Mein „Menschen in der Großstadt„-Langzeitprojekt verlässt Deutschland. Vier Filme Rollei RPX25 in der Pentax 17 verschossen, machen fast 80 Aufnahmen im Halbformat pro 36er-Film. Was für eine Ausbeute.
Die Perle hat uns ein Quartier an der Grenze zum ersten Bezirk gebucht. Das sind nur wenige Schritte zu den Touristenhochburgen, aber auch viele junge Menschen, die im ersten Bezirk studieren. Diese Ausgangsbasis ist ein Freudenfest für mein Großstadt-Projekt, verbunden mit der traurigen Erkenntnis, dass auch in Wien der Mensch mit seinem Smartphone verwachsen ist. Deshalb entscheide ich mich, innerhalb des Projekts nicht zwischen den Städten und Ländern zu unterscheiden.
Initialzündung der Reise nach Wien war eigentlich Klimt. In Wien folgt die Erkenntnis, dass irgendwie jedes Museum Klimt zeigt, weshalb wir gezwungen sind, gefühlt jedes Museum der Stadt ansteuern zu müssen. Wir besuchen zur Einstimmung und Wissenserweiterung das Leopold Museum. Zweiter Programmpunkt: Die beiden jüdischen Abteilungen im Zentralfriedhof Wien. Auf dem Zentralfriedhof ist auch Falco begraben. Einer Textzeile seines Stückes „Vienna Calling“ ist der Titel des Beitrags entnommen.
Wien hinterlässt gemischte Gefühle in mir: Die Stadt ist im Zentrum sauber, alles ist hell, dass die Augen schmerzen. Wien hat viel Grün und dort stehen viele Bänke, die zum Ausruhen einladen. Wien hat viele Obdachlose, Wien ist zumindest nach Außen tolerant und voll auf Tourismus gepolt. Ein Beispiel: Sonntagmorgen stehe ich in Schönbrunn den Joggern im Weg. Je älter der Tag wird, überrennen mich Touristenmassen. Abseits des Massentourismus erwartet mich ein Mix aus Berlin und Potsdam. Wien ist verdammt deutsch, nur ganz anders als Deutschland.