Foma Retropan 320 soft und Rodinal

Während meiner unterbezahlten Autorenschaft unteranderem auch für die PhotoKLASSIK war ich in der glücklichen Lage, das eine oder andere Geheimwässerchen für die optimale Negativentwicklung ausprobieren zu dürfen. Wenn ich ehrlich bin: Nach dem Test und Artikel standen die teuren Suppen im Chemie-Kühlschrank herum und oxidierten vor sich hin. Ist etwas an normalen Filmnegativen zu entwicklen, dann greife ich zum Altmeister Rodinal oder eines seiner Derivate. Um meiner Unverfrorenheit noch die Kirsche als Krone aufzusetzen, bevorzuge ich den kornförderlichen 1 + 25-Ansatz der Arbeitslösung.

Irgendwann fiel mir der Foma Retropan 320 soft auf, wobei ich den Hinweis auf den Negativentwickler Retro Special gerne überlesen habe. Ich erinnere mich an Rollei’s RPX-Filme und den speziellen Spezialentwickler RPX-D. Auf so etwas bin ich zweimal hereingefallen: Einmal und nie wieder. In 99% aller Anwendungsfälle halte ich das Spezialzeugs für nicht notwendig. Für das letzte 1% gibt es Caffenol mit einem kleinen Spritzer echten Negativentwickler. So ein superspezial abgestimmter Negativentwickler, das allerfeinstes Korn und die allerallerfeinsten Grauwerte abliefern soll, geht auch unanständig ins liebe Geld.

Schaue ich mir den Lomography-Review zum Foma Retropan 320 soft an, dann weiss ich, wo ich mit meinen Abzügen nicht hin möchte. Besser gutschlechte Bildbeispiele als in diesem Onlineartikel kann man nicht wählen. Gratulation. Ich bin ein großer Fan von Foma-Filmen. Sie liefern mir das, was analoge Fotografie ausmacht: Korn. Der Film darf ruhig und soll seine Zicken haben, schöne Grüße an den Kodak Tri-X. Mir fällt da auch sofort der Spur SLD ein. Meine ersten Gehversuche habe ich mit ihm gemacht und nur das zügellose Pushen des Ilford HP5 hat mich vom SLD zum Klassiker Rodinal gebracht. Seitdem arbeite ich nur noch mit dem Letztgenannten.

Es wird vor der Kombination Foma Retropan 320 soft und Rodinal gewarnt! Im Internet versteht sich. Wer auf weichgespültes Allerlei in Grau steht und das Zonensystem Ansel Adams anbetet, der kriegt beim Korn des Foma Retropan 320 soft nach einem Rodinalbad im 1 + 25 Ansatz eine Sinnkrise. Foma selbst redet in der Produktbeschreibung vom Retro-Style und was ist absolut Retro, wenn nicht das gute alte Analogkorn! Allmählich stinkt es mir, wenn Technik- und Technologiefetischisten ihre Feinstkornfantasien zur Norm der Nische Filmfotografie machen. Sollen die Nerds digital knipsen, dort kennt man Korn nicht.

Die Massive Dev Chart-App gibt eine Entwicklungszeit von 20 Minuten vor. Den Entwicklungsprozess habe ich etwas abgewandelt: In der ersten Minuten wird die Dose gekippt, 30 Sekunden gewartet und dann wieder 30 Sekunden gekippt. Dann wird nach jeder Minute die Dose ordentlich gekippt. Ordentlich bedeutet für mich: Dose auf den Kopf, warten bis das Blubbern im Inneren aufhört und die Dose wieder auf ihre Füsse zurückgestellt. Ab der 14. Minute bleibt die Dose zwei Minuten stehen und wird dann ordentlich gekippt. Durch das Verlängern der Standzeit arbeite ich etwas auf den Kanteneffekt hin und erhoffe mir so minimal mehr Schärfe auch in den Details.

Gefühlt ist die angegebene Entwicklungszeit von 20 Minuten etwas zu lang, was sich in scheinbar dichten Negativen zeigt. Trotzdem liefern die Negative im Lithprint einen beachtlichen Kontrast neben unanständig viel Korn ab. Wo ich bei anderen Negativen in ganzen Lichtwerten agieren muss, reicht beim Foma Retropan 320 soft eine Änderung in halben Lichtwerten.

Ich sollte noch erwähnen, dass ich den Foma Retropan 320 soft im Atelier, also Indoor, und mit Dauerlicht einsetze.

Autor: ronaldo capybara

Er ist kein Fotograf und doch malt er seine Bilder mit Licht, bringt sie in seiner Dunkelkammer eigenhändig zu Papier. Er ist kein Maler und doch zeichnet er seine Bilder mit Farben auf alles, was seine Imagination tragen kann.

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