Binäre Denkmuster und Sprache

Nur dunkel kann ich mich erinnern, was ich in der Schule zur Geschichte der Menschheit gelernt habe. Den Einwurf, alles wäre in der DDR politisch geprägt gewesen, nehme ich auf und gebe ihn von Herzen an den Westen zurück. Deren Weltbild von der sowjetischen Besatzungszone und den unterdrückten Brüdern im armen Osten, wo an jeder Straßenecke ein Russe mit gezückter Maschinenpistole stand und nie die Sonne schien, ist genauso politisch inkorrekt geprägt. Letztendlich hat die Ideologie der Systeme dafür gesorgt, dass das Zusammenwachsen des deutschen Volkes wohl auf Jahrhunderte von der physischen als auch psychologischen Mauer geprägt sein wird. Euphorie und Blauäugigkeit auf der einen Seite, Siegestaumel und Überheblichkeit auf der anderen Seite bleibt, selbst wenn Generationen später eine klare Trennung zwischen Ost und West kaum noch möglich ist. Es ist wie die beschworene Antipathie zwischen Preußen und Bayern: Der Mensch braucht (s)ein binäres Denkmuster, im Großen wie im Kleinen. Freund oder Feind, dazwischen gibt es nichts. Anders ist es vielleicht auch nicht erklärbar, warum der Massenmensch nach Perfektion und absoluter Schönheit strebt. Es geht um die heile Welt und wehe, Menschen wie ich stören sich daran, agieren dagegen und stellen sich gegen das ‚Friede, Freude, Eierkuchen‘-Gehabe.

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Schokoriegel

‚Ey Alter, was soll die Nazi-Typ Nummer?‘

Ja, so herzlich und liebevoll werde ich gerne begrüßt. Vor allem, wenn wir uns ein paar Wochen zuvor nicht gesehen haben.

‚Wovon sprichst du‘ erwidere ich.
‚Na von dem Nazi-Bild in deinem Blog!‘

Ihre Stimme wird immer lauter, meine Verwirrung nimmt immer mehr zu. Sie verschwindet nach oben, in ‚ihr‘ Zimmer. Vorsichtig trabe ich die Treppen nach oben. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, als könne zur Abwehr meiner Person ein Gegenstand heruntergeflogen kommen. Soviel zum Thema Gewalt in einer Beziehung.

‚Hier. Komm her. Ist das dein Blog? Und ist das ein Nazi!‘

‚Wenn mich nicht alles täuscht, dann ist das ein SA-Mann in seiner Uniform. Vor einem weißen Tuch posend. Lächerlich, oder?‘

‚Das ist ein Nazi. Ein Faschistenschwein.‘

‚So würde ich es nicht nennen wollen.‘

‚Was bist du denn für einer? Wählen wir jetzt AfD, Alter? Und mit so etwas habe ich geschlafen.‘

Jetzt wird es langsam persönlich.

Es gibt Menschen, die Alles und Nichts miteinander verbinden können.

Es gibt Menschen, die haben mich vor ihr gewarnt. Wegen ihrer impulsiven Art und Ader. Und dem Altersunterschied. Das brauche ich, quasi als Koffeinersatz. Und was eine Heidi Klum kann, also mit einem Boy im Altersunterschied als sei es ihr erstes Kind eine Beziehung führen, kann ich als Mann erst Recht.

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Nippelalarm

Nach einer gefühlten Ewigkeit ist es uns wieder gelungen, Zeit miteinander zu verbringen. Wir unterwegs, per Fuss durch die stockfinstere Nacht. Ganz sozial vernetzt wische ich auf meinem iPhone herum.

„Scheiß Empfang in der Gegend“ unterbreche ich die für einen Städter monotone Geräuschkulisse des Waldes.

Ohne eine Regung starrt sie stur gerade aus. Ich weiß: Irgendetwas stimmt nicht mit ihr! Für mich überraschend mustern mich ihre Augen, kurz und entschlossen: „Mit wem schreibst du dich da?“.

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Alte Pfade – Weißensee

Zum Wesen des Menschen gehört es wohl ein Feindbild zu besitzen und es immer dann benutzen zu müssen, geht es dem Menschen vermeintlich schlecht. Die Geschichte hat mehrfach gezeigt, dass kein Volk, keine Gruppe oder Gemeinschaft von diesem offensichtlichen Instinkt des Menschen ausgenommen ist. Man könnte meinen, mit den bisher – vor allem schlechten – gemachten Erfahrungen müsste der – viel beschworene – menschliche Verstand einsetzen und ein Ende der Spirale möglich sein. Weit gefehlt: Es genügt der kleinste Anlass und man erinnert sich allzu gern alter Klischees und bedient sich derer.

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