NegaPos

Auf meiner ToDo-Liste steht schon seit einiger Zeit:

Mit der Linhof auf ORWO 9×12 Fotopapier fotografieren

Das ist keine überragende Idee. Vor dem Glas und Zelluloid war lichtempfindliches Papier das Negativmedium. Nur habe ich noch einiges an 9 x 12 cm ORWO Fotopapier herumliegen, das ja irgendwie und irgendwann verbraucht werden will. Am Lichtbildpoet-Projekt arbeite ich derzeit nicht und es ist auch nicht abzusehen, ob ich mich dafür noch einmal begeistern kann. Außerdem: Gegenüber neuem Fotopapier ist das uralte ORWO Fotopapier wunderbar langsam. Da bin ich bei Bewegungsunschärfe angekommen, lege ich den fotografischen Fokus auf das Menschenbildnis.

Der erste Versuch eines Selbstbildnis scheitert. Das Licht und die Belichtungszeit sind deutlich zu gering. Während ich versuche die Kassette nachzuladen, klingt das Modell. Ich verzichte darauf mich für den nächsten Versuch wieder zu drapieren. Das darf jetzt jemand tun, der viel besser als ich aussieht. Mehr Licht, mehr Belichtungszeit und etwas Bewegung. Im Lith-Entwickler und nach ein paar bangen Minuten Wartezeit entsteht mein ‚NegaPos‚. Es bedarf einiger invertierender Blicke um zu erkennen, dass da ein barfüßig weiblich Mensch steht. Das Ergebnis sieht nicht wie ein ’normales‘ Negativ aus. Die Art und Weise der knappen Negativbelichtung, kombiniert mit dem harten Lith print, ist in meinen fotodepressionistischen Augen ein verfolgenswertes Stilmittel. Nur ärgert mich das Querformat als Vorzugsorientierung der Linhof Kardan Color 9×12.

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Wohin ich auch blicke, ich sehe nur Gewinner!

Ich stöbere durch Taschen’s Neuerscheinungen: Laurent Benaïm. Dian Hanson Worte über ihn lesen sich interessant. Phasenweise fühle ich mich an meine Langweile erinnert, werde ich mit dem modernen hdr-infizierten Fotorealismus konfrontiert. Ich kann damit nichts anfangen. Diese Klarheit auf der einen, die Scheineffekte auf der anderen Seite sind wie Schmirgelpapier an meine visuellen Rezeptoren. Vielleicht hat der weiße black out, die gelegentlich auftretende Helligkeitsstörung während der Chemo, zum Sichtwechsel beigetragen. Ich bestürme jedenfalls Amazon und ordere Hanson’s Buch ‚Laurent Benaïm‘ vor.

Muse-Stunde: ‚Schau doch mal, ob dieser Benaïm eine Webseite hat‘ spreche ich zu mir. Ausnahmsweise. Gesagt, getan. Im Interesse des Taschen Verlag’s hätte ich es nicht tun sollen. Denn nachdem ich die 32 Galerie-Seiten durchblätterte, wollte ich das Buch nicht mehr. Es war mir zu viel Fotorealismus, zuviel der Effekthascherei. Ich bekomme in seiner Bildsprache vorgekaut, was ich zu sehen habe. Meine Fantasie ist während der Reise durch Benaïm’s erotische Welt eingeschlafen. Ich fühle mich bedrängt, als müsste ich mich mit jedem seiner Modelle öffentlich verpaaren. Wenigstens ist meine Fantasie nicht ins Koma gefallen oder gar verstorben. Was für ein Glück.

Oh, das klingt im Ohr des Gutmenschen wie dissen. Schließlich ist ein emotionales ‚… kotzt mich an‘ in Gutmensch’s Pussywelt böses beleidigen. Oder ich bin nur neidisch auf den Erfolg Laurent Benaïm’s. Er darf einen Bildband bei Taschen veröffentlichen, hat ein großes schmuckes Atelier und kann die Leute beim Rammeln fotografieren.

Sorry, so ist es leider nicht.

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Wechselbad der Gefühle

‚Gandalf‘ lädt zu sich ein. Also nicht persönlich. Darum muss ich mich selbst kümmern. Er macht Vorschläge, wann wir uns zur nächsten Kontrolle treffen und ich mach dann den Termin.

Im September 2018 haben wir uns auf Anfang 2019 geeinigt. Nun hat es doch bis Ende Februar gedauert. Es kostet mich Überwindung einen Termin bei meinen Onkologen zu machen. Anfänglich war es der Geruch in der Praxis, der Übelkeit in mir hervorgerufen hat. Das hat sich mittlerweile gelegt. Selbst vom gelegentlichen Duft des Burger-Bräters, der eine Etage tiefer seinem Geschäft nachgeht, wird mir nicht mehr schlecht. Nein, es ist diese Ungewissheit in der Woche nach dem Besuch bei ‚Gandalf, dem Weißen‘: Kommt ein Anruf und ich muss noch einmal hin, weil sich ein Wert verschlechert hat? ‚Sauron‘ gar zurück gekehrt ist? Auch wenn ich versuche diesen Seelendruck gelassen zu nehmen, mein Unterbewußtsein lässt sich nicht täuschen. Er, der Druck, ist latent da.

Bis jetzt zeigte ‚Gandalf“s Daumen immer klar nach oben. Selbst der kritische Nierenwert bessert sich allmählich, auch wenn er noch nicht im Optimum ist. Juhu, könnte man meinen. Aber kommen die gelegentlichen Schmerzen in der Lendengegend vom Rücken oder sind es die Nieren? Mein Schmerzempfinden hat sich zu sehr verändert, so dass ich alte Erinnerungen an Vor-Chemo-Zeiten nicht verwenden kann. Ich muss neue Bewertungsmaßstäbe finden und ansetzen. ‚Gandalf‘ wird mich fragen wie es mir geht. Die eine oder andere Schwester auch. Mein Lieblingsspruch: ‚Wie sie sehen, ich bin noch da!‘.

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Über Götzen, Idole und ohne roten Faden

Wer behauptet, er/sie habe immer so gedacht und gehandelt, der/die lügt. Oder hat sich der menschlichen Fähigkeit seiner persönlichen Weiterentwicklung beraubt. Bei allen Theoriegedanken, die man sich erlesen und erfragen kann, der größte Wissenszuwachs ergibt sich aus dem bewußt Erlebten. Diese Erfahrung und Praxis ist es, die den Menschen weiterbringt. Er muss es nur wollen.

Wer mir etwas schreibt, der sollte davon ausgehen, dass ich nicht seinen Blick und sein Leben vor Augen habe. Es bedarf also der Zeit und Worte mir zu schreiben, was seine Gedanken sind. Erst dann kann ich hinreichend verstehen worum ich gebeten werde.

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Gerahmtes Sextett eines Sommers – Der andere Jahresrückblick

Ich tue es wieder: Ein Jahresrückblick verfassen!

Ich gebe den Kühlen, erfolgsverwöhnt und von den Massen geliebt. Ach nein, mit der Masse habe ich es nicht so. Im Strom sich treiben lassen ist einfach und man lernt mehr Leute kennen. Doch alles wird oberflächlich und austauschbar.

Ich gebe lieber den Eigenbrötler, megakreativ und mehr Feinde als Freunde. Ja, die Rolle gefällt mir besser. Wobei das Kreative ja eher eine Mixtur aus Zufall, Geduld und jede Menge Handarbeit ist.

Der Start ins Jahr 2018 war schwierig. Ich fand nicht die Motivation die ich mir erwünscht hätte. Ich griff zum ‚Lichtbildpoet‚ und kam darin auf die Idee mir den MakkerRony BIG DIY Enlarger aufzubauen. Mir wurde – zeitlich parallel – eine große Tasche alter ORWO-Fotopapiere geschenkt und mit einem Mal wollte es wieder laufen. Also die Handarbeit und Kreativität: Ich schöpfte und verkündete den Fotografischen Depressionismus!

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