Grünes Berlin*

* geschrieben um 2011

In ein paar Wochen wählt Berlin einen neuen Landesfürsten nebst regierender Partei. Oder es wird eine Landesfürstin und mehrere Parteien. Was amtlich ist, es gibt Wahlen und sie werden ein Ergebnis hervorbringen. Bis dahin darf spekuliert werden.

Fukushima!

Unsere Kanzlerin hat Atomkraftwerke nicht mehr so lieb wie am Anfang ihrer Regierungszeit. Die Grünen, eng verwurzelt mit der Anti-Atomkraft-Bewegung, hatten in Sachen kontrollierter Atomspaltung schon immer Recht und verzeichnen den entsprechenden Aufwind. Der erste grüne Ministerpräsident führt eine grün-rote Landesregierung. Es gab da zwar noch Stuttgart 21, den Protzbau der Deutschen Bahn, aber die Katastrophe von Fukushima hat dem Wähler deutlich mehr Angst gemacht.

In Berlin tritt neben unserem Klaus W. die grüne Renate Künast um den Platz auf dem Landesthron an. Soweit so gut. Es gibt noch eine Reihe anderer Partei, sozial, links, rechts, goldene Mitte oder kapernd. Die wohl aussichtsreichenden Chancen haben aber Klaus und Renate.

Fernsehauftritt. Renate erklärt Klaus zu einem charmanten Mann, während man bei ihr zweimal hinschauen muss, um diesen Charme zu erkennen. Ich zolle ihr Respekt und kann mir ein breites Grinsen nicht verkneifen. Gegen eine weibliche Landeschefin habe ich nichts einzuwenden, sei sie grün, rot oder rosa. Ab der Stelle muss ich mir einen Knoten in meine Tipp-Finger machen.

Absatz!

Parteien sind mir relativ egal. Auf ihre Aussagen kommt es mir an UND dass ihre Aussagen nach der Wahl nicht in Vergessenheit geraten. Ich stehe vor einem Plakat, einem grünen Plakat. Thema: Schulbildung.

Bildung allgemein ist ein schwieriges Thema. Sie kostet Geld, das bekanntlich auch nicht in Berlin vom Himmel fällt. Würde jeder in die Bildung gesteckte Euro bereits morgen Gewinn abwerfen, sähe die Situation anders aus. Bei einer Amortisationszeit von mindestens zehn bis fünfzehn Jahren ist es etwas schwieriger. Welcher Politiker kann die Früchte seiner bildungspolitischen Saat ernten, wenn der ABC-Schütze von heute erst nach einer Dekade Steuern als Arbeitnehmer oder Selbstständiger einspielt.

Sind die Grünen wirklich bereit, freie Lehrerstellen neu zu besetzen? Oder kommt es zu den üblichen Verschiebungen, erhoffte Synergieeffekte bei gleichzeitiger Kostenreduktion? Wie wäre es mit Bildung entschleunigen? Uns stehen komplexe Hilfsmittel zur Bewältigung des Alltags bereit und wir wissen nicht mehr, wie es auch ohne geht. Stattdessen akzeptieren wir das Ergebnis ohne darüber nachzudenken, ob es an dem überhaupt so sein kann. Es fehlt einfach die Zeit dazu.

Wenn heute Wahl wäre, dann würde ich … keine Ahnung, wo ich mein Kreuz mache, wenn überhaupt. Berlin zu einer einzigen Tempo 30-Zone zu machen finde ich genauso doof wie jeden Tag in der Tram sitzend ansehen zu müssen, dass jedes Auto nur seinen Fahrer befördert. Individuell, bequem und unabhängig von den Taktzeiten der Öffentlichen.

“Wozu zahle ich meine KfZ-Steuer? Stau, schlechte Straßen und dann die hohen Benzinpreise!”

Es fehlt in der Auflistung noch die Abzocke der Polizei durch Radarkontrollen und das Parkplätze chronische Mangelware sind. Der mobile Wutbürger ist eben immer der draufzahlende Dumme! Ein Grund auf ein grünes Berlin zu verzichten?! Ich liebe an Berlin die Kombination aus Grün und Großstadt. Irgendwo taucht im Häuser-Dschungel ein Fleck Wiese mit Bäumen und etwas Wasser mittendrin auf. Alltag und Hektik auf der einen Straßenseite, während ich gegenüber für fünf Minuten durchatmen kann. Ist der Puls wieder stabilisiert, genügt ein Schritt, um in der Anonymität Berlins wieder abzutauchen.

Renate oder Klaus? Ein miteinander scheint es wohl nicht zugeben. Entweder oder, kein vielleicht. Schade eigentlich, müssen Politiker doch nur zum Wohle des Volkes zusammenarbeiten und nicht miteinander leben. Jedenfalls hat Renate durchblicken lassen, dass sie nicht mit unserem Klaus will. Keine Landesfürstin von Berlin, dann wieder Bundestag in Berlin.

Autor: Lichtbildprophet

Er ist kein Fotograf und doch malt er seine Bilder mit Licht, bringt sie in seiner Dunkelkammer eigenhändig zu Papier. Er ist kein Maler und doch zeichnet er seine Bilder mit Farben auf alles, was seine Imagination tragen kann.

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