Los Llamas – Los Llamas

Heute muss es ein absoluter Exot sein, den ich dem geneigten Leser der Plattenstube in den Gehörgang legen möchte. Nicht, weil ich kurz davor war, die schwarze Scheibe Vinyl wegzuschmeißen und der musikalische Inhalt einfach schrecklich ist. Nein, „Los Llamas“ ist der Beweis, dass ich, der große Makkerrony, absolut für Vielfalt und bedingungslose Gleichheit stehe. Auch die größte musikalische Absurdität soll und muss gehört werden, egal wie weh es im Ohr und Kopf auch tut.

„Los Llamas“ war eine in Kuba in den 1970er Jahren aktive Band, sagt Google. Damit ist meine Vinylothek um eine Scheibe aus Kuba und dem Label Areito reicher. Den musikalischen Stil beschreibt Google KI mit lateinamerikanischen Pop und Balladen. Ich, in meiner grenzenlosen Unkenntnis, würde die musikalische Darbietung als Gehörgangsvergewaltigung beschreiben. Es gibt die schlechtesten Filme aller Zeiten, mit der „grupo los llamas“ die schlechteste Schallplatte aller Zeiten. Die Scheibe mag getragene lateinamerikanische Lebensfreude a la Kuba widerzuspiegeln, ist ansonsten frei von exotischem Überschwang oder ausufernder Ekstase heißer karibischer Rhythmen.

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Future Days – Can

Nachdem meine Vorstellung des Albums „Live in Arles 1975“ von Can eher einem Verriss gleicht, möchte ich einen wohlgesonnenen Beitrag zu Can nachlegen. Nein, es ist diesmal kein gelungener Livemitschnitt, es geht um das Studioalbum „Future Days“ aus dem Jahr 1973. Beim Hören möge sich der geneigte Zuhörer immer wieder vor Augen führen: Diese Musik hat eine deutsche Band im Jahre 1973 Zustande gebracht. Da war der Herr Makkerrony, seines Zeichens Chefredakteur und Empfangsdame des berühmten Magazins „Der Lichtbildprophet“, gerade mal 10 Jahre alt und noch ungeküsst, ausgenommen die feuchten Küsse von Tante Charlotte auf meine Wange.

Was mich an „Future Days“ beeindruckt, ist die jeweilige Struktur der Kompositionen, die keinem klassischen Muster eines Liedes folgen. Daneben fallen mir Klangpassagen auf, wo ich meine, sie später von anderen Bands gehört zu haben. Zu guter Letzt veröffentlicht Can mit „Future Days“ einen Ausblick auf spätere Klangwelten, die als Ambient und/oder Trance Verbreitung finden. Wer mal in einer Mußestunde abseits eingetretener musikalischer Pfade wandeln möchte, dem empfehle ich Can „Future Days“ und hier die zweite Seite, die ausschließlich den 20-minütigen Titel „Bel Air“ beinhaltet.

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Live in Arles 1975 – Can

Wird heute Musikmaterial, das sich in einem Archiv langweilt, in Vinyl gepresst und audiophile Scheiße zu Geld gemacht? Nach der Pleite mit der Led Zeppelin 4 LP-Box „Live ’69 & ’73“ liegt die nächste Katastrophe auf dem Plattenteller. War die Led Zeppelin Live-Katastrophe ein legendäres Konzert, ist die Wortwahl diesmal „einzigartig“ und eine „gefeierte“ Live-Serie. Holla, die Waldfee, sie ruft: Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Zugegeben, Can ist nicht vergleichbar mit feministischen Jammerarien von Ed Swift, keine emotionale Powerband wie Chapter 7 nebst Gesichtsbemalung, es geht mehr um improvisierte und vor allem handgemachte Rockmusik von vor 50 Jahre (das ist ein halbes Jahrhundert), in der noch fast alles erlaubt ist. Das ist jedoch kein Freibrief, den verzinkten Blecheimer herauszuholen, ein Mikrofon reinzuhängen und das Tonband mitlaufen zu lassen. Die Rille liefert ein dumpfes, von fast allen Höhen befreites Gedröhne, so als sei der teure Plattenspieler ein damals noch üblicher Mittelwellen-Empfänger.

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Spaces – Nils Frahm

„Musik muss laut sein“ wurde mir vor fast zwanzig Jahren gesagt. Damals begleitete ich die Berliner Band K(l)eingeld mit der Kamera. Es entstanden eine Reihe guter Aufnahmen, weshalb mir die Zeit absolut positiv in Erinnerung bleibt. Nur mit dem Muss und Lautsein komme ich bis heute nicht klar. Laute Musik erzeugt Schmerzen und macht selbst die schönste Musik kaputt. Ich hasse es, wenn Menschen im Alkoholrausch die Musikanlage aufdrehen und dazu noch lauthals mitlallen. Musik braucht eine gewisse Lautstärke, aber körperliche und seelische Schäden sollte ich beim Hören von Musik nicht davon tragen.

Meine musikalische Verbindung zu Nils Frahm stellte sich über „Coming Home by Sven Vaeth“ her, welches am Ende „Says“ von Nils Frahm enthält. Dieser Titel stach so aus dem Rest von „Coming Home“ heraus, dass es in meinem Gehörgang hängen blieb. Ein Model gab mir den Hinweis, wer der Künstler hinter dem Instrumentalstück ist. Der Kreis ist fast geschlossen: Irgendwann spiele ich „Says“ im Atelier, die Perle ist anwesend, die Stimmung passt und der Titel zu unserem Lied. Ich lege mir „Spaces“ in Vinyl zu, es folgen bald weitere Platten mit Nils Frahm.

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Darf es auch eine Gebrauchte sein?

So sehr ich mich freue, dass heute wieder mehr Schallplatten gehört, verkauft und vor allem auch neu gepresst werden, umso ärgerlicher ist mein Frust um den Hype Vinyl und wie versucht wird, daraus extra Kapital zu schlagen. Ich weiß: Ich lebe im Kapitalismus, die Nachfrage bestimmt den Preis und wenn mir etwas zu teuer ist, dann muss ich die Ware nicht kaufen. Dem muß ich teilweise widersprechen: Stimmt das Produkt und dessen Qualität, dann zahle ich gerne mehr dafür. Das gilt für Lebensmittel und endet für mich bei Schallplatten. Wird mir jedoch vorgeflunkert, ich bekomme etwas Besonderes und dieses Besondere entpuppt sich als Windei, dann eskaliere ich innerlich: Nur weil die Neupressung vergriffen ist, müssen die Preise für die gebrauchten Jahrzehnte alte Urpressungen nicht durch die Decke gehen. Es beschleicht mich das Gefühl, dass Vinyl, egal ob neu oder gebraucht, zum Spekulationsobjekt verkommen ist und egal wie schlecht die gebrauchte Ware auch ist, mit einer Null mehr am rechten Ende der ganzen Zahl, lässt sich gut Kohle machen. Es spielt keine Rolle, ob ich mir den Versandhandel ansehe oder ich mich auf einem Flohmarkt auf die Suche nach dem Schwarzen Gold mache.

Wie mit der vor allem gebrauchten Ware umgegangen wird, da gibt es wohl kaum einen Unterschied zwischen Trödelmarkt und Händler. Die beste Qualitätskontrolle ist das Hören der Scheibe Vinyl, und zwar von Anfang bis Ende. Der Trödelmarkthändler beschwört, dies immer zu tun. Das ist teuer und erklärt seine unanständige Preisvorstellung. Schallplatten in die pralle Sonne stellen, ist das Gegenargument, beim fliegenden Händler nichts zu kaufen. Der Onlinehändler prahlt mit Technik, extra Waschgängen und Besichtigungen mit der extragroßen Lupe. So verhält es sich in den letzten Monaten bei meinem Gebrauchthändler des Vertrauens Recordsale derweil nicht: Egal welche Rillen, von billig bis teuer, sie werden mir mit ordentlich Knistern und Knacken, Sprüngen bis hin zu Intimhaaren an mich ausgeliefert. Das kann mal passieren, womit ich eine von zehn Lieferungen meine. Häufen sich solche Fehlkäufe beschleicht mich das Gefühl, dass mir als Kunde die Qualitätskontrolle auferlegt ist und ich das zweifelhafte Vergnügen habe, mich mit der Kundenabwehr rumärgern zu dürfen. Das Schlimme kommt aber noch: Selbst neue Scheiben haben neuerdings deutlich sichtbare mechanische Macken und werden absolut unspielbar ausgeliefert. So erging es mir zweimal mit Schallplatten, die ich bei Amazon erworben habe. Schluß mit Entschuldigung und Verständnis, mir reißt der Geduldsfaden: Ware wird lediglich zum Kunden gewälzt und die Endkontrolle bleibt bei mir, dem König Kunde, hängen.

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