Tangerine Dream – Tangerine Dream (AMIGA)

Ganz AMIGA-like kommt diese schwarze Scheibe ohne einen Albumtitel daher. Im weltweite Datennetz wird es heute, entsprechend der Titel auf der A- und B-Seite, als „Quichotte“ bezeichnet. Es handelt sich hier um einen Konzertmitschnitt, aufgenommen Anfang 1980 im ‚Palast der Republik‘ in Ost-Berlin (DDR), der später in dem Rest der Erde unter dem Titel „Pergamon, Live at the ‚Palast der Republik‘ GDR“ veröffentlicht wird.

Wie ich zu Tangerine Dream kam und damit zu der AMIGA-Pressung des Konzerts, daran kann ich mich heute nicht mehr erinnern. Sicherlich war es die elektronisch erzeugte Musik, die mich damals fasziniert hat. Ich denke da insbesondere an Tubeway Army und „Are ‚Friends‘ electric“ aus dem Jahr 1979. Dann ist da auch noch das Cover des Albums, was aus dem Allerlei der sonst üblichen AMIGA-Alben hervorsticht. Da Tangerine Dream weder im Ost- noch im West-Fernsehen beziehungsweise Radio gespielt wurden, war es ein Kauf im blinden Vertrauen auf gute Musik aus dem Westen. Meine Investitionssumme: 16,10 Mark der DDR.

Ich wurde und werde auch heute nicht von diesem Album enttäuscht. Allein der vom Klavier getragene Einstieg in das Werk ist für mich unübertroffen. Es folgt die B-Seite, die ebenso Kultstatus für mich hat. Auch hier finde ich bei den vielen späteren Konzertmitschnitten auf Vinyl und digital nichts, was für mich ansatzweise vergleichbar ist, ausgenommen vielleicht das Zeitgeist Concert – Live at the Royal Albert Hall – London 2010. Trotz des positiven Eindrucks und meiner nahezu Vergötterung des Quichotte-Albums, gehen Tangerine Dream und ich viele Jahre getrennte Wege. Erst durch Apple Music finde ich wieder Gefallen an den älteren und neueren Arbeiten von Tangerine Dream.

In den letzten Jahren war ich dreimal zu Konzerten der Band im Berliner Admiralspalast. Ich bin überrascht, wie richtige Hard Core-Fans zur heutigen Musik Musik von Tangerine Dream abgehen können. Selbst head banging ist im Rausch der Klänge möglich. Man bedenke, dass gefühlt die dritte Generation nach Edgar Froese die Keyboards nebst Geige übernommen hat. Ich kann mit den auf Vinyl veröffentlichten „Sessions“ mit Ulrich Schnauss, „Raum“, „Quantum Gate“, aber auch mit „Tangram“, „Phaedra“ und „Stratosfear“ mittlerweile sehr gut musikalisch leben. Und so wächst in der Plattenstube weiter der Anteil gebrauchter und neuer Scheiben einer ganz besonderen Band der elektronischen Musik.

Autor: makkerrony

Makkerrony ist ein begnadeter Photoalchemist aus Berlin und der Macher des Magazins "Der Lichtbildprophet", dem weltbekannten und einzigartigen Blog für experimentelle Lichtbildkunst (auch Fotografie genannt). Er gilt als der Begründer des Fotografischen Depressionismus und Erfinder der Lichtbildschreibmaschine. Seine Werke bestechen durch die bodenständige Aufnahmetechnik (LoFi - Fotografie), den kreativen Einsatz überlagerter Fotomaterialien, insbesondere ORWO-Fotopapiere und ORWO-Dokumentenpapiere und der Anwendung des Lith Print-Verfahren. Unter echten Kennern der Szene gilt Makkerrony deshalb als der Farbige unter den Schwarzweißen.

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