Alles muss das Erste sein

Durch das letzte Jahr und meinem Beinahe-Totalausfall war viel Zeit zurück zu blicken. Ich tat es und habe in der Rückblende auch das Daddeln an einer Spielkonsole vermisst. NES, Nintendo, dieser graue Kasten, Super Mario, Tetris und ein Rennspiel. So etwas wollte ich heute auch spielen, einfach nur für mich selbst und ohne das große Ziel, ein Mehrfach-Champion zu werden.

Dieses Nintendo-Ding gibt es gerade als Retro-Box, Classic Mini, wohl nur etwas kleiner und mit mehr Spiele. Ich finde den aufgerufenen Preis unanständig und mein Pseudo-Formel 1-Rennspiel sowie Tetris ist auch nicht im Kasten drin. Es muss eine moderne Spiel(e)konsole her, ich lasse mich beraten. Internet: Ich fühle mich verraten! All die Tester plappern nur irgendetwas Wischiwaschi, so als würden sie von den drei großen Playern Nintendo, Sony und Microsoft bezahlt. Da möchte kein Influencer irgendeinem Hersteller weh tun, schließlich geht es um Kohle und eine Existenz als ausbildungsloser Meinungsvasall.

Ich stelle Ansprüche: So eine Spiel(e)konsole soll für mich schon mehr können. Schließlich steht sie in meinem kombinierten Arbeits- und Schlafzimmer. Dem Kunststoffkasten sollte DVD- und Blu-ray nicht unbekannt sein. Internet, na klar. Nur redet kaum einer ob LAN und/oder WLAN. Ist das schon so normal? Ich möchte Apps laufen lassen, vorzugsweise Amazon (Prime) Video. Dass diese Unterhaltungscomputer nur über Controller bedienbar sind, die Hersteller sollten sich schämen. Warum kann ich nicht mein Tablet mit der Konsole verbinden und darüber bedienen. Insbesondere beim Einrichten, schreiben und browsen? Wegen meiner auch Spielen? Warum haben die Hersteller so wenig Fantasie? Proprietärer Hardwareriegel zum Geldmachen, illegale Lösungen aus dubiosen Kanälen, die mit dem nächsten Geräteupdate unnütz sein könnten. Hauptsache die EU reguliert die Größe der Äpfel und die Gradheit der Gurke. Gibt es in den Reihen der Entwickler keine Visionäre mehr? God save Steve Jobs! Aber der war ja auch so ein ‚herstellereigener Lösungs- und Geldmach-Finder‘.

Am Ende wird es eine Xbox One S, auch das von mir genutzte Office 365 und 1 TB OneDrive haben mich – als eingefleischten Macianer – in die spielerischen Fänge Redmond’s getrieben. Naja, so eingefleischt Mac und Apple bin ich nicht. Die jobschen Jünger sind müde und ideenlos. Sie sehen nur die Kohle und vergessen die Innovation. Genauso wie die Spiel(e)konsole-Hersteller. Mein aktuelles Notebook stammt von Dell, es läuft Windows 10. Die von Microsoft sind weiterhin ideenlos, doch irgendwie habe ich mich an den programmierten Untergang der Abendkultur gewähnt. Solange mein Hauptrechner ein Mac ist, solange muss sich die Welt um mich keine Sorgen machen.

Das ausgesuchte Xbox One S-Bundle enthält auch zwei Rennspiele der Forza-Reihe. Schon im Vorfeld lese ich, dass es keine ‚Einfach so zum Datteln‘-Spiele sind. Doch, ich lese es wie toll sie sein sollen. Nur dieses Tollsein geht kilometerweit an meinem Gusto vorbei. Ich muss vom ersten gespielten Moment an Übermenschliches leisten. Tue ich das nicht, komme ich absolut nicht weiter. Dazu gesellt sich die KI, dass ’so tun als sei man tierisch realistisch‘. Selbst wenn ich alles programmiertes Zauberzeug abschalte und alle Hilfen hinzunehme, ich werde bis an das Ende meiner Tage nie ein weiteres Level erreichen. Was da von den Programmierern vertickt wird ist auf pure Hochleistung getrimmt. Ohne den Willen Erster zu sein, ohne eine Blitzkrieg-Motorik sich dem programmierten Wahnsinn unterwerfen zu können, bleibe ich außen vor: ‚Du bist nicht (reif für) dieses Spiel. Game Over!‘

Ich versuche mich an einem Formel 1-Spiel. Es ist mir aus PC-Zeiten bekannt. Da konnte ich an der KI- und Einstellungsschraube so drehen, dass ich Spaß am Fahren hatte. Heute scheitere ich auch hier an der untersten Levelhürde und die angeblich ‚Künstlische Intelligenz‘ lässt mich stur auflaufen. Es ist noch nicht einmal möglich die Belegung der Knöpfe und Taster nach meinem Gusto zu wählen. Ich bekomme ‚Alternativen‘ vorgeschrieben. Was sind das für Alternativen?. ‚Alter, vielleicht bis du einfach zu alt‘ sage ich zu mir. ‚Vielleicht hat die Chemo dein Hirn so aufgeweicht, dass du selbst für eine Runde gemütliches Hallenhalma geistig und körperlich zu langsam bist!‘. Wenn es an dem so ist, dann sollte ich mich freiwillig zur Notschlachtung vormerken lassen.

Mir schießen Gedanken aus einer Reportage zur Beziehungsunfähigkeit vieler Zeitgenossen durch den Kopf. Unter anderem wurde dort über den oftmals geforderten Hochleistungssex gesprochen. Rammeln auf höchsten Niveau, jeder Stoß ein neuer Kick. Und wer das nicht mehr abliefern kann, der wird gegen den nächsten Rammler ausgetauscht. Oder, weil die Enttäuschung über das andere Geschlecht so groß war, sucht man im eigenen Geschlecht das große Heil. Oder wechselt wieder zurück. Angebliche Liebe im Pornostyle, die Ejakulationsfrequenz macht’s. Wenn nach dreimal nichts mehr geht, ab zum Arzt und über Potenzprobleme jammern.

Heute muss ich mich mit Jedem und Nichts vergleichen. Ich muss besser sein. Man darf heute sich nicht eingestehen einen Fehler gemacht zu haben. Schwäche zeigen kommt einem Todesurteil gleich. Das was ich tue ist sensationell, einmalig und unübertrofen (auch wenn es der größte Scheiß ist). Kritik an dieser Einstellung, an der Grundhaltung, ist – weil unmenschlich und nicht zumutbar – nicht erwünscht. Genau da liegt das Problem: Wir stellen nicht infrage was wir tun. Regt sich ein Gegenwort, ergießt sich ein Schwall des ‚Shitstorm’s‘ und die blind-taube Masse jubelt. Wir bejubeln den guten Willen und nicht das gute Ergebnis.

Sorry, mein Leben hat mich etwas anderes gelehrt: Das Unperfekteste am Leben ist der Mensch selbst. Und das auf unterschiedlichste Art und Weise. Das wird auch – als Wesen – unser Untergang sein. Weil wir so blöd sind, über diese Blödheit auch noch laut Lachen können, setzen wir uns wenige Sekunden ‚vor Zwölf‘ auf die große Tonnen schwere Bombe und hauen mit dem Vorschlaghammer auf den Zünder. Als Krönung unserer Dummheit lauten unsere letzten Worte: ‚Aber das haben wir so nicht gewollt!‘. Ha ha, wie lustig.

Mir soll das Datenorakel weiterhelfen. Ich suche Spiele für alte Leute, knallhart. Knallhart in dem Sinn, dass ich mich als Alt einstufe. Liebe Leute und Schlaumies in den Blogs und Foren, was ihr da empfehlt mag euch – weil langweilig und zu langsam – nicht aushebeln, muss aber zwangsläufig nicht unbedingt für das höhere Alter geeignet sein. Ich möchte nur spielen, ohne Leistungsdruck, ohne Gegner aus dem Computer oder der Community, rein nur zur Unterhaltung. Das Ganze bitte in einer Geschwindigkeit der ich folgen und in der ich reagieren kann. Bitte keine weltverbessernde Intelligenz, ohne jedwede Anstrengung, man sei real auf einer Piste unterwegs.

Bei jedem neuen Versuch in die Welt der Dauer-Gewinner und Superhelden abzusteigen wird mir recht schnell übel. Herr Nintendo, Frau Sony und Microsoft: Warum geht es nicht ein paar Gänge zurückzuschalten? Es muss ja nicht der Loser-Modus sein. Eine gewisse Herausforderung muss schon bestehen. Nur wenn ein Level zum x-ten mal als Letzter, die beste Platzierung überhaupt der Vorletzte war, dann sollte sich eure verschissene KI am Kopf kratzen und statt Frustration ein positives Spielerlebnis zulassen.

Wenigstens kann ich mit der Xbox One S DVD’s und Bly-rays abspielen, Amazon Prime-Videos gucken und auf mein OneDrive zugreifen. Für was anderes ist die Spiel(e)konsole nicht zu gebrauchen.

Autor: Lichtbildprophet

Lichtbildprophet ist verbaler Größenwahn und Fotografischer Depressionismus; eine persönliche letzte totale Schlacht des einzigartigen Großmeister Lichtbildprophet gegen den Herdentrieb des Gutmenschen und die Massenverdummung des Homo digitalis. Das Held Lichtbildprophet ist die allerletzte Bastion wider dem Einheitsgeschmack unserer ach so modernen und bequemen Zeit.