PosaNeg und NegaPos

Es ist dieser Gedanke an eine Buchrezension, der mich wieder und wieder verfolgt.

Ich weiß nicht, um welches Buch es sich handelte. Mag sein, dass es sich um ein Schriftwerk von Thomas Maschke handelt. Der Kritiker bemängelte auf Amazon in Worten, dass der Autor sehr umfänglich auf den Negativprozess eingeht, wenig Ausführungen zum Positivprozess macht. Seine ‚Enttäuschung‘ zementierte er im Sterne-Abzug. Für mich ruft diese ‚Kritik‘ einschließlich den gestohlenen Sternen nur Kopfschütteln hervor. Denn der, der fehlendes Wissen bemängelt ist selbst ohne Wissen. Das Gute an dem Positiv-Negativ-Verfahren in Anlehnung an Talbot ist doch, dass ein und derselbe Prozess zweimal angewandt wird. Weiß ich wie der Negativprozess läuft, habe ich automatisch den Positivprozess. Ich muss mich als Autor und dem Standardvorgehen verpflichtet gar nicht über das Positiv auslassen.

In der Tat findet man in der Fachliteratur (ich meine Schriftwerke bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts) kaum bis keine Ausführungen zum Positivprozess. Zum einen bediente man sich anfänglich für Abzüge der ‚Edeldruckverfahren‘, zum anderen gab es keine besonderen Positiventwickler. Vielmehr ist zu lesen, dass man mit dem guten alten Rodinal auch Papierabzüge machen kann. Sag das mal heute in einer der Trutzburgen analoger Fotografie. Das Teeren, Federn und Vierteilen wäre eine milde Strafe für dich, du kleiner Rebell. Zumindest für den Westteil Deutschland. Wer sein Wissen aus alter ORWO-Literatur angehäuft hat, dem sollte diese effiziente Arbeitsweise nicht ganz unbekannt sein. Und sie hat nichts mit Materialmangel oder fehlendem Know how zu tun.

Durch meine Autorentätigkeit bin ich viel mit den Zauberwässerchen des ‚modernen Fotografen‘ in Kontakt gekommen. Sicherlich deckte die eine oder andere Brühe einen speziellen Anwendungsfall ab. In Summe ist vieles an dem Superzeugs nicht notwendig. Es genügt ein flexibler Filmentwickler und beim Papier darf und muss experimentiert werden. Schließlich bringt der Positivprozess den Bildausdruck. Wichtig ist und bleibt: Belichtung und Entwicklerlösung müssen passen.

Ich habe mich bereits über NegaPos in Wort und Bild ausgelassen. Ein Negativprozess (Neg) macht ein Bild auf (a) dem Positivträger (Pos). Warum also nicht einen Positivprozess (Pos) auf (a) einem Negativträger (Neg). Was nach philosophischem Dünnpfiff klingt, ist für echte Fotografen die Basis sozial-medial auszuflippen und einen eigenen Stil zu kreieren. Auch wenn ich nur mit dem Licht male, greife ich das Influencer-Unwesen auf und postuliere die Wortschöpfung, damit Google für die Kunst der Lichtmalerei etwas Gutes tun kann.

PosaNeg!

Auf dem Weg dahin habe ich das Nichts eingefangen. Das Negativ zeigte eine junge Frau, mit einem schönen kleinen straffen Busen. Doch der gute alte Perulith-Film wollte das schöne Motiv nicht hergeben. Es ist wie mit dem Kommentar zur Buchkritik der zeigt, wer da keine Ahnung hat. Man kann nicht alles wissen, nur sollte man seine Unwissenheit nicht so zur Schau tragen. Einfach vorher überlegen, warum dies so ist. Warum ist es in fast allen Grundlagenbüchern der Fotografie so und warum driften Werke zur Positivtechnik ins Kreative ab? Es ergibt einen Sinn, löst sich der Wissensuchende vom Denkschema des ausgelatschten Standardweges. Man muss das Umdenken nur zu lassen.

Autor: Lichtbildprophet

Lichtbildprophet ist ein fotografisches Projekt rund um die experimentelle Fotografie und Dunkelkammer. Initiator der Ein-Mann-Show ist Ronald Puhle aus Berlin. Er hat zwei Jahrzehnte als Freier Autor Fachartikel und Bücher über die Fotografie und digitale Bildbearbeitung verfasst und führt heute seine kreative Arbeit im Offenen Atelier Berlin-Marzahn fort.