Ich habe verstanden, glaub ich zumindest

Was habe ich mir für Gedanken um die mutige Unbekümmertheit der Jugend gemacht. Man kommt wann man will, leidet unter chronischer Selbstüberschätzung, hat immer so viel zu tun, nie Zeit, pflegt Fantasien fernab der Realität. Das alles hat nichts mit jugendlichem Leichtsinn zu tun oder mit dem Fehlen hochnotpeinlicher Erziehungsmaßnahmen. Auch die unnötigen wie trivialen Ablenkungen der Medien, von TV bis sozial, hat alles nichts damit zu tun! Es liegt natürlich auch nicht an den jungen Menschen, die noch Mitte der Dreißiger nach dem Sinn des Lebens suchen. Zu der Erkenntnis bin ich JETZT gelangt. Für mich ist die Schuldfrage vollkommen klar und damit ABSOLUT geklärt!

Um nach der Chemo meine Koordinationsprobleme und den Empathieverlust wieder in den Griff zu bekommen, habe ich mir eine Game Konsole zugelegt und fahre – als real Führerscheinloser – die tollsten Autorennen. Und genau dabei ist mir der Quell des Verderbens unserer Jugend ins Auge gesprungen: Habe ich Koordinationsschwierigkeiten oder raste emotional total aus, begehe einen Fahrfehler und verursache sogar einen Sachschaden, dann spule ich einfach die Zeit und damit das Geschehene ein Stück zurück, korrigiere mein Fehlverhalten und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Nichts kaputt, keiner heult mehr, alles ist von jetzt nach hier vergessen. Was für eine schöne heile Welt, besser als dieser ganze Schlagerscheiß.

Liebe Betroffene! Sorry, aber im realen Leben gibt es keine Zurückspul-Funktion! Wirklich! Das klingt komisch und tierisch doof, ist aber so. Muss ich noch mehr sagen? Eigentlich nicht, hoffe ich!

Abgekoppelt

Mir scheint es so, als sei dieses Jahr der Morgen dunkler als vergangenes Jahr. Hatte das vorherige Jahr überhaupt Wetter? In den Medien als auch in meinem Umfeld wird über das Wetter gemeckert. Zu warm, zu nass, zu viel Sonne, zu wenig Sonne. An das Wetter im vergangenen Jahr habe ich nur eine Erinnerung: Kräftiger Schauer, im Juli oder August. Ich saß in der Praxis und dachte, der Krankentransport wird mich heute im Kahn nach Hause bringen müssen. Wenige Minuten später war alles vorbei und der Nordosten Berlins weiß, hagelweiß. Mitten im Sommer.

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Nachgedacht: Im Tal des Gipfels

Beides las ich in den Medien, einen Tag nach dem großen Kniefall Diesel-Gipfel:

‚Wenn man etwas in die Scheide steckt und es tut weh, dann ist es wohl einfach nicht gut und gehört da nicht rein.‘

‚Schwanz ist ganz geknickt.‘

Was für Bombensensationen, die mich einfach nur noch sprachloser machen!

Nachgedacht: Edeka-Markt verkauft keine Messer mehr

Als hatte ich es im Mittelstrahl meines Morgenurins: Nach dem Ereignis in Hamburg kommt bestimmt ein Ganzganzschlauer und tierisch Besorgter, der momentan leider nicht im Mittelpunkt der Medien steht, auf die glorreiche Idee, Messer verbieten zu lassen. Bundesweit. Oder wenn Messer unbedingt sein müssen, dann muss die Spitze total abgerundet sein und die scharfe Klinge vollkommen abgestumpft werden. Diese Blindpese von Mensch könnte als Argument gegen jedes – ach so gefährliche – Messer hier in Deutschland nicht nur die potentielle Quasi-Terrorgefahr ins Spiel bringen. Nein, in anderen Ländern ist es sogar üblich, nur mit den Fingern zu essen. Der deutsche Reinlichkeitsfanatiker muss es denn nur wollen. Also mit seinen eigenen Fingern essen. Und seiner eigenen Sicherheit zuliebe wird er sich, nach dem totalen Messerverbot, dazu zurecht überwinden müssen. Nun lese ich diese Schlagzeile – Edeka-Markt verkauft keine Messer mehr – auf Deutschlands Boulevard-Großformat-Tageszeitung im Online-Portal und bekomme aggressive Schnappatmung.

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