Immediate Family – Sally Mann

„Immediate Family“ ist ein kontroverses Buch: Es zeigt im privaten Kreis die ständige Konfrontation mit den alltäglichen Geschehnissen des Lebens. Es verheimlicht oder beschönigt nichts, es versteckt nichts und es dichtet nichts hinzu. Mit einer gesunden Portion Neid bewundere ich Sally Mann’s Arbeit. Sie hat den wahren Wert der Kindheit und beginnenden Jugend erkannt und in einzigartigen Aufnahmen festgehalten. Wer bei diesen Bildern andere Gedanken entwickelt, sollte seine krankhafte Einstellung zum Menschen und zum Leben kritisch hinterfragen.

Was hat Sally Mann mit „Immediate Family“ genau getan? Was ruft selbsternannte Erretter und ihr Schandmaul auf den Plan? Sally Mann fotografiert im Zeitraum von 1984 bis 1991 ihre Kinder in unterschiedlichen Situationen ihres Familienalltags. Über alle gezeigten Aufnahmen hinweg gedacht, kommt in mir der Gedanken an eine Gartenidylle, Ferien und die beinahe grenzenlose Freiheit auf. Der Großteil der Aufnahmen zeigt die Kinder unbekleidet, was bei Erscheinen des Buches 1992 die Schutz- und Moralexperten auf den Plan gerufen hat. Das Kuriose an der Sache ist: Die Kinder waren an der Bildauswahl beteiligt, zeigten keine Bedenken hinsichtlich ihrer Nacktheit und sprachen sich gegen eine geplante spätere Veröffentlichung des Bildbandes aus.

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