Rundeckige Gefühlskreise

Mich über die schnelllebige Zeit auszulassen, ist genauso dumm wie über Schönheit zu fabulieren. Es geht letztlich um Empfindung und Wahrnehmung, was schlußendlich in Gefühlen endet. Schwups befinde ich mich in einer Dauerschleife und stehe der Welt aller Gutmenschen in nichts nach: Gefühle. Ich fühle mich gemobbt, ich fühle mich depressiv, ich fühle mich ungeliebt, ich fühle mich ausgegrenzt, ich fühle mich verfolgt, ich fühle mich gehasst, ich fühle mich krank, ich fühle mich identitätslos und ich fühle mich wie ein Gummibärchen. In Sachen Gefühlen sind wir Weltmeister. Wenn wir wollen und Weltmeisterschaften anstehen, dann holen wir die großen Gefühle heraus und machen mit unserer Emotionskeule alles platt. Das klingt gefühlt ziemlich aggressiv, ist von mir aber so nicht gemeint. Der richtigen Gefühle wegen, überdehne ich ein wenig den verbalen Bogen. Das sei mir, Mister Empathie persönlich, erlaubt.

Ich bin ein Naturmensch. Der Mensch, also auch ich, ist Teil der Natur. Ich lebe in der Natur, auch wenn ein Großteil meiner Umgebung eher menschgemachter Beton ist. Emotionen, für mich ein anderes Wort für Gefühle, sind Teil der Natur, Teil einer Form der Kommunikation mit meinem Umfeld, sie sind aber nicht das bestimmende Element der Natur. Blicke ich auf den Menschen von heute, der seinen Fokus auf Empfindungen, Wahrnehmungen und vor allem auf sein persönliches Wohlergehen legt, dann sind Gefühle heute total emotional und damit die Krönung der Übermenschwerdung. Das ist natürlich großer Unsinn und bringt den Menschen keinen Schritt weiter. Doch die Realität ist so grausam, dass nur überufernde Gefühle der Rettungsanker des Lebens sind.

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