Der Tod ist ein Irrtum – Brigitte Maria Mayer und Heiner Müller

Das Internet ist eine unstrukturierte digitale Masse, das Sinnbild der virtuellen Entropie. Mir sagt der Name Heiner Müller etwas und ich wußte, dass er in seinen letzten Lebensjahren mit der Fotografin Brigitte Maria Mayer leiert war. Mehr Wissen ist nicht, womit ich prahlen kann. Bei meinem Streifzug im Chaos auf der Suche nach besonderen Angeboten, landen die Titel „perfect sister I“ (nummeriert und von Heiner Müller signiert) und „perfect sister II – Im Objektiv des Canova“ von Brigitte Maria Mayer in meinem Warenkorb.

Eine weitere Bestellung später: Eine mengenmäßig nicht beschreibare Emotionalität, des eigenen Erlebens wegen, entfaltet der Titel „Der Tod ist ein Irrtum“ in mir. Der Titel ist das Tagebuch einer Liebe, die tragisch enden wird, weil das Zellsystem im Körper Heiner Müllers jene chaotische Abartigkeit in sich trägt, die auf die simple Umschreibung Krebs hört. Zwischen den beiden Markern gründet sich eine Familie und entsteht neues Leben. Dokumentiert sind Meilensteine aus fünf Jahren, stilecht in Sofortbilder und handgeschriebene Textskizzen festgehalten.

„Der Tod ist ein Irrtum“ ist ein komprimiertes Familienalbum, indem es schon immer eine dezente Nähe zum Thema Tod des Lebenspartners gibt, allein des Altersunterschieds wegen. Aus der eigenen Erfahrung primär von Außen in die Beziehung hinein getragen. Dann der Tag X, dramatisierend Schockdiagnose genannt, und die Achterbahn wechselt in die Sturzfahrt. Außer dem Hoffen und Bangen liegt nichts mehr in den eigenen Händen. Gefühlt ist das Thema Tod ab jetzt kein Thema mehr.

Zehn Jahren nach Heiner Müllers Tod strahlt „Der Tod ist ein Irrtum“ (erschienen 2005) eine bemerkenswerte Distanz aus, die private, aber nicht intime Momente mit dem Leser teilt. Die eigene Krebserkrankung, der Altersunterschied zwischen der Perle und mir: Es sind diese Erinnerungen, die ich mit diesem Titel verbinde. Alles gehört zum Leben dazu, ob ich möchte oder nicht, so auch der Tod, der kein Irrtum ist.

Brigitte Maria Mayer und Heiner Müller
Der Tod ist ein Irrtum
Bilder Texte Autographen
Leinen, 160 Seiten
Suhrkamp
2005
978-3-518-41718-8

Autor: Der Herr Makkerrony

Der "Herr Makkerrony", das ist Ronald Puhle aus Berlin und der Macher des weltbekannten und einzigartigen Magazins "Der Lichtbildprophet". Heute führt der ehemalige Laboringenieur das hektische Leben eines Rentners, das er persönlich sein "Phase3" nennt. Seit einem Vierteljahrhundert praktiziert der Herr Makkerrony die Fotografie und war ca. 15 Jahre als freier Autor für verschiedene Fotofachzeitschriften (z.B. fotoMagazin, Dipitalphoto, FotoPraxis und PhotoKlassik) tätig. Seine Arbeiten bestechen durch die bodenständige Aufnahmetechnik (LoFi - Fotografie), den kreativen Einsatz überlagerter Fotomaterialien, insbesondere ORWO-Fotopapiere und ORWO-Dokumentenpapiere und der Anwendung des Lith Print-Verfahren. Nebenbei lenkt sich Makkerrony mit freier, abstrakter Malerei ab, liest gerne und ist ein begeisterter Hörer analoger Musik von der Schallplatte. In seinem Atelier Flackerlight ist jedes Modell willkommen, das sich von ihm auf besondere Weise fotografieren lassen möchte.