Mein Holocaust – Tova Reich

Ich beginne mit einem Zitat. Unter der Überschrift „Ganz schlimm“ steht geschrieben: „Darf man eine Satire über den Holocaust schreiben? Die Antwort lautet ‚Nein‘. Tova Reich versucht es trotzdem und scheitert.“ Ich erlaube mir ein paar formale Undinge an dem Zitat zu ändern. Der Deutsche tut sich, erwartungsgemäß, schwer mit seiner Vergangenheit. Die einen sehen darin einen Fliegenschiss, andere wiederum ein ewiges Makel, welches in der Zeitachse lieber in ein Nazideutschland verschoben wird. Angesichts der Übermacht einer politischen Korrektheit darf ich fragen, worüber noch gelacht werden darf? Deutsche Comedian sind mittlerweile nur noch lächerlich, das politische Kabarett im linken Morast versunken und menschliche Fehlbarkeiten völlig gleichgestellt. Es ist kein Wunder, auf der Straße nur noch wandelnde Miesmuscheln auf zwei Beinen zu begegnen.

Eine Jüdin beschließt, Christin zu werden und in ein Kloster zu gehen. Dieses Kloster steht unweit des Vernichtungslagers Auschwitz, einem wichtigen Standbein der jüdischen Erinnerungsindustrie in den USA. Zu allem Überfluss ist die Novizin die Enkelin des Direktors des prestigeträchtigen US-amerikanischen Holocaust Memorial Center. Es ist die klassische Story um das Schwarze Schaf einer Familie, die über Generationen alles daran setzt, das Gedenken an die Opfer der industriellen Vernichtung von Menschen aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit am Laufen zu halten. Dieser Kreis der Opfer erweitert sich im Laufe des Buches und nimmt kuriose Züge an, wenn Empfindungen und Wachstumsdenken statt Verstand und Vernunft überhand nehmen. Ich greife noch einmal auf ein Zitat zurück: „Das alles ist verquaster Nonsens und außerdem geschmacklos.“

„Mein Holocaust – Tova Reich“ weiterlesen

Stella Goldschlag: Eine wahre Geschichte – Peter Wyden

Ich bin erstaunt, wie naiv meine Gedanken sein können. Ein Beispiel: Allen Ernstes glaubte ich, dass es unter gläubigen Leidensgenossen keinen Verrat gibt. Das Lesen des Sachbuches „Stella Goldschlag: Eine wahre Geschichte“ von Peter Wyden belehrt mich eines Besseren. Das nächste Beispiel: Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Juden jüdischen Überlebenden der Konzentrationslager Vorhaltungen machen, ein Vernichtungslager überlebt zu haben. Das Essay „Die Untergegangenen und die Geretteten“ von Primo Levi eröffnet mir diese andere Perspektive. Ein Auslöser für diese Haltung könnte Stella Goldschlag gewesen sein.

In dem Gedankenchaos habe ich irgendwann die Überlegung zugelassen, dass Juden womöglich auch NSDAP gewählt haben. Anstoß war der Film „Endlich Tacheles“ von Jana Matthes und Andrea Schramm, in dem es um böse und gute SS-Offiziere in einem Computerspiel geht. Meine Gedankenfragmente möchte ich um Viktor Klemperer und seine „LTI“ ergänzen. Dieser Titel ist für mich persönlich sehr wichtig, um zu verstehen, wie eine Gesellschaft die Sprache für ihre Zwecke missbraucht.

„Stella Goldschlag: Eine wahre Geschichte – Peter Wyden“ weiterlesen