Wenn ich über das Internet etwas Lobenswertes sagen müßte, dann wäre die reale als auch virtuelle Begegnung mit Marcel Magis eine der wenigen positiven Nutzererfahrungen. Wie es das Leben will, hat die Geschichte kein Happyend: Etwa anderthalb Jahre nach dem Ende meines Kampfes gegen den Krebs muss ich in einem Onlinebeitrag lesen, dass Marcel ein paar Monate vorher verstorben ist. In einem kleinen Beitrag nehme ich Abschied von einem für mich besonderen Menschen. Er war nicht laut, beinahe schüchtern und doch präsent.
„Mein Leben mit Mitsu“ ist kein spektakuläres Enthüllungsbuch heutiger Zeitrechnung mit viel Drama, Trauma und Rache aus gekränkter Eitelkeit. Marcel Magis hatte ein Gespür und wohl auch die Erfahrung für die feinen Details des Lebens: In Berlin saßen wir zusammen im Charlottchen, unweit des Atelier Flackerlight, und philosophierten im Koffeinrausch über das Leben, die Liebe, Enttäuschung, Wahrheit und Lüge. Ich erzählt ihm damals von meinem persönlichen Drama. Er hörte zu und meinte, nachdem ich mich final ausgeheult habe, dass die Liaison meiner Ex-Frau mit ihrem Lover schon länger als nur die eingeräumte kurze Zeit geht. Treffer versunken. Wie ich später erfuhr, hatte er Recht.
Diese Geschichte paßt so wunderbar in die jetzige Zeit: Wir haben das Gefühl für die kleinen, aber wichtigen Dinge eines realen Lebens verloren. Wie das Auge Saurons kreisen die Gedanken um große nebensächliche, nicht abänderbare Dinge. Das erzeugt Ängste, die durch ständig nachgelegte negative Schlagzeilen am Brennen gehalten werden. Konfrontiert mit den alltäglichen Belangen, ist der heutige Mensch hoffnungslos überfordert, aggressiv vorgespannt und neigt immer mehr zur Spontangewalt. Gern würde ich wissen, was Marcel als Techniknerd zu dieser Entwicklung zu sagen hätte. Vielleicht ist das Thema auch viel zu groß, für ein kleines, aber feines Buch.
Ich möchte meine sehr persönliche Rezension mit zwei Sätzen aus dem Buch „Mein Leben mit Mitsu“ abschließen, weil sie Marcels permanente Gemütslage bestens beschreiben: „Was ich an Hotels hasse, sind die Frühstücksbuffets. Sie fangen zu früh an und sind zu Ende, bevor man wach sein kann.“
Marcel Magis
Mein Leben mit Mitsu
Eine Geschichte von Liebe, Sehnsucht und Nudelsuppe
Farbige Illustrationen von Iris Luckhaus
124 Seiten
Brandneu
2005
3-938703-00-7