Weltaflex

Als Lichtbildprophet und Marvin F. lebe ich ja – leider – nicht auf (m)einem eigenen Planet. Ich mussdürfen (richtig gelesen, ich bin der mussdürfen-Erfinder) mich unter das gemeine Fotovolk mischen. Da das in der Regel extremst technikverliebt und wenig am Bild interessiert ist, bekomme ich gesagt, was es so für wirklich gute Kameras gibt. Rolleiflex zum Beispiel. Super Kamera, Riesen Kamera, Wahnsinns Kamera. Schaue ich mir an, wer eine solche Megakamera besitzt und was er damit veranstaltet, ist wieder der Beweis erbracht, dass nicht allein eine Kamera gute Bilder macht. Steinigt und kreuzigt mich ihr lautstarken Großmeister der emotional-emotionslosen Fotografie.

OK, eine Zweiäugige Spiegelreflexkamera (TLR) weckt in mir Erinnerungen an meinen Vater, der mal so etwas besessen haben muss. Jedenfalls kann ich mich daran erinnern, von oben in ein quadratisches Fenster gesehen zu haben, was die Welt ganz anders zeigt. Ohnehin auf dem Trip, die Liste alter DDR-Kameras wegen ihrer soliden, wenig elektronik-lastigen Ausstattung unter die Lupe zu nehmen, lande ich bei Weltaflex. Mir fällt in der Bucht ein entsprechender Apparat auf und nach Zahlung auch zu. Alles läuft ganz emotionslos. Lediglich der Spiegel zum Spiegelreflexen muss dringend erneuert werden. Besser gesagt ich lasse ihn besputtern und seitdem kommt diese Kiste mit den Augen übereinander dann und wann zum Einsatz.

Gerne erinnere ich mich an die Weltaflex-Aufnahmen am Blankenburger Pflasterweg, die eine Baumreihe wie ein weites Band durch die Landschaft zeigen. In Wirklichkeit liegt alles relativ dicht beisammen, ist die Brennweite mit 75 mm beinahe normal und dennoch entsteht eine angenehme Tiefe in der Aufnahme. Da die Weltaflex auch zu den Kameras für 6 x 6 cm-Kontaktabzüge zählt, haben die Aufnahmen in Vergrößerungen einen gewissen weichen Charme, der sich durch die Vignettierung bei großer Blendenöffnung noch wunderbar abrunden lässt. Mehr muss man nicht zu dieser Kamera sagen, denke ich.

Autor: Lichtbildprophet

Lichtbildprophet ist der Mix aus verbalen Größenwahn und Fotografischen Depressionismus; eine persönliche letzte totale Schlacht des einzigartigen Lichtbildpropheten gegen den Herdentrieb, die Massenverdummung und den Einheitsgeschmack unserer Zeit.