Future Days – Can

Nachdem meine Vorstellung des Albums „Live in Arles 1975“ von Can eher einem Verriss gleicht, möchte ich einen wohlgesonnenen Beitrag zu Can nachlegen. Nein, es ist diesmal kein gelungener Livemitschnitt, es geht um das Studioalbum „Future Days“ aus dem Jahr 1973. Beim Hören möge sich der geneigte Zuhörer immer wieder vor Augen führen: Diese Musik hat eine deutsche Band im Jahre 1973 Zustande gebracht. Da war der Herr Makkerrony, seines Zeichens Chefredakteur und Empfangsdame des berühmten Magazins „Der Lichtbildprophet“, gerade mal 10 Jahre alt und noch ungeküsst, ausgenommen die feuchten Küsse von Tante Charlotte auf meine Wange.

Was mich an „Future Days“ beeindruckt, ist die jeweilige Struktur der Kompositionen, die keinem klassischen Muster eines Liedes folgen. Daneben fallen mir Klangpassagen auf, wo ich meine, sie später von anderen Bands gehört zu haben. Zu guter Letzt veröffentlicht Can mit „Future Days“ einen Ausblick auf spätere Klangwelten, die als Ambient und/oder Trance Verbreitung finden. Wer mal in einer Mußestunde abseits eingetretener musikalischer Pfade wandeln möchte, dem empfehle ich Can „Future Days“ und hier die zweite Seite, die ausschließlich den 20-minütigen Titel „Bel Air“ beinhaltet.

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Immediate Family – Sally Mann

„Immediate Family“ ist ein kontroverses Buch: Es zeigt im privaten Kreis die ständige Konfrontation mit den alltäglichen Geschehnissen des Lebens. Es verheimlicht oder beschönigt nichts, es versteckt nichts und es dichtet nichts hinzu. Mit einer gesunden Portion Neid bewundere ich Sally Mann’s Arbeit. Sie hat den wahren Wert der Kindheit und beginnenden Jugend erkannt und in einzigartigen Aufnahmen festgehalten. Wer bei diesen Bildern andere Gedanken entwickelt, sollte seine krankhafte Einstellung zum Menschen und zum Leben kritisch hinterfragen.

Was hat Sally Mann mit „Immediate Family“ genau getan? Was ruft selbsternannte Erretter und ihr Schandmaul auf den Plan? Sally Mann fotografiert im Zeitraum von 1984 bis 1991 ihre Kinder in unterschiedlichen Situationen ihres Familienalltags. Über alle gezeigten Aufnahmen hinweg gedacht, kommt in mir der Gedanken an eine Gartenidylle, Ferien und die beinahe grenzenlose Freiheit auf. Der Großteil der Aufnahmen zeigt die Kinder unbekleidet, was bei Erscheinen des Buches 1992 die Schutz- und Moralexperten auf den Plan gerufen hat. Das Kuriose an der Sache ist: Die Kinder waren an der Bildauswahl beteiligt, zeigten keine Bedenken hinsichtlich ihrer Nacktheit und sprachen sich gegen eine geplante spätere Veröffentlichung des Bildbandes aus.

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