Bei Anruf Kundenrückgewinnung – UPDATE

Ich halte eisern an meinem Ziel fest, mich zumindest in Sachen Telefonie von der Mobilfunkmobilität zu verabschieden. Wenn ich mein iPhone SE einmal im Monat nutze, dann ist es schon viel. Werde ich angerufen, auch circa einmal im Monat, dann geschieht es zur bestunmöglichsten Zeit. Ich führe nicht das hyperaktive Leben derer, die immer und überall erreichbar sein wollen. Für mich ist ‚Sprachgestützte digitale Mobilität‘ keine erstrebenswerte Lebensqualität. Es gibt nichts in meinem Leben, was sofort und gleich, egal ob Tag oder Nacht, geklärt werden muss. Das höchste Gefühl der elektronischen Kommunikation sind Messenger-Dienste oder die klassische E-Mail.

Um mich nicht als Ewiggestriger abgestempelt zu werden: Ich bestehe nicht auf Brief oder Postkarte, nutze Fax überhaupt nicht, Rauchzeichen aber auch nicht!

Folgerichtig ist mein Mobilfunkvertrag gekündigt. Begründung: Reine Geldvernichtung!

Das ruft den Riese Magenta auf den Plan. Da ich nicht zum ersten Mal den laufenden Vertrag gekündigt habe, weiß ich was auf mich zukommt: Ich bin ein Fall für die Kundenrückgewinnung-Abteilung.

Noch vor Greifen der Kündigung suchen sie Kontakt, machen mir ein ‚besonderes Angebot‘, weil ich als ‚langjähriger Kunde‘ gehalten werden soll. Zweimal habe ich mir vom Telekom-Sandmännchen des Rückgewinnungsteam Schlafsand in die Augen streuen lassen. Unter dem Strich bin ich als ‚langjähriger Kunde‘ und Wenignutzer genauso ein Kunde wie jeder andere Kunde auch. Die unterbreiteten Angeboten unterschieden sich nicht von dem, was man mit etwas Mühe im Online-Dschungel der Telekom-Webseite auch zusammensammeln kann. Der instinkthafte Mensch, das Beutetier, ist enttäuscht, entpuppt sich der Jagderfolg als Quasi-Vollniete.

Trotz meiner herausragenden Stellung in Sachen ‚Betreuter Lichtbildkunst‘ und Vertreter des Depressionismus bin ich noch immer Mensch und deshalb von der linken Trickserei etwas angefressen. Und das nach fast zwei Jahren, was trotz Chemo-Brain schon als nachtragend bezeichnet werden darf.

Vorsorglich habe ich im Online-Kundenzentrum die möglichen Kommunikationswege der Telekom zu mir beschnitten. Ich könnte auch sagen, die Option ist von mir schlichtweg deaktiviert worden. Für mich bedeutet diese Wahl, nichts von den Magentas zu hören oder zu lesen. Das spart Energie und es muss kein Baum für einen klassischen Brief sterben. Meine positive Grundeinstellung zur Mutter Erde hält die ‚08007246862‘ (Kundenrückgewinnung) nicht davon ab, mich trotzdem anzurufen. Besser gesagt, man hat versucht mich anzurufen. Der Anruf ging ins Leere, weil mein Apple-Mobilfunkteil in der ledernen Umhängetasche vergraben und fast lautlos gestellt ist. Meine ‚Mobilus Telefonitis‘-Verweigerungshaltung kennt keinen Schmerz.

Wer weiß, welch amouröse Abenteuer mir durch diese unzeitgemäße Abartigkeit durch die Lappen gegangen sind.

Egal: Los Magenta schert sich nicht um meinen Wunsch, nicht über Irgendetwas aus dem Hause Telekom informiert zu werden. Ich will mich nicht beschweren: Die Leute der Kundenrückgewinnung sind nett und freundlich. Ist ja auch klar, eine Kundenkündigung liegt im Raum. Wo andere Kundenabwehrabteilung versprechen, sich am nächsten Tag oder nächste Woche wieder zu melden (freundliche Grüße an den Automobilhersteller Renault) und es dann selbst Jahre später immer noch nicht getan haben, ruft der Kundenrückgewinner beinahe pünktlich wie versprochen zurück. Das klappt. Nur die Angebote sind unindividuell, unterstreichen nicht die Persönlichkeit und das Besondere des Kunden. Die ‚Überzeugungsangebote‘ sind von der Stange, absolute Massenware. Da möchte ich nicht mehr dran teilhaben, weil absolut überdimensioniert, Lebenszeit- und Geldverschwendung!

Um es kurz zu machen: Wozu kann ich Anrufer blockieren? Richtig, damit sie sich bemühen müssen, mich mit einer anderen Nummer anzurufen. Oder einen anderen Kommunikationsweg zu mir suchen. Besser wäre es meinen Wunsch nach Schweigen zu respektieren und den Vertrag einfach – wie von mir als stinknormaler Kunde gewünscht – auslaufen zu lassen.

Update 13. Juli 2018 – Freitag der Dreizehnte
Ein selten gehörtes Geräusch aus meiner Jäger-Wildleder-Umhängetasche. Eine Frankfurter Nummer. Da war vor Tagen schon ein ähnlicher Anruf, in Abwesenheit. Ich hatte gegoogelt und siehe da: Telekom Kundenrückgewinnung! Also gleich blockiert.

Der Magenta-Riese nicht dumm, schickt einen neuen Häscher mit einer neuen Frankfurter Nummer in die Spur. Der ist jetzt am Apparat. Kurzvorstellung und es geht gleich in die Vollen. Ich werde gefragt, ob Telekom zu teuer ist oder man etwas falsch gemacht hat. Ich erwähne den Preis und sage, dass das mir einfach zu viel ist. Meine philosophischen Bedenken zum Thema ‚Digitalisiert euch‘ lasse ich Außen vor. Damit wär der junge Mann hoffnungslos überfordert. Sein ’neues‘ Angebot klingt nicht schlecht, doch dann passiert ihm ein ‚taktischer Fehler‘: Er weiß weder, dass ich ein gekoppelten Datentarif habe, dieser auch gekündigt ist und der Überzeuger weiß in Sachen Datentarife nicht Bescheid. Das Gespräch ist damit beendet!

Autor: Lichtbildprophet

Lichtbildprophet ist ein fotografisches Projekt rund um die experimentelle Fotografie und Dunkelkammer. Initiator der Ein-Mann-Show ist Ronald Puhle aus Berlin. Er hat zwei Jahrzehnte als Freier Autor Fachartikel und Bücher über die Fotografie und digitale Bildbearbeitung verfasst und führt heute seine Arbeit im Offenen Atelier Berlin-Marzahn fort.