Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich mir dieses Pink Floyd-Album auf Vinyl zugelegt habe. Vorab habe ich es mir per Streaming bei Apple Music reingezogen, meine Begeisterung hielt sich dabei in Grenzen. Das liegt nicht daran, dass ich ein Roger Waters-Fan bin und ich mit dem, was der verbliebene Rest Pink Floyd’s veröffentlicht hat, nichts anfangen kann. Das Gegenteil ist der Fall: Roger Waters bei Pink Floyd: Ja; Roger Waters solo: Nein danke. Ich weiß, dass das Album nach dem Tod von Richard Wright und zu dessen Ehren herausgebracht wurde. Vielleicht war es die falsche Stimmung, die anfänglich einen musikalischen Keil zwischen „The Endless River“ und mir treibt.
Kopfmäßig war ich nicht bereit, in meinen Gedanken den Schritt zu gehen, dass es ein typisches Album von Pink Floyd im alten Stil nie mehr geben wird. Dazu hat Roger Waters zu sehr sein übergroßes Ego gepflegt und seine Vergangenheitsbewältigung andere Bandmitglieder spüren lassen. Wohl wichtiger ist: Wenn letztendlich mit altem aussortiertem Material gearbeitet wird, muss sich das Ergebnis wie eine Zeitreise durch die Bandgeschichte Pink Floyds anhören. Und das tut es auch.
Angesichts gelegentlicher Kurzzeit-Wiedervereinigungen von Rest-Pink Floyd einschließlich Roger Waters, hätte sich Letztgenannter keinen Zacken aus der Krone gebrochen, für einen verstorbenen Bandkollegen genauso einen Beitrag zu „The Endless River“ zu liefern. Eine vertane Chance und so bleibt Waters für mich ein merkwürdiger Kautz, der gerne mal aneckt und sein Handeln unter dem Deckmantel der Kunst stellt. So sind Künstler eben halt.
„The Endless River“ ist zum Großteil ein Instrumentalalbum und es gab vorab die Überlegung der Band, aus dem übrig gebliebenen Material der letzten beiden Alben ein Ambient-Album zu machen. Lediglich der Titel „Louder then Words“ am Ende des Albums ist ein Gesangsstück. „The Endless River“ ist kein normales Pink Floyd-Album, es kann kein normales Pinkt Floyd-Album sein. Es ist ein gruppeninterner Rückblick auf ein gewaltiges Stück Musikgeschichte und auf ein Stück Bandgeschichte, die dem ehemaligen Keyboarder der Band gewidmet ist. Mit Ruhe musikalisch genossen und völlig offen, was das Duo Gilmour und Mason nebst Unterstützer zusammengetragen hat, bekenne ich mich schuldig, diese Leistung nicht früher gebührend gewürdigt zu haben.