The White Room – The KLF

Willkommen zum ersten Beitrag in der Plattenstube, der neuen Rubrik im Magazin ‚Der Lichtbildprophet‘. Musik hören ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Ich, Makkerrony, Chefredakteur und Empfangsdame des Magazins ‚Der Lichtbildprophet‘ höre viel Musik, für mich allein in meiner Blase. Gelegentlich gehe ich mit meiner Perle in Konzerte. Neben ein paar Hundert CD’s gehören auch über 1111 Scheiben schwarzes Gold zum Inventar des Betonpalastes. Ihm, dem Vinyl oder altdeutsch auch Schallplatte genannt, ist diese Rubrik gewidmet. Ähnlich der Leseecke und besonderen Fotografie-Bildbänden, werden in der Plattenstube in unregelmäßigen Abständen für mich besondere Schallplatten vorgestellt.

Es bedarf keiner langen Überlegung, welches Album aktuell die Top 1 in der Plattenstube ist. Für dieses Album bin ich vom Grundsatz abgewichen, keine Unsummen für ein gebrauchtes Album zu zahlen. Aber ‚The White Room‘ aus dem Jahre 1991 musste ich unbedingt auf Vinyl haben. Da ‚The KLF‘ auf künstliche Verknappung und jede Menge Bohei gemacht hat, muß der musikliebende Endverbraucher für Musikträger wie die Schallplatte an windige Geschäftemacher Fabelsummen zahlen. So funktioniert der doofe Kapitalismus. Es gibt nur eine andere schwarze gebrauchte Scheibe, für die ich auch mehr Geld als notwendig ausgegeben habe: Die AMIGA-Pressung der ‚Greatest Hits‘ von ‚Depeche Mode‘ aus dem Jahre 1987.

Was macht gute Musik für mich aus? Dies zu erklären, fange ich mal anders an: Ich höre gerne Live-Mitschnitte und habe die Erfahrung machen dürfen, dass eine gute Chartplatzierung nicht unbedingt gute Musik bedeuten muss. Es mag für ein einzelnes Lied gelten, bei einem Album braucht es bei der Titelauswahl einen Roten Faden. Bei Live-Darbietungen sieht es für mich genauso aus und viele Künstler halten sich daran. Das macht Livemusik für mich so interessant, denn hier trennt sich oft die musikalische Spreu vom Weizen. Lieder lieblos runter dudeln und sich zwischendrin als Held feiern lassen, das ist langweilig wie ein Schiller-Konzert. ‚The White Room‘ ist kein liebloses Abspielen von elektronischer Bewegungsmusik. Es geht mal schnell, mal langsam und ohne den offensichtlichen Versuch, mir einen Erfolgstitel im Zwillingsoutfit unterzujubeln. Selbst nach fast einem Vierteljahrhundert freue ich mich, mir wieder das Album ‚The White Room‘ anzuhören.

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende: 2021 melden sich ‚The KLF‘ zumindest digital zurück und bringen ‚Solid State Logik 1‘, ‚Solid State Logik 2‘ und ‚The White Room (Directors Cut)‘ auf Streaming-Plattformen heraus. Ich schwanke und weiß nicht, was ich davon halten soll. Remixe oder wie auch immer man es nennen mag, sind groß in Mode, gerade wenn es heißt, zusätzliche Scheiben Vinyl zu füllen und dem Käufer etwas mehr als notwendig Geld aus den Taschen zu ziehen.

Braucht das Album einen Directors Cut und was bringt das Kratzen an der Patina? Ich tue mich schwer, ‚The White Room‘ den Stempel der Zeitlosigkeit aufzudrücken. Das Album hat in die Zeit der politischen Umbrüche gepasst. Heute wäre das Erscheinen mit Maschinengewehren und Platzpatronen, Blutorgien und Tierkadaver selbst als deklarierte Kunst völlig undenkbar. Irgendwie schade, aber nur deshalb, weil die überempfindsame Weichspülerei der politischen Oberkorrektheit auch nur schwer zu ertragen ist.

Die digitale Erweiterung aus dem Jahre 2021 macht dennoch Sinn: Im Jahr des ersten Erscheinens gab es verschiedene Versionen der Songs, die auch in den Hitlisten erfolgreich waren und nicht auf dem Album zu finden sind. Hinzu kommt, dass Bill Drummond und Jimmy Cauty nicht nur an ‚The KLF‘ und „The White Room‘ gearbeitet haben. Dem Umstand werden rückwirkend betrachtet erst ‚Solid State Logik 1‘, ‚Solid State Logik 2‘ und ‚The White Room (Directors Cut)‘ gerecht.

Autor: makkerrony

Makkerrony ist ein begnadeter Photoalchemist aus Berlin und der Macher des Magazins "Der Lichtbildprophet", dem weltbekannten und einzigartigen Blog für experimentelle Lichtbildkunst (auch Fotografie genannt). Er gilt als der Begründer des Fotografischen Depressionismus und Erfinder der Lichtbildschreibmaschine. Seine Werke bestechen durch die bodenständige Aufnahmetechnik (LoFi - Fotografie), den kreativen Einsatz überlagerter Fotomaterialien, insbesondere ORWO-Fotopapiere und ORWO-Dokumentenpapiere und der Anwendung des Lith Print-Verfahren. Unter echten Kennern der Szene gilt Makkerrony deshalb als der Farbige unter den Schwarzweißen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert