Exa 500

Habe ich mir die Ihagee Exa (ohne Namenszusatz) rein aus nostalgischen Gründen zugelegt, war ich bei der Exa 500 auf die 1/500 Sekunde als kürzeste Belichtungszeit scharf. Außerdem ist so ein Schlitzverschluss aus Tuch schon ziemlich Vintage und gibt beim Auslösen eine Geräuschkulisse, die so Exa-untypisch klingt, ist man mit der Exa 1b fotografisch groß geworden. Ansonsten gibt die Exa 500 äußerlich den Bescheidenen, meine geliebte Exa 1b macht da den Tick mehr her, was letztlich nur am austauschbaren Durchguck liegt.

Wie bei der Exa (ohne Namenszusatz) braucht auch die Exa 500 Dank Exakta-Bajonett eigene Wechselobjektive. Davon habe ich lediglich ein Objektiv und das ist mit der Exa (ohne Namenszusatz) verkoppelt. Möchte ich mit der Exa 500 auch einmal Fotos aufnehmen, dann muss es ein Bundle aus Kamera und Objektiv sein. Und damit beginnt mein Problem. In der Bucht ist es unter den Mega-TOP-Sellern mit ohne Sachverstand mittlerweile Sitte, Kamera und Objektiv einzeln zu verkaufen. Damit scheint sich mehr Geld machen zu lassen, denn ich muss mir die Kombination zusammensammeln und zahle oben drauf.

Die Alternative sind private Verkäufer oder Antiquitätenhändler, die Keller- beziehungsweise Dachbodenfunde oder einen Nachlass zu Geld machen. Sie beschreiben zwar, dass etwas offensichtlich funktioniert, doch mit Sicherheit wollen sie nichts zu tun haben. Also wird das Bundle als defekt vertickt und das Risiko trage ich. Nun denn, mir ist aber auch ein wenig nach rumbasteln. Eine Kamera grob zerlegen, die Mechanik verstehen und reinigen. Vielleicht reicht das schon, um wenigstens die normalen Belichtungszeiten bis 1/60 Sekunde zum Laufen zu bringen.

18 Euro für eine Exa 500 mit einem 50 mm Normalobjektiv. Die Mechanik einschließlich Tuchverschluß läuft, die Zeiten klingen plausibel, so zumindest der Verkäufer. Die Belederung muss nachgeklebt werden. Ich schlage zu, zahle aber vorsichtshalber mit Paypal und achte auf den ebay-Käuferschutz.

Relativ schnell liegt das gute Stück im Homeoffice. Ja, die Zeiten laufen, nur nicht plausibel. Die 1/60 Sekunde läuft hörbar länger als die 1/30 Sekunde. Je länger die Zeiten werden, umso mehr Sekunden braucht es, bis der Verschluß eine Reaktion zeigt. Es ist das klassische Hemmwerk-Problem. Diese Kurzzeitwerke mögen das lange unbenutzt Herumliegen nicht. Sicherlich tragen Spuren von verharztem Öl den Rest dazu bei. Ich schätze aber die Mechanik wegen ihrer Einfachheit als gut reinigbar ein.

Gesagt, getan: Acht Schräubchen gelöst und der obere Gehäuseteil ist abnehmbar. Ich habe den Eindruck, als fehlen zwei Schrauben, als habe man irgendwann einmal bereits an der Kamera rumgemacht. Egal. Im Inneren tummelt sich viel Dreck. Vorsichtig blase ich den Schmutz aus. Dabei bemerke ich, dass sich der Gummidämpfer für den Klappspiegel teilweise abgelöst hat. Da kein Kontaktkleber zur Hand, behelfe ich mich mit doppelseitigen Klebeband. Vorsichtiges abreiben mit Kontaktreiniger und die Feder des Hemmwerks wirkt agiler. Zwar klingen 1/30 und 1/60 noch immer nicht ‚plausibel‘, aber die ursprüngliche Sekundenlaufzeit bei 1/60 Senkunde ist Geschichte.

Ich bin mit meinem Latein und feinwerktechnischen Möglichkeiten am Ende. Fast: Was nach Hokuspokus und Voodoo klingt, hat den einen oder anderen lahmenden Verschluss wieder flott gemacht. Gerade im Winter, wenn im Atelier die Heizung in der Woche runtergedreht ist, hilft es alte mechanische Kameras für eine kurze Zeit durchzuwärmen. Das macht den mechanischen Verschluss wieder geschmeidig. Damit meine ich nicht die Kamera im Backofen zu braten. Es geht um Temperaturen um die 30 °C und darum, dass die Kamera ansonsten bei Wohlfühltemperaturen um die 20 bis 25 °C ordentlich läuft.

Ich schieße eine zweite Exa 500 ohne Objektiv, diesmal bei einem Händler, für 15 Euro. Alles soll laufen (ha, ha … ich sage nur Hemmwerk) und nur der äußere Zustand trägt zum niedrigen Preis bei. Auf das Spiel lasse ich mich ein, mache im Fall der Fälle aus zwei Schnapperkameras eine für mich brauchbare Exa 500.

Autor: Lichtbildprophet

Lichtbildprophet ist ein fotografisches Projekt rund um die experimentelle Fotografie und Dunkelkammer. Initiator der Ein-Mann-Show ist Ronald Puhle aus Berlin. Er hat zwei Jahrzehnte als Freier Autor Fachartikel und Bücher über die Fotografie und digitale Bildbearbeitung verfasst und führt heute seine kreative Arbeit im Offenen Atelier Berlin-Marzahn fort.