Nachdem ich wieder mit dem Hören und Sammeln von Schallplatten begonnen habe, liegt mein Fokus auf zwei Dinge: Ich lege mir jetzt die AMIGA-Schallplatten zu, die ich in meiner Jugend bereits hatte oder die ich damals nicht käuflich erwerben konnte. Zum anderen liegt der Fokus meiner Sammlung auf Livemitschnitte. Wie es mit dem ‚Will‘ und ‚Wollte‘ so ist, sind die Ziele bei der Vielfalt an neuen und alten runden Tonträger schnell vergessen. So auch bei AC/DC und dem Album „Highway to Hell“: Ich lege es mir gleich doppelt, als Neupressung und in der AMIGA-Pressung zu. Jetzt, wo ich in wenigen Tagen in Phase III wechsle, andere sagen Rente dazu, ist die Sammlung auf über 1200 schwarze Scheiben angewachsen.
Nach meinem Empfinden und vor allem aus heutiger Sicht erklomm AC/DC mit „Highway to Hell“ ein neues musikalisches Level. Alles wirkt im Detail, als auch als Langspieler insgesamt, reifer und erwachsener. Für mich besonders bemerkenswert: Mit „Back in Black“ und neuem Sänger, nach dem Tod von Bon Scott, legt AC/DC ordentlich nach, ohne sich dabei zu wiederholen. Nehme ich alle weiteren AC/DC-Studioalben bis zum heutigen Tag, dauert es nach meiner Meinung bis „Power Up“, in dem dieselbe Energie und Spielfreude der Band zu spüren ist. Eine gewagte These von mir.
Zurück zu „Highway to Hell“. Die AMIGA-Pressung erschien 1981 und zu diesem Zeitpunkt war ich Lehrling. So hießen Auszubildende damals, ohne dass der Begriff abwertend gemeint war und ist. Zu dem Zeitpunkt wohnte ich bereits in Berlin-Pankow, weshalb der Kauf der Scheibe Vinyl in meinem Schallplattenladen des Vertrauens in der Klement Gottwald Allee (heute Berliner Allee) in Berlin-Weißensee auszuschließen ist. Irgendwann, der CD-Hype hat mich infiziert, stoße ich alle schwarzen Scheiben Ost- und Westmusik ab. Eine bescheuerte Entscheidung.
Wohl weil Angus Young mit Hörner bildhaft etwas schräg drauf ist, wird beim AMIGA-Cover auf die Abbildung der Band verzichtet. Dafür gibt es, AMIGA-typisch, ein paar Worte zur Band und ihrem bisherigen Schaffen. Diese Texte habe ich immer sehr gerne gelesen. Damals hieß das Internet noch Bibliothek und war eine Art Geschäft für Lau, in dem man Bücher kostenlos ausleihen konnte. Meine Verehrung für AC/DC geht soweit, dass von Funko einige AC/DC Gimmicks den Betonpalast bevölkern.
Vielleicht bin ich zu sehr vorgepolt, doch wenn es in Sachen Musik um Hardrock geht, ist das Lied „Highway to Hell“ zu einem musikalisch geflügelten Wort geworden. Zurecht, wie ich finde.