live ’69 & ’73“ lässt nichts unversucht, dass diese Liebe schockwelkt und für immer selbstzerstört. Ich soll vor der schallenden Ohrfeige meiner Kritik erst loben? Was denn bitte? Ich versuche es: Ein Viertel der Box ist vom Klangbild erträglich (positiv), der Rest ist reine Materialverschwendung (negativ).

Mein Kaufargument war der Titel „Babe I’m gonna leave you“, der aus Gründen viel zu selten zu hören ist und, nach meinem Dafürhalten, zu den besten Liedern Led Zeppelins gehört. Diese Freude wird mit der zweiten Scheibe der 4 LP-Box auf niederträchtige Weise erdrosselt. Die Tonqualität erinnert mich an Selbstversuche, mit Hilfe eines Mikrofons vor dem Lautsprecher des Schwarzweißfernsehers Musiksendungen aus dem Westen auf Kassette aufzuzeichnen. Was war das für ein Fiasko. Was ist „Live ’69 & ’73“ bloß für eine apokalyptische Katastrophe.

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