Holzkamera 13 x 18 cm

Wie stellt sich mir die Situation dar: Heute zerreißen in der Bucht die Power-Händler sinnvolle Kamera-Sets, um möglichst viel Geld abzuschöpfen. In der Folge werden zum Beispiel Großformat-Kameras vom Objektiv befreit, notwendige Filmkassetten und Stative einzeln vertickt. Brächte eine solche Kombi als Sett vielleicht 600 Euro auf die Geldwaage, kann im Einzelkauf das Ganze an die 1000 Glocken bringen. Ich, der dumme Käufer, muss mir nur alles zusammensuchen und tätige vielleicht sogar einen Fehlkauf. Ohnehin finde ich die Preis für Kameras ab dem 9 x 12 cm-Format für unanständig hoch. Selbst die größten Klapperkisten, mistig und rostig vom Staub der Jahrzehnte, sollen gar defekt dem Händler 100 Euro und mehr bringen. In Auktionen braucht man sich bei den Professionellen nicht zu versuchen: Scheingebote treiben die Kaufsumme künstlich in die Regionen der heutigen Fabelpreise.

Erschwerend hinzu kommt, dass das Filmmaterial größer dem Rollfilm immer dünner und unanständig teuer wird. Positivpapier? Was hier preislich abgeht spottet jeder Beschreibung. Platten selber machen? Eine Idee, die finde ich aber nicht so toll. Da kommt die Bequemlichkeit und der Semiperfektionist in mir durch: Die Aufzeichnung der Bilder soll – mal abgesehen von der Kameracharakteristik – gut sein. Die Imperfektion bringt das Material, das Ausbelichten darauf und/oder die Spielereien beim Entwickeln.

Ich habe bereits eine Linhof und nutze sie eigentlich recht selten. Für solche Großformat-Spielereien müsste ich mich mit einer Muse ins Atelier einschließen. Doch da sind sie, meine zwei Probleme: Wo nehme ich die willige Muse her und habe ich für eine stundenlange Fotosession über die Kondition? Es besteht also meinerseits kein Grund an ein größeres Format zu denken. Lediglich der Überschuss alten ORWO-Fotopapiers, auch in der Größe 9 x 12 cm, lässt mich an NegaPos arbeiten. Das Ergebnis gefällt und könnte sogar ruhig größer sein.

Beim Rundum-Blick in der Bucht fällt mir ein Angebot auf: 13 x 18 cm Holzkamera, mit Magazinen und einem Objektiv, dass zur Atelierarbeit paßt. Der Besitzer möchte 300 Euro dafür haben. Ich habe das Geld und sogar schon ein Stativ, auf dass die Holzkamera gepappt werden könnte. Das alte Berlebach gab es zur Einrichtung des Ateliers von meiner Unter-Nachbarin dazu und ich habe es dankend genommen. Heute bin ich froh über die Entscheidung. Der Preis lässt mich schwach werden und ein paar Tage später liegt die Kamera vor mir. Der Zustand ist gut, vorerst muss nichts zwecks Erhaltung restauriert werden.

Ich denke nicht die Poser-Kamera aus Holz mit Filmen zu nutzen. Eher bleibt es beim ‚NegaPos‘-Gedanken. Vielleicht auf alten papierstarken ORWO-Fotopapier oder modernen PE-Papieren von Foma. Noch immer fehlt es mir an der Muse, mit der ich mich im Atelier einschließen und direkt auf Fotopapier lichtmalen kann. Fotografieren möchte ich es nicht nennen. Ich kann nicht fotografieren. Aber was nicht ist, kann ja noch werden …

Autor: ronaldo capybara

Er ist kein Fotograf, doch malt er einen Teil seiner Bilder mit Licht und bringt sie in seiner Dunkelkammer eigenhändig zu Papier. Er ist kein Maler und doch zeichnet er einen Teil seiner Bilder mit Farben in seinem Atelier auf alles, was seine Kreativität tragen kann.