Ich bin gerne auf der Suche nach neuen Stimmen und neuer Musik. Wer mich kennt, der weiß, dass das Neue schon etwas Besonderes an sich haben muss. Das Besondere muß nicht die Unverkennbarkeit oder ein breites kreatives Spektrum sein. Die Einzigartigkeit kann für mich auch allein in der Ruhe einer Stimme und der Musik liegen. Kein Schreien, kein Gequietsche oder andere Geräusche, die meinen Tinnitus auf 180 bringen
Meine persönliche Entdeckung der Stille des Jahres ist Hania Rani, die ich über eine Ólafur Arnalds Playlist und dem Titel „Whispering House“ von Rani’s Album „Ghosts“ gefunden habe. Dieses Album „Ghosts“ hätte es eigentlich genauso verdient, hier im Überschwang von mir gelobt zu werden. Ich entscheide mich für „Nostalgia“, einem Live-Album der polnischen Künstlerin Hania Rani.
Wieso, weshalb und warum: Beim Hören der Doppel-LP schießt mir immer wieder Nils Frahm in den Kopf, ohne dass der Gedanke Rani’s exzellentes Spiel als ein Abklatsch Frahms degradiert. Rani ist im Vergleich zu Nils Frahm den Hauch sanfter und begleitet sich teilweise mir einer feinen Stimme, die ihre Musik zu einem besonderen Hörerlebnis macht. Selbst wenn ich Hania Rani das Kopieren Frahm’s Virtuosität unterstelle, so wäre es eine Kopie auf einem verdammt hohen Niveau. Ich mag solche kopierten Gedanken nicht, weshalb ich bei Hania Rani lieber von der Schwester im Geiste Nils Frahms reden möchte.
Wer ruhiger, unaufgeregter Musik in einem klassik-ähnlichen modernen Gewand zugetan ist, wer etwas mit den Namen Arnalds, Frahm und deren Musik anfangen kann, den enttäuscht Hania Rani nicht. Jedenfalls geht es mir so. Sie machte Musik, die der Zuhörer am besten ganz für sich allein hört. Mehr gibt es für mich nicht zu sagen.