Spaces – Nils Frahm

„Musik muss laut sein“ wurde mir vor fast zwanzig Jahren gesagt. Damals begleitete ich die Berliner Band K(l)eingeld mit der Kamera. Es entstanden eine Reihe guter Aufnahmen, weshalb mir die Zeit absolut positiv in Erinnerung bleibt. Nur mit dem Muss und Lautsein komme ich bis heute nicht klar. Laute Musik erzeugt Schmerzen und macht selbst die schönste Musik kaputt. Ich hasse es, wenn Menschen im Alkoholrausch die Musikanlage aufdrehen und dazu noch lauthals mitlallen. Musik braucht eine gewisse Lautstärke, aber körperliche und seelische Schäden sollte ich beim Hören von Musik nicht davon tragen.

Meine musikalische Verbindung zu Nils Frahm stellte sich über „Coming Home by Sven Vaeth“ her, welches am Ende „Says“ von Nils Frahm enthält. Dieser Titel stach so aus dem Rest von „Coming Home“ heraus, dass es in meinem Gehörgang hängen blieb. Ein Model gab mir den Hinweis, wer der Künstler hinter dem Instrumentalstück ist. Der Kreis ist fast geschlossen: Irgendwann spiele ich „Says“ im Atelier, die Perle ist anwesend, die Stimmung passt und der Titel zu unserem Lied. Ich lege mir „Spaces“ in Vinyl zu, es folgen bald weitere Platten mit Nils Frahm.

Nils Frahm verkörpert für mich eine klassisch-moderne, vor allem eine fast zeitfremde ruhige Note. Seine Musik ist nicht übertrieben laut, angenehm laut, aber auch leise und zwingt zum stillen Zuhören. Nils Frahm ist für mich ein Ausgangspunkt zu anderen guten Künstlern, die viel zu selten erwähnt werden, wie Ólafur Arnalds (Kiasmos), Anne Müller, Hania Rani oder F.S. Blumm. Musik kann leise bis unaufdringlich laut sein und trotzdem klingt sie schön. Der Mensch muss nur zu hören. Nils Frahm ist für mich ein Teil eines Gegenpols, der hervorragend zum Entschleunigen geeignet ist und Nebengeräusche aller Art in seiner Musik leben lässt.

Bedingt durch Says widme ich diesen Beitrag dem Album Spaces. Genauso gut könnte ich Lobeshymnen über die Zusammenarbeit von Nils Frahm und Ólafur Arnalds anstimmen. Ich empfinde es als angenehm, dass es Musik gibt, die nicht gleich in den Bereich Meditation fällt, die mit lauten, aber insbesondere mit leisen Tönen gute Musik macht. In dem Sinne: Seid leise zueinander, die Welt da draußen ist laut genug.

Autor: Der Herr Makkerrony

Makkerrony ist ein begnadeter Photoalchemist aus Berlin und der Macher des Magazins "Der Lichtbildprophet", dem weltbekannten und einzigartigen Blog für experimentelle Lichtbildkunst (auch Fotografie genannt). Er gilt als der Begründer des Fotografischen Depressionismus und Erfinder der Lichtbildschreibmaschine. Seine Werke bestechen durch die bodenständige Aufnahmetechnik (LoFi - Fotografie), den kreativen Einsatz überlagerter Fotomaterialien, insbesondere ORWO-Fotopapiere und ORWO-Dokumentenpapiere und der Anwendung des Lith Print-Verfahren. Unter echten Kennern der Szene gilt Makkerrony deshalb als der Farbige unter den Schwarzweißen.

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