Lese ich Rezensionen, zum Beispiel über Musik, und höre mir dazu das bejubelte Werk in Apple Musik an, klafft da eine gewaltige Lücke zwischen Realität und Dichtung. Gut, Geschmäcker sind verschieden. Aber mal ehrlich: Singsang auf politische Korrektheit getrimmt, queeres Rumschwulen befohlen und hirnloses Eindreschen auf nichtlinke Lebensmodelle, machen manch Veröffentlichung wirklich nicht besser. Der Computer, mein bester Produzent, dazu eine depressiv dreinschauende Zuckerpuppe, die 30 mal Fotze oder Bitch pro Titel quiekt, das ist Lärmverschmutzung und Ressourcenverbrennung. In diesem melacholisch-emotionalen Absacker paßt es wie die Faust aufs Auge, „Lieblingsfarben und Tiere“ von Element of Crime abzuspielen und dreimal pro Biertulpe rauszuhauen, dass früher alles besser war.
Letztgemachte ist genauso unwahr wie die Aussage, die heutigen jungen Künstler können richtig toll Musik machen und bräuchten keine KI und elektronische Softwareinstumente. Nette Anekdote: Musikexpress kürt die 500 (!) besten Alben aller Zeiten und unter den auserkorenen Meisterwerken ist kaum etwas Neuzeitliches zu finden. Zu den ‚Besten‘ werden Alben gezählt, die um meine Geburt und Kindheit herum entstanden sind und die sogar in meiner Vinylothek zu finden sind. So weit kann mein Verständnis von guter bis herausragender Musik vom berufenen Munde einer straff gendernden Musikzeitschrift nicht sein.