PosaNeg und NegaPos

Es ist dieser Gedanke an eine Buchrezension, der mich wieder und wieder verfolgt.

Ich weiß nicht, um welches Buch es sich handelte. Mag sein, dass es sich um ein Schriftwerk von Thomas Maschke handelt. Der Kritiker bemängelte auf Amazon in Worten, dass der Autor sehr umfänglich auf den Negativprozess eingeht, wenig Ausführungen zum Positivprozess macht. Seine ‚Enttäuschung‘ zementierte er im Sterne-Abzug. Für mich ruft diese ‚Kritik‘ einschließlich den gestohlenen Sternen nur Kopfschütteln hervor. Denn der, der fehlendes Wissen bemängelt ist selbst ohne Wissen. Das Gute an dem Positiv-Negativ-Verfahren in Anlehnung an Talbot ist doch, dass ein und derselbe Prozess zweimal angewandt wird. Weiß ich wie der Negativprozess läuft, habe ich automatisch den Positivprozess. Ich muss mich als Autor und dem Standardvorgehen verpflichtet gar nicht über das Positiv auslassen.

In der Tat findet man in der Fachliteratur (ich meine Schriftwerke bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts) kaum bis keine Ausführungen zum Positivprozess. Zum einen bediente man sich anfänglich für Abzüge der ‚Edeldruckverfahren‘, zum anderen gab es keine besonderen Positiventwickler. Vielmehr ist zu lesen, dass man mit dem guten alten Rodinal auch Papierabzüge machen kann. Sag das mal heute in einer der Trutzburgen analoger Fotografie. Das Teeren, Federn und Vierteilen wäre eine milde Strafe für dich, du kleiner Rebell. Zumindest für den Westteil Deutschland. Wer sein Wissen aus alter ORWO-Literatur angehäuft hat, dem sollte diese effiziente Arbeitsweise nicht ganz unbekannt sein. Und sie hat nichts mit Materialmangel oder fehlendem Know how zu tun.

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Holzkamera 13 x 18 cm

Wie stellt sich mir die Situation dar: Heute zerreißen in der Bucht die Power-Händler sinnvolle Kamera-Sets, um möglichst viel Geld abzuschöpfen. In der Folge werden zum Beispiel Großformat-Kameras vom Objektiv befreit, notwendige Filmkassetten und Stative einzeln vertickt. Brächte eine solche Kombi als Sett vielleicht 600 Euro auf die Geldwaage, kann im Einzelkauf das Ganze an die 1000 Glocken bringen. Ich, der dumme Käufer, muss mir nur alles zusammensuchen und tätige vielleicht sogar einen Fehlkauf. Ohnehin finde ich die Preis für Kameras ab dem 9 x 12 cm-Format für unanständig hoch. Selbst die größten Klapperkisten, mistig und rostig vom Staub der Jahrzehnte, sollen gar defekt dem Händler 100 Euro und mehr bringen. In Auktionen braucht man sich bei den Professionellen nicht zu versuchen: Scheingebote treiben die Kaufsumme künstlich in die Regionen der heutigen Fabelpreise.

Erschwerend hinzu kommt, dass das Filmmaterial größer dem Rollfilm immer dünner und unanständig teuer wird. Positivpapier? Was hier preislich abgeht spottet jeder Beschreibung. Platten selber machen? Eine Idee, die finde ich aber nicht so toll. Da kommt die Bequemlichkeit und der Semiperfektionist in mir durch: Die Aufzeichnung der Bilder soll – mal abgesehen von der Kameracharakteristik – gut sein. Die Imperfektion bringt das Material, das Ausbelichten darauf und/oder die Spielereien beim Entwickeln.

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NegaPos

Auf meiner ToDo-Liste steht schon seit einiger Zeit:

Mit der Linhof auf ORWO 9×12 Fotopapier fotografieren

Das ist keine überragende Idee. Vor dem Glas und Zelluloid war lichtempfindliches Papier das Negativmedium. Nur habe ich noch einiges an 9 x 12 cm ORWO Fotopapier herumliegen, das ja irgendwie und irgendwann verbraucht werden will. Am Lichtbildpoet-Projekt arbeite ich derzeit nicht und es ist auch nicht abzusehen, ob ich mich dafür noch einmal begeistern kann. Außerdem: Gegenüber neuem Fotopapier ist das uralte ORWO Fotopapier wunderbar langsam. Da bin ich bei Bewegungsunschärfe angekommen, lege ich den fotografischen Fokus auf das Menschenbildnis.

Der erste Versuch eines Selbstbildnis scheitert. Das Licht und die Belichtungszeit sind deutlich zu gering. Während ich versuche die Kassette nachzuladen, klingt das Modell. Ich verzichte darauf mich für den nächsten Versuch wieder zu drapieren. Das darf jetzt jemand tun, der viel besser als ich aussieht. Mehr Licht, mehr Belichtungszeit und etwas Bewegung. Im Lith-Entwickler und nach ein paar bangen Minuten Wartezeit entsteht mein ‚NegaPos‚. Es bedarf einiger invertierender Blicke um zu erkennen, dass da ein barfüßig weiblich Mensch steht. Das Ergebnis sieht nicht wie ein ’normales‘ Negativ aus. Die Art und Weise der knappen Negativbelichtung, kombiniert mit dem harten Lith print, ist in meinen fotodepressionistischen Augen ein verfolgenswertes Stilmittel. Nur ärgert mich das Querformat als Vorzugsorientierung der Linhof Kardan Color 9×12.

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