Boosterdosis

Hat die Hölle auch ihren Himmel?
Endloser Fluss, für immer und ewig.
Ich gucke kein Frauen-Fussball mehr. Am Ende des Spiels verweigern die frigiden Zicken den Trikottausch mit ohne BH.
Eine eigene Frauen-Formelserie ist Gleichstellung pur.
Wie aktiviere ich Wasser?
In diesem Jahr werde ich wohl mehr Karmapunkte aufbrauchen als dass ich welche für mein Seelenheil sammeln kann.
Wer nichts zu tun hat, der regt sich über „Junge Frau“ auf.
Man braucht social media nicht.
Ich habe die Uhr, ihr die Zeit.
Im Fernsehen werde ich animiert Gold zu kaufen. Super günstig und für kleines Geld. Die Superdealer sollten mal ne Lupe dazupacken, denn anders sind die vertickten Mikrokrumen Gold nicht zu erkennen.
Gut anfangen, stark nachlassen.
Totschlagargument Trauma.
Nett ist Scheiße.
Ein Kampf. Krampf. In mir.
Niedere Gedanken sind vergeudete Energie.
Laut und doch stumm. Da fühle ich mich einsam.
Verräter oder Narr.
Normal normal.
Eine Grenze überschreitend unterschritten.
Männer tun dumme Dinge für Frauen.
Endlose Nacht.
Es geht um ein Prinzip und nicht um ein Ego.
Dann und wann führe ich auch mal ein philosophisches Streitgespräch mit mir.
Ich bin kein König.
Verrittern.
Rollenerwartung.
Entsexualisierung des Körpers.
Schaulästig.
Piks to go.

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Stellvertretend

Gedanken zu einem Lichtbild

Wo soll ich anfangen?

Ich sehe den Abzug in der Schale und denke so bei mir: „Das sind wir!“
Tage später. Es liegen die letzten Abzüge eines Shootings mit zwei Modellen im Wasserbad und da ist wieder so ein Abzug, wo ich mir sage, dass das wir sind. Nur eben von zwei Frauen in Szene gesetzt. Stellvertretend für uns. Dem Alter nach Mutter und Tochter. Wie ist es, wenn Frau und Mann nicht Geliebte und Geliebter, sondern dem Alter nach auch Vater und Tochter sein könnten?

Flapsig habe ich vor Jahrzehnten gesagt, dass die Angetraute mit vierzig Lebensjahren gegen zwei Zwanzigjährige ausgetauscht wird. Irgendwann war mir der Gedanke dann doch zu viel. Jede der beiden möchte ihre Aufmerksamkeit, die der anderen zugebilligt wird. Das wird kompliziert und kompliziert mag ich nicht. Gerade im Leben. Folglich wurde der Gedanke Frauentausch begraben. Doch wenn es im Leben geschieht, was dann? Ich gehe mal lieber von einer jungen Geliebten aus, weil ich befürchte, dass es nicht weniger kompliziert sein würde. Denn wohl möglich sind beide irgendwie liiert und die Liebe zum eigentlichen Lebenspartner vielleicht gar ungebrochen? Ich denke gerade zu viel und plustere vielleicht eine simple Affäre zur Polyamorie auf. Es ist doch vollkommen klar: Ein Geliebter, der der Vater sein kann, da stimmt etwas nicht. Sie hat einen Vaterkomplex. Oder sie hält sich einen Sugardaddy, der sie als Gegenleistung für ihre Dienste materiell aushält. Bliebe für die Allgemeinheit zur Argumentation gegen diese scheinbare Abnormität noch die Midlife-Crisis des älteren Herren.

Auf der Suche nach einer Antwort lese ich, dass junge Frauen nichts von einem älteren Mann haben. Es besteht die grausame Gefahr, dass die junge Frau ihren alten Lebenspartner recht bald pflegen muss. Außerdem wird sie früher Witwe als mit einem annähernd gleichaltrigen Mann. Klingt ungemein logisch und ziemlich egoistisch. In meiner altmodischen Weltanschauung gehe ich einfach mal davon aus, dass ich eine Beziehung – egal mit wem – aus Liebe eingehe.

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Dasselbe in jedem Jahr

Ich bin kein Freund von Wiederholungen. Stelle ich fest, irgendetwas ist dem Anschein nach eine Wiederholung, werde ich innerlich unruhig. Das Schlüsselerlebnis liefert die Angetraute zum Anfang meines fotografischen Weges. Sie schaut sich meine Arbeiten an und sagt, dass das alles dasselbe sei. Natürlich war ich erst einmal schwerst beleidigt. Halbwegs beruhigt und mit zeitlicher Distanz betrachtet, hatte sie nicht ganz unrecht. Mal abgesehen von der digitalen Sterilität war das Sujet austauschbar und nichts hat sich am Bild geändert.

Und dennoch neige ich zum Wiederholen. Nur eben halt anders. So laufe ich Lieblingsmotive mit unterschiedlichen Charakterschweine-Kameras und aus verschiedenen Richtungen an. Oder ich nutze unterschiedliche Technologien, um zu einem Abzug zu kommen. Oder, oder, oder: Wenn im Übergang Winter auf Frühling die Modelle am chronischen Motivationsmangel leiden und die ersten Frühjahrsblüher die Superläden erobern, dann ist für mich ein typisches Atelier-Wiederholthema „Tulpen“.

Ohne jetzt mein Archiv zu zerwühlen behaupte ich, dass das Tulpen-Thema erst mit der Analogfotografie für mich interessant wurde. Und: Mich interessieren nicht die Farben „frischer“ Tulpen. Interessant sind abgeblühte, fast schon vertrocknete Gewächse. Also werden zehn bis zwanzig Tulpen gekauft, im Atelier in eine Vase gestellt und dann wird gewartet. Nach ein bis zwei Tagen folgen die ersten Aufnahmen und so weiter. Rein technisch betrachtet sind diese Aufnahmen wieder eine Gelegenheit im Atelier mit dem Licht zu spielen und das Negativmaterial zu pushen.

In diesem Jahr kommt die Holzkamera dazu. Zehn Sekunden den überlagerten ORWO FO 65 belichten, dann im erwärmten toten Lith-Entwickler das Negativ entwickelt und später auf einem seltenen Bogen ORWO PE-Papier im Kontakt abgezogen. Was für eine schöne heile Welt. Eben dasselbe in jedem Jahr, nur immer etwas anders. Der Abwechslung wegen. Und um zu zeigen, dass ich mich noch weiterentwickeln kann und nicht stehen geblieben bin.

Quichotte

Nicht nur einmal habe ich mich gefragt, warum der deutsche Zweitehand-Markt nicht von Fotomaterialien aus dem ehemaligen Ostblock überschwemmt ist. Ich nehme das Beispiel ORWO. Über 30 Jahre nach Ende der DDR gibt es heute immer noch Material auf dem Markt. Dank Ni Bombo a.k.a. ZweifelnHochZwei und ihrem Talent fürs Handeln wächst mein Vorrat an und das Lager alten ORWO-Fotopapiers ist mittlerweile größer als das moderner Papiere. Natürlich muss man beim Kauf genau hingucken. Zum einen werden Preise aufgerufen, die einfach unanständig sein. Zum anderen machen gerade private Verkäufer Angaben, die entweder gelogen oder schlicht weg falsch sind. Unverständlich in einem Land, wo jeder alles weiß … und kann.

Vielleicht taucht aus dem Ostblock in der Bucht mal altes Foma-Material auf. Oder Slavich. Foma (Tschechien) ist heute noch aktiv, Slavich (Litauen) auch. Der Dominator ist eindeutig Foma, was ich verstehe, denn diese Materialien sind nicht das überteuerte Hightech-Zeugs der westlichen Hersteller. Foma erinnert mich an ORWO, so als ob ORWO in Foma weiterlebt. Bei Slavich wird es für meinen Geschmack allmählich kritisch. Hier merkt man die Nähe zur ehemaligen Sowjetunion und das Erbe hat man, bestimmt der Firmentradition wegen, nicht wirklich abgestreift.

Neben dem ORWO-Material packt Ni Bombo drei weitere Pakete aus, die allein ihrer Aufmachung wegen mein Interesse wecken. Irgendwann habe ich angemerkt, ich würde gern mehr experimentieren wollen, auch mit exotischen Fotomaterialien. Gesagt, getan und da liegt das Material. Das muss Liebe sein. Eine Packung, später stellt sich heraus, sie enthält drei unbelichtete Bögen, stammt von Slavich. Alles noch in kyrillischer Schreibweise, also noch vor der Unabhängigkeit Litauens hergestellt. Eine weitere Packung stammt von Smena aus „Leningrad“, die rote Verpackung aus irgendeiner Kiever Fabrik, damit der Ukraine. Ebenfalls kyrillische Schrift.

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Broiler Porn

Was in den nächsten Tagen folgt, hat sich bereits angedeutet: Meine drei Puppen ohne Kopf, aber aus hochwertigem chinesischem Kunststoff hergestellt, wollen in einer sensationellen Bilderserie pornös verheizt werden. Als ich die Dinger zum ersten Mal sah, fühlte ich mich an das DDR-Brathähnchen, genannt Broiler, erinnert. Es ist eine gedankliche Reise zurück an den Ort, wo ich meine Kindheit und den ersten Teil der Jugend verbracht habe.

Direkt am Antonplatz in Berlin-Weißensee gab es eine Gaststätte mit dem verheissungsvollen Namen „Zum Goldbroiler“. Auch in der DDR musste es die Schippe mehr sein. Kein einfacher Broiler. Nein, es musste der GOLD-Broiler sein. Hin und wieder nahmen meine Erzeugereinheiten Geld in die Hand und ich durfte einen Broiler holen. Eingewickelt in Aluminium-Folie war er warm und hat so verführerisch geduftet, dass ich das „Privileg“ ihn holen zu müssen nutzte, um schon mal von der Leckerei in kleinstes Stück zu naschen. Theoretisch konnte man in dieser Broiler-Gaststätte auch Essen, dann gab es Pommes Frites und Salat zum Huhn. Sogar ein kleiner Springbrunnen befand ist in dem Restaurant. Hauptsächlich holte ich jedoch das gebratene Federvieh in die Wohnung oberhalb des Kino Toni, wo es dann niedergemacht wurde.

Im Vergleich zu heute geht es beim Broiler nicht um ein Brathähnchen. Was heute von der Stange des Hühnerkarussell kommt, ist allzuoft wirklich tot, weil bis zur totalen Austrocknung gequält. Selten sehen Brathähnchen vom Alibaba Grill, Mac Bistro & Co. oder mobilen Hähnchen-Bräter so lecker saftig aus, wie der Broiler sich präsentierte. Kein Wunder, liegen die wahrlich toten Hühner stundenlang in der Hitze und langweilen sich. Dagegen brauchte ich beim „Zum Goldbroiler“ Glück, dass die Broilerbräter ihre Leckerei gerade auch außer Haus verkaufen. Wenn nicht, dann hieß es warten.

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