Der Künstler als Fotograf – Ernst Ludwig Kirchner

Insofern sich der Leser für Malerei und den Expressionismus interessiert, dürfte der Name Ernst Ludwig Kirchner ein Begriff sein. Aus seinen Händen stammen auch Grafiken, Skulpturen und Fotografien. Letztere sind Gegenstand des Bildbandes, den ich hier kurz vorstellen möchte.

Ein Maler der fotografiert: Was für eine Steilvorlage für all jene, die ekstatisch über Kunst, Malerei und Fotografie diskutieren wollen und müssen. Ich bin der Diskussion Leid. Wie die Malerei bietet auch die Fotografie, ja selbst die Analogfotografie, zig Möglichkeiten, das fotografierte Gesehene zu manipulieren. Es beginnt bei den Kameraeinstellungen und endet im Fixierbad in irgendeiner Dunkelkammer. Wenn mich irgendetwas an diesem Gezänk interessiert, dann nur die Frage, ob die Exkursion des Malers ins andere Fach Fotografie nur eine kurze Episode oder von Dauer war. Alles andere ist für mich Makulatur.

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Die Stadt der Frauen – Miroslav Tichy

Am Beginn meiner Liebhaberei zur Fotografie waren die späte Leni Riefenstahl und Helmut Newton für mich die großen Meister. Es waren nicht nur die jeweiligen Menschenfotografien, auch der Umgang der beiden miteinander war bemerkenswert. Leni Riefenstahl, wegen ihrer Propagandafilme zur NS-Zeit noch heute in Deutschland eine totgeschwiegene Person und Helmut Neustädter, ein Jude aus Berlin, der über Singapur kommend die Kriegsjahre in Australien verbracht hat. Beide Biografien habe ich gelesen und bewundert, mit wieviel Respekt sie trotz der Geschehnisse miteinander umgegangen sind. Fotografie verbindet, doch was hat der Mensch mit seinem Ego daraus gemacht?

Obwohl beide ihren kreativen Nachlass nach Berlin gegeben hatten, ich mehrmals das Museum für Fotografie (leider keine Riefenstahl-Ausstellung) besucht habe, änderte sich meine Sicht- und Herangehensweise an ein Bild: Nach einer privaten Katastrophe sollte nicht mehr das bügelglatte Foto mein Ziel sein. Solche Aufnahmen haben für mich keine Geheimnisse und nehmen dem Betrachter, wenn es denn ein Betrachter und kein purer Konsument ist, das Denken ab. Nur eine Möglichkeit besteht, den Betrachter zum Denken herauszufordern: Unschärfe, das Motiv braucht eine dekorative Unschärfe wie Zuckerwatte. Trotz des Perspektivwechsel bleibt der Götterstatus für Newton und Riefenstahl.

Statt teurer Markenobjektive, die den Preis der Digitalkamera in nichts nachstehen und sogar übertrumpfen, probiere ich Spielzeuglinsen a la Holga HL & Co. aus. Egal was ich unternehme, die Digitalkamera und ihre interne Bildverarbeitung setzt alles daran, scharfe Aufnahmen ohne irgendein bildhaftes Widerwort zu fabrizieren. Ohnehin waren die Experimente um eine digitale Unschärfe das Paradebeispiel der Schizophrenie: Die Kamera lebt ihren Perfektionsdrang aus und ich spiele in Adobe Camera Raw mit Reglern, um Störungen und Bildeffekte aller Art irgendwie in die Aufnahmen zu zaubern.

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Ein Buch von Seite 99 bis 111

Ich schreibe gerade ein Buch. Schreiben ist etwas übertrieben, denn ich weiss nicht, ob ich je ein Wort zu dem Buch beitragen werde. Das Buch, es handelt über ein Abschnitt in meinem Leben. Kleiner Abschnitt. Es geht um einen Neuanfang, sich wiederfinden und weitermachen ohne stehen zu bleiben. Nach der „Schock-Diagnose“. Die Diagnose Krebs ist für mich kein Überraschungsmoment, keine Schock-Diagnose. Trotz „Heilung“ ist Krebs für mich Realität, ist Teil meines Alltags. Deshalb kann das Buch nicht mit der Seite 1 beginnen oder ein Vorwort haben. Genauso wenig wird dieses Buch ein Ende haben, geschweige denn einen Epilog. Das Gute ist vergänglich, trotzdem geht das nicht.

Ich lasse Willkür walten, weil ich es in freien Gedanken als Bild- und Worthandwerker kann. Das Buch ohne viel Worte beginnt bei Seite 99 und findet sein Ende in der Seite 111. Nun denkt der Fantasielose an dreizehn Seiten. Ein Buch mit dreizehn Seiten, wer will so etwas haben, wo doch auch wenig Worte zu lesen sind? Zu groß ist eure Verallgemeinerung. Ich sage nicht, dass nur dreizehn Seiten sind. Das Buch von Seite 99 bis 111 hat mehr Seiten als Verstand und Vernunft erahnen lassen. Die Fantasie, sie schreibt mehr Seiten und tut sie einfach zwischen die anderen Seiten. Und doch bleibt es bei Seite 99 bis 111.

Schon vor Wochen habe ich begonnen das Anfang und Ende des Buches zu schreiben. Auf meine Weise. Die Seiten lagen lange herum, mir fehlte das Weiter im Kopf. Ich denke gerade positiv. Für mich. Es fühlt sich so sinnlos an. Über das Dazwischen waren keine Gedanken frei. Ich dachte, es wird nicht viel sein. Corona, Pandemie, Lockdown, eine weite Anreise und jeder hat seine Geheimnisse. Es könnte alles ganz anders sein als es den Anschein hat. Mein Kopf, er tat ihr Unrecht und hat vieles aussortiert was überhaupt nicht aussortiert gehört. Wir haben uns oft, wenn nicht sogar viel gesehen. Es ist genug, wenn nicht sogar vieles da, was ich auf dreizehn Seiten und mehr ihr zeigen kann. Mein Kopf und ich, wir sind gleiche Seelen in ungleichen Welten.

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*21#11[16] – Ein Buchprojekt

Das Bild sollte ein Dasein fristen dürfen. Also gehört es nicht in irgendeinen elektronischen Speicher sondern auf Papier. Zugegeben, manch Bild ist besser auf der Festplatte des Machers aufgehoben und sollte nie dieselbe verlassen. Solche Ausnahmen und sein sie selbst in der Mehrzahl, sollte den bewussten Fotografen nicht davon abhalten, ausgewählte Bilder zu einem greifbaren Gegenstand zu machen.

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