Berlin-Friedrichsfelde. Ein deutscher Nationalfriedhof – Joachim Hoffmann

Eine gewisse Vorliebe für Friedhöfe sollte meinen fotografischen Arbeiten zu entnehmen sein. Vor ein paar Wochen sind die Perle und ich zufällig auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde gelandet. Eigentlich wollten wir entlang dem Grenzgraben Marzahn-Hohenschönhausen, vorbei am Südbecken zum Landschaftspark Herzberge. Zur linken Hand bot sich überraschend der Zugang in Höhe des Revolutionsdenkmals an.

Den Zentralfriedhof Friedrichsfelde kenne ich nur aus zwei Perspektiven: Die DDR-Oberen stiefelten medienwirksam Mitte Januar zu Karl, Rosa & Co. und die S-Bahn fährt zwischen Lichtenberg und Friedrichsfelde Ost am Haupteingang vorbei. Nun stehe ich mit der Perle an einem herrlichen Herbsttag im weiten Grün der Parklandschaft und habe keine Kamera dabei. Ich muss mindestens noch einmal wiederkommen.

„Berlin-Friedrichsfelde. Ein deutscher Nationalfriedhof – Joachim Hoffmann“ weiterlesen

Mein Holocaust – Tova Reich

Ich beginne mit einem Zitat. Unter der Überschrift „Ganz schlimm“ steht geschrieben: „Darf man eine Satire über den Holocaust schreiben? Die Antwort lautet ‚Nein‘. Tova Reich versucht es trotzdem und scheitert.“ Ich erlaube mir ein paar formale Undinge an dem Zitat zu ändern. Der Deutsche tut sich, erwartungsgemäß, schwer mit seiner Vergangenheit. Die einen sehen darin einen Fliegenschiss, andere wiederum ein ewiges Makel, welches in der Zeitachse lieber in ein Nazideutschland verschoben wird. Angesichts der Übermacht einer politischen Korrektheit darf ich fragen, worüber noch gelacht werden darf? Deutsche Comedian sind mittlerweile nur noch lächerlich, das politische Kabarett im linken Morast versunken und menschliche Fehlbarkeiten völlig gleichgestellt. Es ist kein Wunder, auf der Straße nur noch wandelnde Miesmuscheln auf zwei Beinen zu begegnen.

Eine Jüdin beschließt, Christin zu werden und in ein Kloster zu gehen. Dieses Kloster steht unweit des Vernichtungslagers Auschwitz, einem wichtigen Standbein der jüdischen Erinnerungsindustrie in den USA. Zu allem Überfluss ist die Novizin die Enkelin des Direktors des prestigeträchtigen US-amerikanischen Holocaust Memorial Center. Es ist die klassische Story um das Schwarze Schaf einer Familie, die über Generationen alles daran setzt, das Gedenken an die Opfer der industriellen Vernichtung von Menschen aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit am Laufen zu halten. Dieser Kreis der Opfer erweitert sich im Laufe des Buches und nimmt kuriose Züge an, wenn Empfindungen und Wachstumsdenken statt Verstand und Vernunft überhand nehmen. Ich greife noch einmal auf ein Zitat zurück: „Das alles ist verquaster Nonsens und außerdem geschmacklos.“

„Mein Holocaust – Tova Reich“ weiterlesen

Immediate Family – Sally Mann

„Immediate Family“ ist ein kontroverses Buch: Es zeigt im privaten Kreis die ständige Konfrontation mit den alltäglichen Geschehnissen des Lebens. Es verheimlicht oder beschönigt nichts, es versteckt nichts und es dichtet nichts hinzu. Mit einer gesunden Portion Neid bewundere ich Sally Mann’s Arbeit. Sie hat den wahren Wert der Kindheit und beginnenden Jugend erkannt und in einzigartigen Aufnahmen festgehalten. Wer bei diesen Bildern andere Gedanken entwickelt, sollte seine krankhafte Einstellung zum Menschen und zum Leben kritisch hinterfragen.

Was hat Sally Mann mit „Immediate Family“ genau getan? Was ruft selbsternannte Erretter und ihr Schandmaul auf den Plan? Sally Mann fotografiert im Zeitraum von 1984 bis 1991 ihre Kinder in unterschiedlichen Situationen ihres Familienalltags. Über alle gezeigten Aufnahmen hinweg gedacht, kommt in mir der Gedanken an eine Gartenidylle, Ferien und die beinahe grenzenlose Freiheit auf. Der Großteil der Aufnahmen zeigt die Kinder unbekleidet, was bei Erscheinen des Buches 1992 die Schutz- und Moralexperten auf den Plan gerufen hat. Das Kuriose an der Sache ist: Die Kinder waren an der Bildauswahl beteiligt, zeigten keine Bedenken hinsichtlich ihrer Nacktheit und sprachen sich gegen eine geplante spätere Veröffentlichung des Bildbandes aus.

„Immediate Family – Sally Mann“ weiterlesen

History of German Porn – Gretchen Kraut

Dem Bildband „Private Pornography in the Third Reich“ lag eine Karte von Goliath Books bei, die mir den Kauf dieses Bildbandes „History of German Porn“ ans Herz legt. Da zwischen der Veröffentlichung und meiner Rezension fast anderthalb Jahrzehnte liegen, kann ich den Titel nur noch im Antiquariat des Internets über Booklooker zu einem annehmbaren Preis erstehen. Ich bin überrascht, welche Summen für dieses Buch vereinzelt aufgerufen werden. Es muss sich um ein Meisterwerk der Vintageerotik und wildester Solosexfantasien handeln.

In der Tat kommt „History of German Porn“ mit deutlich mehr Text als das von mir bereits rezensierte „Private Pornography in the Third Reich“ daher. Was den Inhalt und die Bildauswahl angeht, steht „History of German Porn“ dem „Private Pornography in the Third Reich“ in nichts nach. Ich lerne schon beim Lesen des Klappentextes und der Einführung, dass der spröde Deutsche einen Stock im Arsch hat und zum Bumsen in den Keller geht. Erst die 68er haben die stocksteifen Hüften zum diversen Rudelbumsen gelockert. Die bösen Nazi haben selbst die Lust am Sex ausgerottet, wer daran glaubt.

„History of German Porn – Gretchen Kraut“ weiterlesen

Die Sache mit Robert Sheckley

Früher war alles nicht besser.
Idioten gab es schon damals und bis heute sind sie nicht ausgestorben.
Heute ein etwas anderer Beitrag aus der Leseecke.

Zu Beginn meiner grandiosen Internetkarriere arbeitete ich mit verschiedenen 3D-Generatoren. Die damit generierten Bilder stellte ich in der berühmten Mausmalerei aus. Der Nutzer konnte sich die Bilddateien herunterladen und als Bildschirmhintergrund einrichten. Meine Bekanntheit war so enorm, dass ich irgendwann mal jemanden traf, der die Mausmalerei sogar kannte. Ich bin fame.

Irgendwann schrieb mich jemand aus Berlin an. Er findet meine Arbeiten toll, er plane ein Buchprojekt in Richtung Science Fiction und könnte sich vorstellen, dass ich passende 3D-Grafiken zu steuere. Das klingt komisch, ist aber so. Für die „Lyrischen Glanzlichter“, herausgegeben von Yvonne Straub, und verschiedene andere Projekte hatte ich bereits 3D-Renderings beigesteuert. Der Gedanke war also nicht so abwegig.

„Die Sache mit Robert Sheckley“ weiterlesen