Nan Goldin (55s) – Nan Goldin und Guido Costa

Nahezu quadratisch, dem Format, welchen eine ausgleichend-beruhigende Wirkung nachgesagt wird, kommt der handliche Bildband in seinen etwa 15 mal 16 Zentimeter daher. Außer ‚Nan Goldin‘ gibt es auf dem Cover wenig andere Hinweise und Unterstützung für den Interessenten. Der Verlagsname übertrumpft in größeren Buchstaben den Buchtitel selbst. Es liegen Gegensätze und Provokation in der Luft, auch wenn die Aufnahmen auf Vorder- und Rückseite des Buchcovers anderes vermuten lassen. Erst das Internet liefert nach und kann entwirren. Wenn jeder Mensch sich in seiner Blase als Nabel der Welt sehen darf, ist nicht jedem anderen Menschen geläufig, wessen Arbeiten er gerade sieht.

Gebetsmühlenartig lese ich von roher Intimität, Verwundbarkeit, Drogenkonsum und zärtliche Gewalt, gefolgt von AIDS, LGBTQ und die Wunderkraft der heiligen weichen Wissenschaft Soziologie. Salopp formuliert reden wir vom Singen und Klatschen, wo alles kann, aber nichts muss. Beginnend 1973, Nan Goldin ist 20 Jahre alt, folgen auf 128 Seiten Text und Fotografien über 27 Lebensjahre der US-amerikanischen Fotografin Nan(cy) Goldin. Abgesehen von meinen Eindrücken beim Betrachten der Bilder, schaue ich, was andere Quellen über Goldin und ihre Arbeiten schreiben. Ich lese Aktivistin, Machtverhältnisse in Beziehungen, patriarchale Gesellschaft, Dominanz, Unterwerfung bis hin zur Radikalität. Es reicht. Das ist mir zu viel Ideologie und unterschwellige Gewalt.

„Nan Goldin (55s) – Nan Goldin und Guido Costa“ weiterlesen

Camera Work – Alfred Stieglitz

Der Formhalber sei zu Beginn erwähnt, dass der hier besprochene Bildband den Untertitel ‚The Complete Photographs 1903-1917‘ trägt. Seiner Länge wegen entfällt die Nennung in der Beitragsüberschrift. Ebenso muß ich erwähnen, dass ‚Camera Work‘ sich nicht ausschließlich auf die fotografischen Arbeiten von Alfred Stieglitz bezieht. Vielmehr geht es um das vierteljährlich von Alfred Stieglitz herausgegebene und von 1903 bis 1917 erschienene Magazin mit dem Titel ‚Camera Work‘. Folglich ist der Bildband ein Sammelsurium verschiedener Fotografen und damit unterschiedlicher Stilrichtungen. Ein deutscher und englischsprachiger Begleittag klärt über die Zusammenhänge Alfred Stieglitz, Photo-Secession, ‚Camera Work‘ und Galerie 291 auf. Darüber hinaus hilft Wikipedia zum Thema weiter.

Die Fotografie hat zum genannten Zeitraum das Laufen gelernt und beginnt nun, wie ein Halbstarker zu rüpeln: Jeder neuen Sichtweise auf ein Sujet wird ein bedeutungsschwangerer Ismus verpaßt, zur heiligen Regel der Bildgestaltung erhoben, die noch heute von Millionen sogenannter Fotografen als ewig gültiges Gesetz praktiziert wird. Das klingt sarkastisch und ist auch so gemeint. Diskussionen um die Ablehnung beziehungsweise Annahme der Bildretusche erzeugen ein breites Grinsen in meinem Gesicht. Diese Diskussion wird wohl nie enden, eher verschärft sie sich durch KI und der damit vollendet ausgelebten Bequemlichkeit des selbsternannten kreativen Menschen.

„Camera Work – Alfred Stieglitz“ weiterlesen