Los Llamas – Los Llamas

Heute muss es ein absoluter Exot sein, den ich dem geneigten Leser der Plattenstube in den Gehörgang legen möchte. Nicht, weil ich kurz davor war, die schwarze Scheibe Vinyl wegzuschmeißen und der musikalische Inhalt einfach schrecklich ist. Nein, „Los Llamas“ ist der Beweis, dass ich, der große Makkerrony, absolut für Vielfalt und bedingungslose Gleichheit stehe. Auch die größte musikalische Absurdität soll und muss gehört werden, egal wie weh es im Ohr und Kopf auch tut.

„Los Llamas“ war eine in Kuba in den 1970er Jahren aktive Band, sagt Google. Damit ist meine Vinylothek um eine Scheibe aus Kuba und dem Label Areito reicher. Den musikalischen Stil beschreibt Google KI mit lateinamerikanischen Pop und Balladen. Ich, in meiner grenzenlosen Unkenntnis, würde die musikalische Darbietung als Gehörgangsvergewaltigung beschreiben. Es gibt die schlechtesten Filme aller Zeiten, mit der „grupo los llamas“ die schlechteste Schallplatte aller Zeiten. Die Scheibe mag getragene lateinamerikanische Lebensfreude a la Kuba widerzuspiegeln, aber bitte keinen Überschwang oder gar ausufernde Ekstase.

Durch den Aufkauf eines Konvoluts Schallplatten, kam „Los Llamas“ neben anderen schlimmen Raritäten in meinen Besitz. Jetzt, in Phase3 und viel Zeit, kann ich die Rarität wie „Los Llamas“, ihr semidilettantisches Spiel und das proaktive Geschrei der Sängerin in mich aufnehmen. Mein bitteres Urteil ist ungerecht, ich weiß, immerhin wurde der kubanische Chartstürmer remastert und ist seit 2018 auf Spotify und Apple Music als Musikstream abrufbar. Wer also meine musikalische Negativbewertung widerlegen möchte, darf gerne lauschen gehen. Doch ich möchte keine Beschwerden hören, von wegen es hätte keine Triggerwarnung gegeben.

Ich habe doch noch etwas Positives gefunden, was ich mit dem Leser teilen möchte: Meine „Los Llamas“-Scheibe scheint so selten bespielt worden zu sein, dass kein Knistern und Knacken zu hören ist. Zwar war sie ziemlich mistig und musste intensiv feucht abgewischt werden, doch die musikalische Zumutung ist danach nahezu perfekt zu hören. Das verlangt mir von der kubanischen Meisterleistung den allergrößten Respekt ab.

Autor: Der Herr Makkerrony

Der "Herr Makkerrony", das ist Ronald Puhle aus Berlin und der Macher des weltbekannten und einzigartigen Magazins "Der Lichtbildprophet". Heute führt der ehemalige Laboringenieur das hektische Leben eines Rentners, das er persönlich sein "Phase3" nennt. Seit einem Vierteljahrhundert praktiziert der Herr Makkerrony die Fotografie und war ca. 15 Jahre als freier Autor für verschiedene Fotofachzeitschriften (z.B. fotoMagazin, Dipitalphoto, FotoPraxis und PhotoKlassik) tätig. Seine Arbeiten bestechen durch die bodenständige Aufnahmetechnik (LoFi - Fotografie), den kreativen Einsatz überlagerter Fotomaterialien, insbesondere ORWO-Fotopapiere und ORWO-Dokumentenpapiere und der Anwendung des Lith Print-Verfahren. Nebenbei lenkt sich Makkerrony mit freier, abstrakter Malerei ab, liest gerne und ist ein begeisterter Hörer analoger Musik von der Schallplatte. In seinem Atelier Flackerlight ist jedes Modell willkommen, das sich von ihm auf besondere Weise fotografieren lassen möchte.

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