Moersch Tanol für’s Papierbild

Ich habe bereits über Pyrogallol, dem Ex-Liebling der Fotografen und Dunkelkammerakrobaten, philosophiert und mir als ‚Ersatz‘ ein paar kleine Fläschchen Moersch Tanol zugelegt. Dieser Negativentwickler basiert auf Brenzkatechin, was die potentielle Gesundheitsgefährdung des krebsgeprüften Lichtbildpoet’s nicht wirklich verringert. Aber – vorerst – egal.

Erste Proben mit einigen Fundstücken verliefen in meinen Augen suboptimal. Also verordne ich mir ein paar Wochen Tanol-Ruhe und grüble in mir nach. Während der Zeit bearbeite ich überlagerte Glasplatten-Negative und komme das erste Mal mit der fotografischen Dickschichttechnik in Berührung. In dem Moment macht es KLICK im Kopf: Ich muss Tanol für meine Abzüge kräftiger ansetzen:

Teil A und B je 6 ml sowie 250 ml Wasser.

Für diesen Ansatz bei der Belichtung mit dem DIY Darkroom-Enlarger ermittle ich eine optimale Belichtungszeit. Für alles Weitere habe ich – für mich und mein Gusto – zwei Strategien entwickelt:

Variante 1
Ich möchte Schwarz in den Tiefen und die Farbigkeit spielt eine sekundäre Rolle: Ich belichte mit optimaler Zeit und entwickle etwa 5 bis 10 Minuten im oben beschriebenen Tanolansatz. Je länger ich den Abzug im Bad lasse, umso mehr tritt die Färbung im Weiß des Fomatone-Papiers auf.

Nr. 1573 – Variante 1 (Belichtung und Entwicklung auf maximales Schwarz)

Variante 2
Ich möchte mehr Farbigkeit in den Graustufen und kann auf Tiefschwarz verzichten: Dazu belichte ich ein bis maximal zwei Lichtwerte länger, lege das Blatt in die Arbeitslösung und bewege die Schale, bis sich erste Spuren zeigen. Jetzt warte ich, die Schale ruht, bis sich ein annehmbares Anthrazit entwickelt hat. Die Entwicklungsdauer beträgt ca. eine Minute.

Nr. 1574 – Variante 2 (Belichtung und Entwicklung auf hohe Farbigkeit ausgelegt)

Mein Favorit ist – wie könnte es anders sein – der Abzug Variante 2. Schließlich bin ich – bekanntermaßen – der Farbige unter den Schwarzweißen. 😉

Nachtrag
Einen Negativentwickler als Papierentwickler? Mir fallen jetzt eine Reihe von Forenbeiträgen ein, in denen das Thema von Wissenden hinreichend zerredet wird. In meinem Handeln geht es um die ‚Beize‘, den Stain von Pyrogallol respektive Brencatechin. Folglich wähle ich den Entwickler nach seinen Inhaltsstoffen aus. Auf dem Weg zu diesem visuellen Bildeindruck spielt für mich der Preis oder ein geglaubter Vorteil absolut keine Rolle. Des Weiteren: Der Kluge liest einfach bei Leuten wie Wunderlich, beispielhaft erwähnt sei ‚Finessen im Fotolabor‘, nach und lege das Negativ/Positiv-Denken als kontraproduktiv ab.

Autor: Lichtbildprophet

Lichtbildprophet ist ein fotografisches Projekt rund um die experimentelle Fotografie und Dunkelkammer. Initiator der Ein-Mann-Show ist Ronald Puhle aus Berlin. Er hat zwei Jahrzehnte als Freier Autor Fachartikel und Bücher über die Fotografie und digitale Bildbearbeitung verfasst und führt heute seine Arbeit im Offenen Atelier Berlin-Marzahn fort.