Ein/e/es Adlin Lewis schreibt an mich: „Gute Nachrichten“

Eine Wohltat des Gutmenschen ist das Gendern. Da der Lichtbildprophet sich nie dem wahr gewordenen Blödsinn des Bessermenschen verwehrt hat, berücksichtig die Grimme-Preis verdächtige Redaktion, dass sich Menschen nicht entscheiden können, ob sie heute Männlein oder Weiblein und morgen ein veganes Eichhörnchen ohne Schwanz sein wollen. Und da der Absender elektronischer Verbraucherinformationen oder Bettelmails selten bis gar nicht dem realen Nerd hinter dem Spambot entspricht, ist es mehr als gerecht einen Namen derart zu vergendern, dass auch ein schwuler wie äußerst seltener Baumelefant gemeint sein könnte. Diesen Schwachfug zu verstehen hat die weltbeste Lichtbildprophet-Redaktion mittlerweile aufgegeben. In einer repräsentativen Langzeitstudie von fünf bis etwa sieben Minuten konnte das Redaktionsteam jedoch eines wissenschaftlich belegen:

Der Homo digitalis kennt nur ein Sternzeichen: Die Mimose!
Das ist eine gute Nachricht!

Zitat Anfang
Ihre Frau und Ihre Kinder geben Ihnen und Ihrer Familie 20 Millionen Dollar. Ich möchte die Waisenhäuser für wohltätige Zwecke erreichen, weil ich weiß, wie schwierig es ist, in dieser Zeit der Pandemie des Coronavirus (Covid 19) täglich ein Brot zu backen. Beitrag zur Armutsbekämpfung und Gewährleistung einer angemessenen Gesundheitsversorgung für den Einzelnen. Ich möchte auch, dass Sie einen Teil dieser Spende in die öffentliche Infrastruktur investieren, um Arbeitslosen in Ihrer Stadt Arbeitsplätze zu bieten. Ich habe dich gewählt, weil ich an dich glaube. Ich brauche Ihre uneingeschränkte Mitarbeit in Bezug auf diese Spende. Dies ist kein Scherz und ich brauche dich, um deine 100% Aufrichtigkeit zu geben.
Mein einziger Begriff ist, dass du gut zu anderen bist.
Mit freundlichen Grüßen,
Adlin Lewis

Zitat Ende

M

Mich macht dieses Gendern langsam irre. Auf Verdacht muss ich Rücksicht nehmen, dass der mir bis dato unbekannte Mensch in einem anderen „sozialen“ Geschlecht als von mir visuell wahrgenommenen biologischen Geschlecht steckt. Folglich soll ich ihn nicht männlich/weiblich ansprechen und bloss keine Frage zu dem Thema stellen. Damit ich solch Sensibelchen erkenne, deuten sie ihr sozial-biologisches Geschlechtslimbo mit einem englischen Verwirrspiel aus he/she/they an. Mittlerweile ist das für mich so ein Symbol wie die rote Ampel: Umgucken und wenn alles frei ist trotzdem rübergehen.

Das liebe Internet bietet eine Reihe von netten Abhandlungen an, damit ich als Mister political correctness zukünftig in meinen Texten genderneutral Pronomen kann. Aber will ich das? Wird auf meine Gefühle so Rücksicht genommen, dass mir wichtige Aspekte des Lebens sprachliche Freiräume bis in den Alltag gewährt werden? Was ist, wenn ich ab morgen andere individuelle Marker in meinem Leben setze und ein ganz neues „soziales“ Geschlecht für mich beanspruche, nur weil mir beim morgendlichen Stuhlgang ein Furz quer liegt? So einfach ist das nicht? Doch, ich denke schon, sei es zum Beispiel der switch von vegetarisch – vegan – Allesfresser oder die plötzliche Verpolung hetero – lesbisch – hetero, nur weil man sich mal den falschen Stecher ausgesucht hat? Alles erlebt und immer war es mit der Verwandlung so etwas von Ernst, ernster ging es schon gar nicht mehr.

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