Future Days – Can

Nachdem meine Vorstellung des Albums „Live in Arles 1975“ von Can eher einem Verriss gleicht, möchte ich einen wohlgesonnenen Beitrag zu Can nachlegen. Nein, es ist diesmal kein gelungener Livemitschnitt, es geht um das Studioalbum „Future Days“ aus dem Jahr 1973. Beim Hören möge sich der geneigte Zuhörer immer wieder vor Augen führen: Diese Musik hat eine deutsche Band im Jahre 1973 Zustande gebracht. Da war der Herr Makkerrony, seines Zeichens Chefredakteur und Empfangsdame des berühmten Magazins „Der Lichtbildprophet“, gerade mal 10 Jahre alt und noch ungeküsst, ausgenommen die feuchten Küsse von Tante Charlotte auf meine Wange.

Was mich an „Future Days“ beeindruckt, ist die jeweilige Struktur der Kompositionen, die keinem klassischen Muster eines Liedes folgen. Daneben fallen mir Klangpassagen auf, wo ich meine, sie später von anderen Bands gehört zu haben. Zu guter Letzt veröffentlicht Can mit „Future Days“ einen Ausblick auf spätere Klangwelten, die als Ambient und/oder Trance Verbreitung finden. Wer mal in einer Mußestunde abseits eingetretener musikalischer Pfade wandeln möchte, dem empfehle ich Can „Future Days“ und hier die zweite Seite, die ausschließlich den 20-minütigen Titel „Bel Air“ beinhaltet.

Can wird als avantgardistische Band bezeichnet. Avantgarde hat in meinen Augen etwas Elitäres bis hin zur Radikalität, was bloß nicht jeder mögen darf, weil es sonst der verabscheuungswürdige Mainstream ist. Das Schicksal solcher Bands ist, dass sie eines schönen Tages ihrem eigenen Schatten hinterherlaufen. Irgendwann ist der Innovationsdrops gelutscht und die Avantgardisten müssen sich, des lieben Fortschritt wegen, selbst revolutionieren. Bei Can geistert mir Eberhard Schoener durch den Kopf, obwohl Can und Schoener nichts gemeinsam haben, außer eine außergewöhnliche Herangehensweise an die Musik und einer viel zu geringen Wertschätzung gegenüber ihrem künstlerischen Schaffen.

Autor: Der Herr Makkerrony

Der "Herr Makkerrony", das ist Ronald Puhle aus Berlin und der Macher des weltbekannten und einzigartigen Magazins "Der Lichtbildprophet". Heute führt der ehemalige Laboringenieur das hektische Leben eines Rentners, das er persönlich sein "Phase3" nennt. Seit einem Vierteljahrhundert praktiziert der Herr Makkerrony die Fotografie und war ca. 15 Jahre als freier Autor für verschiedene Fotofachzeitschriften (z.B. fotoMagazin, Dipitalphoto, FotoPraxis und PhotoKlassik) tätig. Seine Arbeiten bestechen durch die bodenständige Aufnahmetechnik (LoFi - Fotografie), den kreativen Einsatz überlagerter Fotomaterialien, insbesondere ORWO-Fotopapiere und ORWO-Dokumentenpapiere und der Anwendung des Lith Print-Verfahren. Nebenbei lenkt sich Makkerrony mit freier, abstrakter Malerei ab, liest gerne und ist ein begeisterter Hörer analoger Musik von der Schallplatte. In seinem Atelier Flackerlight ist jedes Modell willkommen, das sich von ihm auf besondere Weise fotografieren lassen möchte.

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