Live ’69 & ’73 – Led Zeppelin

Was ist das? Glaubt derjenige, der diese Pressung nebst Zugaben initiiert und zu verantworten hat, aus Scheiße Gold machen zu können, nur weil er vier Scheiben Vinyl in gemischt blau-weißen Kunststoff presst und Led Zeppelin drauf schreibt? Ich liebe Live-Mitschnitte, doch „Live ’69 & ’73“ lässt nichts unversucht, dass diese Liebe schockwelkt und für immer selbstzerstört. Ich soll vor der schallenden Ohrfeige meiner Kritik erst loben? Was denn bitte? Ich versuche es: Ein Viertel der Box ist vom Klangbild erträglich (positiv), der Rest ist reine Materialverschwendung (negativ).

Mein Kaufargument war der Titel „Babe I’m gonna leave you“, der aus Gründen viel zu selten zu hören ist und, nach meinem Dafürhalten, zu den besten Liedern Led Zeppelins gehört. Diese Freude wird mit der zweiten Scheibe der 4 LP-Box auf niederträchtige Weise erdrosselt. Die Tonqualität erinnert mich an Selbstversuche, mit Hilfe eines Mikrofons vor dem Lautsprecher des Schwarzweißfernsehers Musiksendungen aus dem Westen auf Kassette aufzuzeichnen. Was war das für ein Fiasko. Was ist „Live ’69 & ’73“ bloß für eine apokalyptische Katastrophe.

Was fällt den Musikschändern noch ein, um die schnelle Mark zu machen? Ich dachte, die einzelnen Titel eines Livemitschnittes ein- und auszublenden ist die höchste Strafe, die dem Käufer dieses Live-Genre widerfahren kann. Es geht noch mehr: Der Klang, als spiele Led Zeppelin im Mikroformat in einem 10 Liter verzinktem Blecheimer. Damit nicht genug: Scheibe drei macht dort weiter, wo Scheibe zwei geendet hat. Das Abspielen der Scheibe 4 breche ich ab. Mein Hörvermögen ist noch nicht so schlecht, dass ich der Formhalber den Inhalt der Box vollständig und ohne Trauma abspielen kann.

„Live ’69 & ’73“ ist dem Beweis nicht schuldig geblieben, dass der Sound aus der Konserve auch so und viel schlimmer klingen kann. Dabei handelt es sich um „legendäre und restaurierte Radio-Live-Mitschnitte“. Es fehlt dem Blendwerk nur noch der Verweis auf „ikonisch“, „großartig“ und „Schrott“. Mag sein, dass die Konzerte legendär waren, der Sound ist unterirdisch und perfekt gelungener Schrott für unanständig viel Geld. Setzen, sechs!

Autor: Der Herr Makkerrony

Der "Herr Makkerrony", das ist Ronald Puhle aus Berlin und der Macher des weltbekannten und einzigartigen Magazins "Der Lichtbildprophet". Heute führt der ehemalige Laboringenieur das hektische Leben eines Rentners, das er persönlich sein "Phase3" nennt. Seit einem Vierteljahrhundert praktiziert der Herr Makkerrony die Fotografie und war ca. 15 Jahre als freier Autor für verschiedene Fotofachzeitschriften (z.B. fotoMagazin, Dipitalphoto, FotoPraxis und PhotoKlassik) tätig. Seine Arbeiten bestechen durch die bodenständige Aufnahmetechnik (LoFi - Fotografie), den kreativen Einsatz überlagerter Fotomaterialien, insbesondere ORWO-Fotopapiere und ORWO-Dokumentenpapiere und der Anwendung des Lith Print-Verfahren. Nebenbei lenkt sich Makkerrony mit freier, abstrakter Malerei ab, liest gerne und ist ein begeisterter Hörer analoger Musik von der Schallplatte. In seinem Atelier Flackerlight ist jedes Modell willkommen, das sich von ihm auf besondere Weise fotografieren lassen möchte.

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