Früher war alles nicht besser.
Idioten gab es schon damals und bis heute sind sie nicht ausgestorben.
Heute ein etwas anderer Beitrag aus der Leseecke.
Zu Beginn meiner grandiosen Internetkarriere arbeitete ich mit verschiedenen 3D-Generatoren. Die damit generierten Bilder stellte ich in der berühmten Mausmalerei aus. Der Nutzer konnte sich die Bilddateien herunterladen und als Bildschirmhintergrund einrichten. Meine Bekanntheit war so enorm, dass ich irgendwann mal jemanden traf, der die Mausmalerei sogar kannte. Ich bin fame.
Irgendwann schrieb mich jemand aus Berlin an. Er findet meine Arbeiten toll, er plane ein Buchprojekt in Richtung Science Fiction und könnte sich vorstellen, dass ich passende 3D-Grafiken zu steuere. Das klingt komisch, ist aber so. Für die „Lyrischen Glanzlichter“, herausgegeben von Yvonne Straub, und verschiedene andere Projekte hatte ich bereits 3D-Renderings beigesteuert. Der Gedanke war also nicht so abwegig.
Der Typ lud mich zu sich ein. Er wohnte irgendwo in der Nähe des Tierparks und dem Hotel Abacus, in einem Hochhaus. Alles war irgendwie merkwürdig. Dunkle lange Gänge, allein die Atmosphäre machte vorsichtig. Seine Wohnung hatte die gefühlte Größe eines Schuhkartons. Kurz nach meiner Ankunft kam seine Mutter und brachte Kuchen. Sie wohnte im selben Haus, ganz in der Nähe von Sohnemann. Hotel Mama also.
Wir sprachen über das Projekt, die Ideen und Erwartungen. Er lies mir freie Hand. Aus heutiger Sicht schrillen bei mir und der Aussage „Freie Hand“ die Alarmglocken. Ein knallharte Rockcombo mit dem Namen Apoplex wollte eine 3D-Grafik meines berühmten Gehirns, welches in einem brasilianischen Magazin veröffentlicht wurde. Ich hätte „Freie Hand“. Als ich das Ergebnis vorstellte, waren die Mannen von meiner unmännlichen Farbwahl not amused. Fickt euch und macht es euch selbst.
Zum Schluß gab er mir das Buch „Pilgerfahrt zur Erde“ von Robert Sheckley mit. In diesem Stil wolle er schreiben und weil ihm das Buch so wichtig ist, will er es unbedingt zurückhaben. Alles klar. Ich begann Ideen zu entwickeln, renderte sie und schickte sie dem Autor. Es passierte nichts. Was ich bei dem Treffen damals überhört hatte: Er klang stark links orientiert und sein Lebensinhalt bestand auch darin, die Welt von den Nazis zu befreien. Ich tat das als Spinnerei ab. Es rennen keine marodierenden rechten Schlägertrupps durch die Straßen Berlins, weshalb ein Kampf auf Leben und Tod arg übertrieben ist. Noch ein paar Mal versuche ich ihn zu einer Reaktion zu bewegen. Nichts geschieht. Ich setze mein letztes Druckmittel ein: Sheckley, Pilgerfahrt zur Erde. Es gibt eine Reaktion: Er hat gerade keine Zeit für das Projekt, er muss erst einmal gegen Nazis kämpfen.
Spinner!
Das Buch liegt noch heute hier rum.
3D ist für mich Geschichte.
Anfrage, meine Bilder für Projekte zur Verfügung zu stellen, sind Geschichte.
Glaube niemals daran, dass „Freie Hand“ auch wirklich eine freie kreative Hand bedeutet.
Der Typ kämpft wohl immer noch gegen böse Nazis, AfD sei Dank.
Zeit, den Sheckley in die Papiertonne zu werfen.
Das Buch und seine Kurzgeschichten sind schrecklich.