Holzkamera 18 x 24 cm

Vor etwa einem Jahr entschied ich mich in Sachen Kameras für eine Zäsur.

Ich wurde mir bewusst, dass ich eine Reihe Kameras mein Eigen nennen darf, ich diese jedoch kaum bis gar nicht nutze. Irgendwie bin ich zu dem Entschluß gelangt, dass ich diese Schmuckstücke der Optik und Feinwerktechnik auch zukünftig nicht nutzen werde. Diese Kameras sind schon liebenswerte Charakterschweine, doch ihre Technik passt nicht ganz zu dem, was mir in meinen fotografischen Arbeiten vorschwebt. Letztendlich ist auch deren Ergebnis auf Präzision getrimmt. Wenn ich es genau und scharf möchte, kann ich – rational betrachtet – digital knipsen.

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188_2019

NegaPos - Ihr letzter Strauss

NegaPos – Ihr letzter Strauss
Nr. 2019
Unikat: 13 x 18 cm, Fotografie auf ORWO Fotopapier
(c) 2019 Ronald Puhle

Optimiert betrachtet bin ich ein emotionaler Reinfall, ein waschechter Flop, eine astreine Niete.

Holzkamera 13 x 18 cm

Wie stellt sich mir die Situation dar: Heute zerreißen in der Bucht die Power-Händler sinnvolle Kamera-Sets, um möglichst viel Geld abzuschöpfen. In der Folge werden zum Beispiel Großformat-Kameras vom Objektiv befreit, notwendige Filmkassetten und Stative einzeln vertickt. Brächte eine solche Kombi als Sett vielleicht 600 Euro auf die Geldwaage, kann im Einzelkauf das Ganze an die 1000 Glocken bringen. Ich, der dumme Käufer, muss mir nur alles zusammensuchen und tätige vielleicht sogar einen Fehlkauf. Ohnehin finde ich die Preis für Kameras ab dem 9 x 12 cm-Format für unanständig hoch. Selbst die größten Klapperkisten, mistig und rostig vom Staub der Jahrzehnte, sollen gar defekt dem Händler 100 Euro und mehr bringen. In Auktionen braucht man sich bei den Professionellen nicht zu versuchen: Scheingebote treiben die Kaufsumme künstlich in die Regionen der heutigen Fabelpreise.

Erschwerend hinzu kommt, dass das Filmmaterial größer dem Rollfilm immer dünner und unanständig teuer wird. Positivpapier? Was hier preislich abgeht spottet jeder Beschreibung. Platten selber machen? Eine Idee, die finde ich aber nicht so toll. Da kommt die Bequemlichkeit und der Semiperfektionist in mir durch: Die Aufzeichnung der Bilder soll – mal abgesehen von der Kameracharakteristik – gut sein. Die Imperfektion bringt das Material, das Ausbelichten darauf und/oder die Spielereien beim Entwickeln.

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287_2018

Der Schreiber

Der Schreiber
Nr. 1586
Unikat: 9 x 12 cm auf Imago Direct Positive Paper
(c) 2018 Ronald Puhle a.k.a. Lichtbildprophet

In unserer Zeit manches derart geschmacklos ist, dass es absolut kein Geschmack ist.

Linhof Kardan Color 9×12

Sie sah ich um 1995 herum zum ersten Mal: Ein neuer Kollege verstärkte unser Team und in seinem Büro stand dieses nette Teil: Drei lange Beine, eine Querstange, ein schwarzer Balgen und zwei Standarten. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch der digitalen Fotografie verfallen, dennoch beeindruckte mich das Teil. Der Kollege schwärmte in den höchsten Tönen von seiner Linhof Kardan Color 9×12. Sie war ein Mitbringsel von seiner alten Firma, wurde dort ausgemustert und ging in seinen Besitz über. Sie war die Zierde des Büros und erzeugte – trotz meines Hangs zum Digitalen – immer wieder Neid in mir.

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