Live in Arles 1975 – Can

Wird heute Musikmaterial, das sich in einem Archiv langweilt, in Vinyl gepresst und audiophile Scheiße zu Geld gemacht? Nach der Pleite mit der Led Zeppelin 4 LP-Box „Live ’69 & ’73“ liegt die nächste Katastrophe auf dem Plattenteller. War die Led Zeppelin Live-Katastrophe ein legendäres Konzert, ist die Wortwahl diesmal „einzigartig“ und eine „gefeierte“ Live-Serie. Holla, die Waldfee, sie ruft: Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Zugegeben, Can ist nicht vergleichbar mit feministischen Jammerarien von Ed Swift, keine emotionale Powerband wie Chapter 7 nebst Gesichtsbemalung, es geht mehr um improvisierte und vor allem handgemachte Rockmusik von vor 50 Jahre (das ist ein halbes Jahrhundert), in der noch fast alles erlaubt ist. Das ist jedoch kein Freibrief, den verzinkten Blecheimer herauszuholen, ein Mikrofon reinzuhängen und das Tonband mitlaufen zu lassen. Die Rille liefert ein dumpfes, von fast allen Höhen befreites Gedröhne, so als sei der teure Plattenspieler ein damals noch üblicher Mittelwellen-Empfänger.

Wie komme ich zu Can? Gefühlt hat jede deutsche Musikgröße, die nicht im heimatsprachlichen Mainstream verankert ist, in irgendeiner legendären Band gespielt, die wirklich nur eingefleischte Musikfans kennen müssen. Es ist wie mit dem Hörensagen über sieben Ecken und wenn die woken Tonpäpste vom Musikexpress Can und das Album „Ege Bamyasi“ mit zu den besten Alben was wo gibt zählen, dann muss ich diese Musik nach einer erfolgreichen Hörprobe in Apple Musik auch haben.

Zwei Dinge stimmen mich froh: Mein Gehör ist trotz Tinnitus doch noch so tauglich, guten von schlechten Sound zu unterscheiden. Außerdem ist der Mitschnitt von Can in Arles qualitativ nicht so suboptimiert, wie der digital aufgepeppt Led Zeppelin-Mitschnitt. Dennoch werde ich, auch des lieben Geldes wegen, nicht wagemutig und lege mir die anderen Can Live-Raritäten noch zu. Genug ist genug, versprochen.

Autor: Der Herr Makkerrony

Der "Herr Makkerrony", das ist Ronald Puhle aus Berlin und der Macher des weltbekannten und einzigartigen Magazins "Der Lichtbildprophet". Heute führt der ehemalige Laboringenieur das hektische Leben eines Rentners, das er persönlich sein "Phase3" nennt. Seit einem Vierteljahrhundert praktiziert der Herr Makkerrony die Fotografie und war ca. 15 Jahre als freier Autor für verschiedene Fotofachzeitschriften (z.B. fotoMagazin, Dipitalphoto, FotoPraxis und PhotoKlassik) tätig. Seine Arbeiten bestechen durch die bodenständige Aufnahmetechnik (LoFi - Fotografie), den kreativen Einsatz überlagerter Fotomaterialien, insbesondere ORWO-Fotopapiere und ORWO-Dokumentenpapiere und der Anwendung des Lith Print-Verfahren. Nebenbei lenkt sich Makkerrony mit freier, abstrakter Malerei ab, liest gerne und ist ein begeisterter Hörer analoger Musik von der Schallplatte. In seinem Atelier Flackerlight ist jedes Modell willkommen, das sich von ihm auf besondere Weise fotografieren lassen möchte.

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