Private Pornography in the Third Reich – Hans von Bockhain

Es überrascht, dass dieses kleine Büchlein im 13 x 18 cm-Format mit einem mehrsprachigen Vorwort daherkommt. Inhaltlich ist der Vierseiter eine Zusammenfassung dessen, was mit einer guten Allgemeinbild, vorausgesetzt Deutsche Geschichte wurde nicht abgewählt, bekannt sein sollte. Das Vorwort unterstreicht die Doppelmoral der nationalsozialistischen Diktatur, es könnte aber genauso gut der eine oder andere Zeitgeist sein, der Sexualität und Identität in den Keller sperrt und selbst, wenn es draußen dunkel ist, zum munteren Rudelbumsen lädt. Zugegeben, diese Buchvorstellung ist eine Provokation um die Banalität der Sexualität, die schlußendlich nur der Arterhaltung und Fortpflanzung des Menschen dient, ihn mit seiner mittlerweile überheiligen Identität zum transzendenten Gotteswesen macht.

Für den, der gelegentlich Sex praktiziert und nicht nur an den unschuldigen Blümchensex glaubt, werden die Aufnahmen keine echte Bereicherung sein. In Zeiten des Internets und freizugänglicher Erwachsenenwebseiten, die nach ihrer Sicherheit nicht für die Arbeit geeignet sind, wirken die Aufnahmen altbacken, lieblos gestellt und zum überwiegenden Teil betont amateurhaft. Das Besondere an diesem Bilderbuch ist die dargestellte und nicht nur gespielte Unschuld. Die 220 Seiten, der Moralapostel würde Schund- und Schmutzliteratur dazusagen, erwecken den Eindruck, als sei Sexualität erst vor ein paar Jahren rein zufällig entdeckt worden. Diese Unschuld machte für mich den Reiz aus, dieses kleine Buch mit amateurhaft dargebotenen Sauereien irgendwann einmal zu kaufen. Ich mag das keuche Gehabe in den meisten erotischen Vintageaufnahmen und kann mit der modernen Weibchenakrobatik und Hochleistungsfickerei nichts anfangen. Das klingt hart und nicht nach positiver Nutzererfahrung, ist aber so.

Das Herstellen einer Verbindung von privaten erotischen Aufnahmen, wie auch immer sie entstanden sind, mit dem Dritten Reich, ist an den Haaren herbeigezogen und wohl eher ein billiger Marketingtrick. Die Zusammenstellung beginnt mit „Postkarten und Portraits“. Es folgen Aufnahmen zum Themenkomplex Freikörperkultur, wobei drei Aufnahmen mit einer Zeitangabe von vor 1933 versehen sind. Ich fühle mich an der Stelle genauso verscheißert wie bei zahllosen Privatpornos im Stil: „Stiefbruder fickt Stiefschwester“ oder „Stiefmutter bringt Stiefsohn das sinnlose Rammeln bei“. Sei es drum, so ein Buch muß sich irgendwie verkaufen und wenn es eben mit dem völkischen Bumsen in Nazideutschland sein muss, dann viel Erfolg. Egal wo und wie wir leben, Sexualität gehört dazu, egal wer mit wem und warum auch immer.

Private Pornography in the Third Reich

Hans von Bockhain

224 Seiten

Goliath

2014

978-3-936709-64-3

Autor: Der Herr Makkerrony

Makkerrony ist ein begnadeter Photoalchemist aus Berlin und der Macher des Magazins "Der Lichtbildprophet", dem weltbekannten und einzigartigen Blog für experimentelle Lichtbildkunst (auch Fotografie genannt). Er gilt als der Begründer des Fotografischen Depressionismus und Erfinder der Lichtbildschreibmaschine. Seine Werke bestechen durch die bodenständige Aufnahmetechnik (LoFi - Fotografie), den kreativen Einsatz überlagerter Fotomaterialien, insbesondere ORWO-Fotopapiere und ORWO-Dokumentenpapiere und der Anwendung des Lith Print-Verfahren. Unter echten Kennern der Szene gilt Makkerrony deshalb als der Farbige unter den Schwarzweißen.

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